Tageseltern werden auch im Kreis Esslingen händeringend gesucht. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Im Landkreis Esslingen fehlen Erzieherinnen und Tageseltern. Denn der Bedarf ist hoch, das Interesse an dem Job aber nicht groß genug. Deshalb müsste der Kreis mehr Interesse an zufriedenen Tageseltern zeigen, findet Melanie Braun.

In Zeiten der Kita-Krise sind nicht nur Erzieherinnen, sondern auch Tageseltern Mangelware. Es finden sich einfach zu wenig Interessierte, die sich vorstellen können, hauptberuflich Kinder zu betreuen. Auch im Kreis Esslingen ist man händeringend auf der Suche nach Fachkräften für die Kinderbetreuung. Angesichts der Dringlichkeit, mit der das Thema auch hier immer wieder vorgebracht wird, machen die Schilderungen verschiedener Tagesmütter über schlechte Erreichbarkeit, mangelnde Kommunikation und massive Zahlungsrückstände des Landratsamtes sehr nachdenklich.

 

Zahlungsrückstände werfen schlechtes Licht aufs Landratsamt

Natürlich kann es mal passieren, dass eine Rechnung zu spät bezahlt wird – davon können sicher viele Selbstständige ein Lied singen. Aber wenn Tagesmütter im Kreis Esslingen jeden Monat gravierende Ausstände haben und ständig ihrem Geld hinterherrennen müssen, dann wirft das ein sehr schlechtes Licht aufs Landratsamt. Denn dieses ist für den Großteil der Bezahlung der Tageseltern zuständig – und wenn diese über Zahlungsrückstände von bis zu 60 Prozent ihres Einkommens klagen, muss das alarmieren. Nicht nur, weil es eine Zumutung ist, wenn Menschen Leistungen erbringen, dafür aber monatelang nicht entlohnt werden. Sondern auch, weil das Landratsamt eigentlich größtes Interesse daran haben dürfte, dass die raren Fachkräfte zufrieden sind und vor Ort arbeiten wollen.

Umso erstaunlicher ist es, dass das Landratsamt sich überhaupt nicht zu den Vorwürfen der Tagesmütter äußern will. Immerhin scheint es sich nicht nur um wenige Einzelfälle, sondern um breiten Unmut zu handeln – das wird klar, weil auch der Tageselternverein von einer großen Unzufriedenheit unter den Tageseltern spricht, die zu einem aufwendigen Dialog mit dem Landratsamt geführt habe. Offenbar sind als Folge dieses Dialogs drei größere Veränderungen angepackt worden, bei denen Pauschalen die aufwendigen Spitzabrechnungen ersetzen und damit die Prozesse vereinfachen sollen. Beim Tageselternverein sieht man durchaus Verbesserungen und ist zuversichtlich, dass es bergauf geht. Ob die Neuerungen auch die Tagesmütter überzeugen, bleibt abzuwarten – bei mindestens einer von ihnen ist es schon zu spät: Kerstin Hänle gibt ihren Job wegen mangelnder Wertschätzung auf.