Beim Esslinger Tag des offenen Denkmals lautet das Motto diesmal „Sein und Schein in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“.
Esslingen - Sein und Schein. Diese Überschrift könnte Philosophengehirne zum Kochen, Gelehrtenrunden zum Streiten, Denkerautoren zum Verzweifeln bringen. Doch in diesem Fall ist statt theoretischer Tiefe praktische Umsetzbarkeit gefragt. „Sein und Schein in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ lautet das Motto des „Tages des offenen Denkmals“, der am 12. September, dem letzten Sonntag der Sommerferien, über die Bühne geht. Aus diesem Anlass wird sonst Verschlossenes geöffnet, sonst Verborgenes vorgestellt, sonst Verschwiegenes gesagt. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen, und in diesem Jahr, so verrät der Mitorganisator Andreas Panter von der Stadt Esslingen, möchten die Veranstalter mit Blick auf die unabwägbaren Risiken der Pandemie den Veranstaltungsmodus zweigleisig, analog und digital, planen.
Ideen zu Sein und Schein
Der Hintergrund wird in den Vordergrund gerückt. Das Motto „Sein und Schein“, so Andreas Panter aus dem Esslinger Baurechtsamt, biete die einmalige Chance, die zu Unrecht als etwas angestaubt geltende Arbeit der Denkmalpflege neu aufzupolieren. Denn es zeige, wie spannend die gewonnenen Erkenntnisse sein könnten. Unter der Devise „Sein und Schein“ sei es möglich, Altbekanntes aus einem neuen Blickwinkel zu präsentieren, hinter die Fassaden zu blicken, verloren gegangene Hintergründe aufzudecken, die ursprüngliche Bedeutung eines Bauwerks darzustellen. Neue Zeiten würden neue Arbeitsweisen, neue Techniken und neue Methoden in Forschung, Wissenschaft und Denkmalpflege hervorbringen, die bisher nicht Vermutetes ans Licht bringen könnten. Einige Ideen zu dem Thema seien bereits in der Pipeline: Führungen über den jüdischen Friedhof, ein Besuch der evangelischen Kirchenbibliothek, Filme im Central Theater, Einblicke in die Frauenkirche.
Live ist es lebendiger
Das Motto „Sein und Schein“ auf die Esslinger Verhältnisse zu übersetzen – das ist die große Herausforderung des „Tags des offenen Denkmals“ in diesem Jahr. Die Veranstaltung wird im Teamwork zwischen Stadt, Ehrenamtlichen, Architekten und anderen Berufsgruppen, Kirchengemeinden, Vereinen und Gruppierungen auf die Beine gestellt und lockt in Nicht-Corona-Jahren zwischen 3000 und 7000 Besucher zu bis zu 60 Programmpunkten nach Esslingen. Im Vorjahr hatte die Pandemie ein Umdenken erzwungen: Die Veranstaltung, die sonst vom Live-Erlebnis, von persönlichem Kontakt, von analogen Begegnungen lebt, musste fast komplett auf virtuell umgestellt werden. Digi-Walks, Filme, Videos, Bildstrecken, Foto-Galerien, Dokumentationen mit Text und Illustrationen, Podcasts und Präsentationen wurden zum „Tag des offenen Denkmals“ auf der Homepage der Stadt eingestellt, und die etwa 20 Beiträge konnten online abgerufen werden.
Andreas Panter liegen zwar keine genauen Daten zu den Klick-Zahlen vor, doch er ist mit dem Ablauf der Veranstaltung 2020 sehr zufrieden: „Es war keine Mangelverwaltung, es war eine gelungene Transformation.“ Der virtuelle Ablauf habe auch Vorteile gehabt – Unabhängigkeit von Wetter und Witterung, zeitliche Flexibilität, der Wegfall von Anfahrt oder Parkplatzsuche. Die Beiträge auf der Homepage konnten beliebig oft abgerufen werden, auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen konnten mit dabei sein. Und dennoch, so Panter: Live ist der Tag des offenen Denkmals lebendiger.
Zweigleisige Organisation
Das Motto „Sein und Schein“ prägt darum auch 2021 den Durchführungsmodus des Events. Wünschenswert, sagt der promovierte Architekt, wäre eine analoge Veranstaltung mit Führungen vor Ort. Und die derzeitigen Inzidenzzahlen würden Hoffnung machen. Doch der Schein könne auch trügen und die Corona-Zahlen wieder ansteigen. Daher möchten die Verantwortlichen in der Planung zweigleisig fahren und neben den angestrebten analogen Programmpunkten auch digitale Beiträge im Stil des Vorjahres ins Kalkül mit einbeziehen. Die klassische Durchführung des Original-Denkmalstages mit den neuen Erfahrungen das letzten Jahres zu verbinden, könnte optimale Ergebnisse mit sich bringen. Schein und Sein sollen sich jedenfalls am Sonntag, den 11. September, zu einem Erlebnisevent vereinigen.