Wie offen ist der „Tag des offenen Denkmals“ in Corona-Zeiten? Die Veranstaltung am Sonntag, 13. September, wurde komplett umgemodelt und wird 2020 virtuell durchgeführt. Mit Filmen, Bilderstrecken oder „DigiWalks“. Dazu haben sich viele Esslingen sehr viel einfallen lassen.
Esslingen - Wer kommt zum „Tag des offenen Denkmals“ 2020? Besucher? User? Nutzer? Follower? Schwierig. Denn die Veranstaltung läuft am Sonntag, 13. September, Corona-bedingt ganz anders ab als in den Vorjahren. Anstelle von Besuchen in sonst verschlossenen Denkmälern, anstelle von Führungen und Vorträgen werden 2020 alle Beiträge digital auf der Homepage der Stadt Esslingen eingespielt. Darum hat Organisator Andreas Panter, Abteilungsleiter Denkmalschutz und Denkmalpflege beim städtischen Baurechtsamt, Probleme mit dem Begriff „Besucher“. In den Jahren zuvor kamen in der Regel zwischen 3500 und 5000, manchmal auch 7000 Gäste zu der Veranstaltung, in diesem Jahr ist er auf die Resonanz gespannt. Auf wessen Resonanz? Besucher passt ja angesichts der digitalen Form nicht. „Interessierte“, formuliert er es dann clever. Doch auf diese Interessierten wartet ein aufregender Tag.
Mit „DigiWalks“
Geschichte durch Zufall. Zufällig hatten Privatleute ein Holzmodell der Stadtkirche St. Dionys von Esslingen entdeckt und herausgefunden, dass ein schwer erkrankter Mann es in aufwendiger Handarbeit hergestellt hatte. Das gab den Anstoß. Die Verantwortlichen der evangelischen Kirchengemeinde drehten einen Film über das Holzmodell, der etwa fünf Minuten lang ist und beim „Tag des offenen Denkmals“ gezeigt wird. Am Sonntag, 13. September, kann der informative Streifen über den Veranstaltungskalender der Stadt Esslingen oder unter www.esslingen.de/denkmaltag abgerufen werden. Zu finden sind dort insgesamt etwa 20 Beiträgeunterschiedlichen Inhalts, die alle einen Bezug zum bundesweit gewählten Thema „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“ haben. Zu sehen sind Filme mit einer Länge zwischen fünf und 15 Minuten, Bilderstrecken oder virtuelle Rundgänge, die „DigiWalks“. Erstellt wurden diese Beiträge von Privatpersonen, Eigentümern geschichtlich interessanter Gebäude, Vereinen, leidenschaftlichen Historikern, den Kirchen, Ehrenamtlichen oder Mitarbeitern der Verwaltung.
Blick auf das Mini-Ascot
Geschichte im Galopp. Der heutige Esslinger Stadtteil Weil war in früheren Jahren ein Art schwäbisches Ascot, eine Pferderennbahn mit Wettbüro, 1892 vom Württembergischen König eröffnet. Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen haben sich unter der Leitung von Martin Hahn mit den Hintergründen der Rennbahn beschäftigt und einen Beitrag für den „Tag des offenen Denkmals“ mit vielen zeitgenössischen Bildern erstellt. Gewürzt wird die Darstellung mit knappen Texten, Chronologien und Daten. Die Studierenden haben sich aber auch aus der historischen Vergangenheit heraus mit der visionären Zukunft auseinandergesetzt und sich Gedanken darüber gemacht, wie das Areal der ehemaligen Weiler Rennbahn städtebaulich genutzt werden könnte.
Ein wenig Analoges
Geschichte im Zeitraffer. Ein wenig Bammel hatte er schon, gesteht Andreas Panter, als das Virus die gesamte Organisation des „Tags des offenen Denkmals“ kippte und von analog auf digital umgestellt wurde. Doch nun freut er sich über die vielen unterschiedlichen Themen, die bearbeitet werden. Und, Hand aufs Herz, ein wenig analog wird es trotz aller Neuerungendennoch zugehen. Dag Metzger, als Architekt mit der Sanierung der Esslinger Frauenkirche befasst, hat Texte für zwei Schautafeln verfasst, in denen er die Baumeister Hans Böblinger, Ulrich von Ensingen und Joseph von Egle vorstellt. Die beiden Schautafeln werden am Sonntag, 13. September, in der Frauenkirche aufgestellt und können unter Einhaltung der Corona-Hygiene-Vorschriften gelesen werden. Überhaupt, so Andreas Panter, können sich Interessierte auch die Informationen auf ihrem Smartphone abrufen und sich die Gegebenheiten vor Ort anschauen.
Ein Modell für 2021
Geschichte zum Gedenken. In einem „DigiWalk“, einem digitalen Rundgang, stellt Gudrun Silberzahn-Jandt ein dunkles Kapitel dar: Die Historikerin nimmt das Denkmal auf dem Ebershaldenfriedhof für die Opfer der Konzentrationslager Echterdingen und Hailfingen-Tailfingen als Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Es wird zudem ein Opfer vorgestellt, das die KZ-Härten erfahren hat. Auch in seiner digitalen Form hat der „Tag des offenen Denkmals“ viel zu bieten. Wer die Homepage am Veranstaltungstag aufruft, findet eine Überschrift und ein Foto zu dem jeweiligen Thema vor und kann sich dann über eine Kurzbeschreibung weiter informieren. Durch den virtuellen Ablauf sind Interessierte an kein festes Veranstaltungs- oder Zeitschema gebunden, sie können sich ihren „Tag des offenen Denkmals“ ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen zusammenstellen und beispielsweise auch Beiträge mehrfach ansehen oder bestimmte Stellen wiederholen. Ob der virtuelle Ablauf auch ein Modell für 2021 ist, kann Andreas Panter im Vorfeld noch nicht entscheiden: Er möchte den Veranstaltungstag selbst und die Resonanz darauf abwarten. Es kann auf der Homepage mit den Beiträgen auch ein Feedback abgegeben werden. Von wem? Besuchern? Gästen? Nutzern? Usern? Nun, von allen „Interessierten“.
Informationen und Kontakt
Virtuell Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 13. September, werden in diesem Jahr die Türen zu den Denkmalen nur virtuell geöffnet. Die Beiträge können unter www.esslingen.de/denkmaltag abgerufen werden. Andreas Panter und sein Team empfehlen zudem die Verwendung der Hashtags #DenkmaltagEsslingen oder #TagdesoffenenDenkmals.
Beiträge Die etwa 20 Beiträge sind vom Veranstaltungstag bis Sonntag, 30. September, abrufbar. Weitere Informationen gibt es unter www.tag-des-offenen-denkmals.de .