Albrecht Ernst erklärt Besuchern im Leseraum die Architektur des Gebäudes. Foto: Lichtgut

Am Tag des Denkmals stehen auch Gebäude im Mittelpunkt, die man nicht auf der Rechnung hat – zum Beispiel das Hauptstaatsarchiv. In unserer Bildergalerie stellen wir weitere sehenswerte Orte vor.

Stuttgart - Es ist, als steige man Baden-Württemberg ins Gehirn. In den Magazinen des Hauptstaatsarchivs lagert das Gedächtnis des Landes. Hunderttausende Urkunden, Akten, Karten, Pläne, außerdem Film- und Tondokumente sowie Millionen Fotografien. Die Sammlung reicht vom 8. Jahrhundert bis heute, und die Schatzkammer füllt sich unaufhörlich. Als Ministerialarchiv des Landes übernimmt das Hauptstaatsarchiv relevante Unterlagen der obersten Landesbehörden. 27 Aktenkilometer lagern an der Konrad-Adenauer-Straße, erklärte Albrecht Ernst, der stellvertretende Leiter, bei einer Führung am Sonntag. Ums Papier im Bauch des Gebäudes ging es aber nur am Rande. Im Fokus stand erstmals das Haus selbst. „Das ist eine absolute Premiere“, sagte er.

Das Hauptstaatsarchiv wurde im Rahmen des Tages des offenen Denkmals präsentiert. Dabei fällt es wohl nur wenigen als herausragendes Bauwerk auf. Ob der kubische Flachbau mit seiner Klinker-, Glas- und Betonfassade nun schön ist, da scheiden sich die Geister. Innen dominiert der klassische 60er-Jahre-Schick: dunkles Holz und Sichtbeton, Linoleum und Teppich, Kugelleuchten und Kassettendecken. „Man mag den Brutalismus, oder man mag ihn nicht“, sagte Nicole Bickhoff, die Leiterin. Einzigartig sei jedenfalls, dass das Haus bis heute weitgehend unverändert dastehe – bis hin zur Anordnung der Tische im Lesesaal. Tatsächlich ist es wegen seiner städtebaulichen und landesgeschichtlichen Bedeutung 2013 in die Landesdenkmalliste aufgenommen worden.

Der Tag des offenen Denkmals findet in Deutschland seit 1993 statt

Der Tag des offenen Denkmals findet in Deutschland seit 1993 statt. Ziel: die Öffentlichkeit fürs kulturelle Erbe sensibilisieren. Das Ganze ist jedoch keine eigene Erfindung. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days. Das Thema in diesem Jahr lautete „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Allein in der Landeshauptstadt konnte man sich gut 30 Denkmäler anschauen, darunter Klassiker wie Museen, Türme und Kirchen, von ganz groß wie die Oper bis ganz klein wie diverse Stolpersteine. Aber auch weniger Bekanntes war dabei, etwa die auf den ersten Blick recht spröde wirkende Unibibliothek in der Stadtmitte.

Was sie mit dem Hauptstaatsarchiv gemein hat: Die meisten Besucher werden allenfalls Lese- und Besuchersäle sowie Ausstellungsräume kennen. Tatsächlich aber ist das exakt 50 Jahre alte Hauptstaatsarchiv vor allem untenrum ziemlich ausgefuchst. Drei von fünf Geschossen sind unterirdisch und beherbergen neben Magazin und Tresorraum etwa ein Fotolabor oder eine Restaurierungswerkstatt. Zum Schutz des Archivguts wurden aufwendige Vorkehrungen getroffen. So sitzt das Gebäude in einer gewaltigen Betonwanne, die im Zweifelsfall Grund- und Hochwasser fernhalten soll. Immerhin: Das Archiv steht laut Albrecht Ernst auf der Talsohle des Nesenbachs. Auch ist eine massive Trümmerdecke eingelassen. „Das Gebäude ist ein Kind des Kalten Kriegs“, entsprechend gibt es auch einen Luftschutzbunker, der heute aber nur noch als Lager herhält.

Wenige wissen wohl auch, dass das Hauptstaatsarchiv das erste Gebäude ist, das nach dem Zweiten Weltkrieg an der Kulturmeile vollendet wurde. Tatsächlich liegt im Keller ihr Grundstein. Hier beginnt also die Konzeption jener Meile, die jüngst aus städtebaulicher Sicht wieder stark in den Fokus gerückt ist. „Grundstein kultureller Bereich“ steht drauf, gesetzt im Juli 1965. Was drin ist? Albrecht Ernst: „Zeitungsausschnitte, Münzen, Medaillen und Trollinger. Die wesentlichen Dinge.“

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