Der Göppinger Hersteller von Modelleisenbahen hat erstmals seit sechs Jahren wieder zu Tagen der Offenen Tür eingeladen. Die Besucher reisten aus vielen Teilen Europas an. Verkehrsbetriebe nutzten das Event, um Mitarbeiter zu werben.
Einblicke in die Produktion, Sonderangebote und ein attraktives Rahmenprogramm lockten Jung und Alt: Zu den ersten Tagen der Offenen Tür seit sechs Jahren beim Göppinger Modelleisenbahnhersteller Märklin strömten die Besucher am Freitag und Samstag. 30 bis 45 Minuten mussten die aus ganz Europa angereisten Besucher bereits am Freitagvormittag kurz nach dem Start um 9 Uhr warten, um bei einer Werksführung die gesamte Fertigungsstrecke der Modellbahnen gezeigt zu bekommen. Dabei erfuhren sie beispielsweise, dass bei Märklin nicht nur die Druckgussgehäuse, sondern auch alle kleinen Einzelteile wie Zahnräder, Schrauben und Schnecken hergestellt werden. „Um dann von unseren fleißigen Damen zusammengebaut zu werden. So wird jede Lok zum Unikat“, sagte Eric-Michael Peschel, der Leiter des Event-Marketings.
Beim dreistündigen Rundgang konnten die Teilnehmer an den Ständen auch selbst aktiv werden, am Lokführer-Simulator der MEV (Mannheimer Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft) beispielsweise. Oder beim Kauf spezieller Märklin-Becher mit technischem Motiv, die vor den Augen der Besucher hergestellt wurden. „Frisch aus der Spritzgussmaschine“, so Peschel. Sie waren zu haben gegen eine Spende von einem Euro zugunsten des Kinderhospizes. Etliche gaben mehr.
Praxisnahe Werbung für den Beruf des Zugführers
Am Stand der MEV werden Kindheitsträume wahr: An einem Führerstandsimulator erleben sie „100 Prozent“ echte Situationen an den Schalthebeln eines Lokführers und können sich in dessen Aufgabe üben. Bei der MEV meldeten sich bei derartigen Veranstaltungen aufgrund der praxisnahen Werbung immer wieder Interessenten, berichtet die Personalreferentin Senay Sen, die dies anhand zweier Beispiele deutlich macht: Ein 55-jähriger Hausmeister habe sich aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage seiner Firma dazu entschieden, den Kindheitstraum vom Lokführer wahr werden zu lassen. Eine Besucherin der Modellbaumesse in Friedrichshafen habe die MEV-Schule bereits absolviert und sei schon auf der Schiene unterwegs. Auch Walter Reichel probiert sich im MEV-Führerstand. „Es hat einfacher ausgesehen“, sagt er nach Verlassen des Führerstandes. Er war zusammen mit Monika Sasse, deren Opa Lokführer war, aus dem fränkischen Schwabach mit einem Sonderzug zum ersten Mal nach Göppingen gekommen. Im Sonderzug von Franken nach Schwaben hätten sie dem Zugführer während der Fahrt über die Schulter gucken dürfen. „Super interessant“ sei beides gewesen.
Gerhard und Eva Dann aus Aalen kommen seit Jahren zu den Märklin-Veranstaltungen nach Göppingen. Besonders interessiert sie der Sonderverkauf. Gerhard Dann guckt sich dort gerne um. Findet er dann auch was? „Das kann man laut sagen“, meldet sich die Gemahlin heftig nickend zu Wort, bevor der Chef-Einkäufer anmerken kann, dass er sich ob der vielen attraktiven Angebote immer eine Budgetgrenze setze. Der erwachsene Enkel hat derweil schon eine gefüllte Tüte in der Hand. Gekauft hat er Lok und Zeiss-Wagons – und damit auch ein Stück Familientradition, die über die Modelleisenbahnleidenschaft hinaus geht. Schon die Großeltern waren Zeissianer.
Aus dem Täle sind Simone Maier und Sandra Joswig mit dem dreijährigen Phil nach Göppingen gekommen. Vor allem interessiere sie, wie Modelleisenbahnen entstehen, erzählen sie, bevor sie sich in die Schlange einreihen. Zuerst gab es noch einen Ausflug zur großen Dampflok auf dem Märklin-Gelände, um Phil an das Thema Zug heranzuführen. Denn ihm war es an diesem Vormittag zunächst eher nach Flugzeugen.