Ganz schön laut: Baumaschinen haben es in sich, was Lärm angeht. Foto: Jan Potente

Am Tag gegen Lärm zeigen Fachleute der Berufsgenossenschaft Bau, wie man sich schützt – nicht nur vor lauten Baumaschinen, sondern auch vor Lärm in der Disco.

Remshalden - Eine Welt ohne permanente Geräuschkulisse kann man sich kaum mehr vorstellen. So richtig lärmt die Gesellschaft erst seit dem 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung Maschinen zum Einsatz brachte und mit Eisenbahn und Automobil schnaufende und knatternde Fortbewegung möglich wurde. Davor waren der Klang von Kirchenglocken, das Rauschen von Gewässern oder des Regens, Donner am Himmel oder die Brandung des Meeres die lautesten Geräusche im Alltag. In der Antike war es noch stiller. Die Gallier vor Rom jagten den Einwohnern im vierten Jahrhundert vor Christus einen gewaltigen Schrecken ein, als sie in ihre Carnyxe bliesen, die einen völlig ungewohnten Höllenlärm verbreiteten.

Schwerhörigkeit als Berufskrankheit

Was hätte ein alter Römer erst gedacht, wenn er eine elektrische Steinsäge in Betrieb gehört hätte? Wie jene in Geradstetten, die sich mit einem kreischenden Geräusch frisst sich das Sägeblatt in einen Stein, der davor festgemacht ist. Mehrere Auszubildende des Ausbildungszentrums Bau sehen gespannt auf ein Messgerät, das Björn Huttenlocher von der Berufsgenossenschaft (BG) Bau in der Hand hält. Der Zeiger schlägt schon weit über 85 Dezibel aus. Ohne Hörschutz lauert hier eine Berufskrankheit: Schwerhörigkeit.

„Tag gegen den Lärm“ heißt der Teil der Ausbildung, den der Verband der Bauwirtschaft regelmäßig zusammen mit der BG anbietet. Am Montag ist dazu wieder eine Gruppe Techniker und ein Arbeitsarzt nach Geradstetten gekommen, um eindrucksvoll zu demonstrieren, wo der Lärm überall herkommt.

Der freie Oberkörper in der Sonne

„Schwerhörigkeit und Hautkrebs sind die beiden häufigsten Berufskrankheiten bei Bauberufen“, sagt Wolfgang Zanker, der wie Björn Huttenlocher in der Prävention der BG Bau beschäftigt ist. Neben dem Gehörschutz, der in der Bauhütte vergessen wurde, sei der sorglose Umgang mit der Kleidung, sobald die Sonne scheint, ein häufiges Manko. „Bei Dachdeckern scheint der freie Oberkörper zum Beruf zu gehören“, sagt einer der Instruktoren grinsend. „Rette deine Haut“ heißt deshalb ein weiterer Aktionstag, der demnächst in Geradstetten veranstaltet wird.

Aber jetzt geht es um Krach. „Ich finde eine Flex am schlimmsten“, meint einer der jungen Männer. Das kreischende Geräusch kann allerdings auch mit den richtigen Mitteln vom Gehör ferngehalten werden. Oft setze man diesem aber in der Freizeit Zumutungen aus, die man sich am Arbeitsplatz verbitte. „Abends in der Disco oder im Auto bei voll aufgedrehter Stereoanlage“, sagt Zanker. „Und im Urlaub legt man sich auf Malle den ganzen Tag in die pralle Sonne.“

Vorbeugung seit mehr als 20 Jahren

Als junger Mensch mache man sich eben keine Gedanken über die Langzeitfolgen, sagt Martin Kleemann, der Leiter des Ausbildungszentrums. „Darum machen wir seit mehr als 20 Jahren diese Präventionsveranstaltungen. Das Thema wird auch bei unseren Firmen durchaus ernst genommen.“

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