Im zweiflügeligen Barock-Bau in der Ritterstraße tagte einst der Magistrat der Stadt Esslingen. Heute hat dort das Amtsgericht seinen Sitz. Foto: Horst Rudel

Den Zugang zu 40 Baudenkmälern ermöglicht die Stadt am Tag des Offenen Denkmals im September. Die erwarteten 7000 Besucher können außerdem Konzerte, Führungen, ein Kinderprogramm und eine Kunstausstellung erleben.

Esslingen - Kaum eine Stadt in Baden-Württemberg besitzt so viele Denkmale und öffnet so viele davon zum Tag des offenen Denkmals in Baden-Württemberg wie die ehemalige Freie Reichsstadt Esslingen. Das sagt zumindest die Stiftung Denkmalpflege zu den 40 Objekten, die zugänglich sind. Rund 7000 Besucher werden am Sonntag, 10. September, erwartet, wenn die Stadt buchstäblich ihre Türen und Tore für die Besucher öffnet und man in die Krypta von St. Dionys sehen kann, in das Innere des Dicken Turms und in die mittelalterlichen Keller von Kessler Sekt.

Riesige siebenschiffige Halle

Neues gibt es in diesem Jahr auch zu besichtigen. In Vergessenheit geraten ist das um die Wende zum 20. Jahrhundert gebaute Eisenbahnbetriebswerk in der Oberesslinger Rennstraße mit seinen siebenschiffigen riesigen Hallen. Neu im Programm sind auch die bürgerlichen Villen in der Mülbergerstraße und in der Bahnhofstraße, die das Ambiente großbürgerlichen Wohnens vor dem Ersten Weltkrieg bewahrt haben. Eines der neuen Objekte ist die Villa Nagel in der Ebershaldenstraße. Hier haben Matthias Kunisch und Marcus Fauser von 11 bis 17 Uhr eine Kunstausstellung eingerichtet, um 19 Uhr spielen dort die Musiker des Podium-Festivals.

Das Hauptthema des landesweiten Tages gilt jedoch dem Barock, einem Baustil, der speziell im eher sinnenfeindlichen protestantischen Alt-Württemberg weniger vertreten ist. Die Freie Reichsstadt, zwar in Württemberg gelegen aber nicht württembergisch, nahm da eine Mittelstellung ein. Das ehemalige Rathaus der Stadt und jetziges Amtsgericht ist eines der wenigen Beispiele dieses speziell württembergischen Barocks, dessen zurückhaltende Gestaltung bemerkenswert ist.

Spannende Baudenkmäler

Viele der spannenden Baudenkmäler sind erst in den letzten Jahren entdeckt und gewürdigt worden. Man denke nur an das Central-Theater am Rossmarkt. Der einstige Pferdestall wurde 1913 zum Kino umgebaut und zählt zu den ältesten Kinos Deutschlands. Der städtische Denkmalpfleger Andreas Panter zeigt auch, wie sich manche Häuser über die Jahrhunderte verändert haben. Beispielsweise stammt ein ursprünglich auf 1783 datiertes Haus tatsächlich aus dem Jahr 1443 und hat einen sehr seltenen Dachstuhl aus Pappelholz. Ebenfalls kann man in die alten Handwerkerhäuser in der Ehnisgasse blicken, deren originale Erhaltung zur Zeit noch fraglich ist. Außerdem werden die archäologischen Grabungsbefunde auf dem Karstadt-Parkplatz gezeigt, wo mittelalterliche Keller freigelegt wurden.

Veranstaltungen
Das Programm liegt bei der Stadtinformation im Späthschen Haus am Marktplatz aus. Von 10 Uhr an gibt es dort auch die kostenlosen Karten für die vielen verschiedenen Führungen. Wer sich vorab informieren will, findet das Programm auf der Homepage der Stadt unter www.esslingen.de.

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