Die evangelische Stiftskirche St. Pankratius thront majestätisch auf dem Burgberg, rechts davon ist der Backnanger Stadtturm zu sehen. Foto: Bernhard J. Lattner

Beim Denkmaltag kommt die Stadt Backnang groß raus. Eine Ausstellung in der Stiftskirche zeigt Bilder von Bernhard J. Lattner mit Texten des Bauhistorikers Klaus Loderer. Das Duo hat aber noch einiges mehr vor.

Was haben eine altehrwürdige Kirche romanischen Ursprungs und ein Betonklotz aus den 1960er-Jahren gemeinsam? Nichts, könnte man meinen – und liegt prompt falsch. Denn sowohl die evangelische Stiftskirche St. Pankratius auf dem Backnanger Schlossberg als auch der Wasserturm am Dresdner Ring im Stil des Brutalismus sind als Backnanger Baudenkmale geschützt. Das ungleiche Duo ist nur ein Beispiel für viele weitere Gebäude in der Stadt, die unter Denkmalschutz stehen.

 

Insgesamt gibt es rund 160 davon in Backnang, wobei dem Bauhistoriker Klaus Loderer in seiner Heimatstadt noch so manches andere schützenswerte Objekt einfällt, das aber nicht auf der Denkmalliste steht. Zum Beispiel das Gasthaus Storchen, ein stattlicher Fachwerkbau in der Uhlandstraße.

Gebäude geben Stadt ein unverwechselbares Gesicht

An vielen Baudenkmalen gehen die Einheimischen, die sie seit jeher kennen, achtlos vorbei. Das will Klaus Loderer ändern – gemeinsam mit Bernhard J. Lattner. Letzterer ist freischaffender Lichtbildner und beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Architekturfotografie und Industriebauten. Vor zehn Jahren ist er aus Heilbronn an die Murr gezogen und seitdem mit der Kamera in der Stadt unterwegs.

Jahr für Jahr wächst sein Bildarchiv mit Fotos von Gebäuden, die der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht geben. „Wir wollen ein Bewusstsein für das bauliche Erbe in Backnang schaffen“, sagt das Duo. Allerdings sei selbst über viele der Gebäude, die als Baudenkmale geschützt sind, nur wenig bekannt, klagen Klaus Loderer und Bernhard J. Lattner. „Das Problem der Denkmalliste ist, dass zu jedem Gebäude nur wenige Zeilen mit Informationen vorliegen“, sagt Bernhard J. Lattner und Klaus Loderer ergänzt: „Bei vielen Gebäuden in Backnang hat man sich nie mit der Baugeschichte befasst.“

Eine Datensammlung für alle Baudenkmale

Das wollen die beiden ändern – und kamen auf die Idee, sämtliche zu den Baudenkmalen verfügbaren Informationen in Bild- und Textform zu suchen und in einer losen Blattsammlung zusammenzuführen. „Wir wollen zu jedem Objekt ein Datenblatt erzeugen und an einem Ort alles zusammentragen, was über das jeweilige Gebäude zu finden ist“, sagt Klaus Loderer. Als Quellen dienen zum Beispiel Inschriften an den Gebäuden, aber auch Baugesuche und Schriften im Stadt- und Staatsarchiv liefern hilfreiche Hinweise auf Architekten und Bauherren. „Toll wäre so eine Sammlung vom gesamten Gebäudebestand der Stadt“, sagt Klaus Loderer, „aber das ist eine endlose Sache.“

Die Sammlung über die gelisteten Baudenkmale wächst derzeit noch, soll aber bis zum Denkmaltag 2025 vollendet sein. Sie dient als Grundlage für einen Bildband, der ebenfalls im September kommenden Jahres erscheinen soll und alle 160 Baudenkmale in Backnang porträtiert. So soll für die Bürger nachvollziehbar sein, wieso ein Gebäude als Denkmal eingestuft worden ist. Außerdem wollen die Macher zeigen, wie stark manche Bauten im Laufe der Zeit verändert wurden.

Auch eine Drohne war im Einsatz

Für die Texte ist Klaus Loderer zuständig, die Fotos für das „Who is Who“ der Denkmäler liefert Bernhard J. Lattner. Der hat für das Projekt auch schon seine Drohne gestartet: „Manche Objekte kann man nur aus der Luft richtig wahrnehmen.“ Ein gutes Beispiel dafür sind die Abschlusssteine, die in luftiger Höhe im Chor der evangelischen Stiftskirche St. Pankratius befestigt sind. Dank Drohneneinsatz sind die bunt gefassten Köpfe von Männern und Frauen – möglicherweise stellen sie Heilige dar – aus der Nähe und mit all ihren kleinen Details zu sehen. Dieses und andere Fotos aus der Stiftskirche, dem größten Backnanger Kulturdenkmal, sind ab dem 8. September in einer Ausstellung im Chor der Stiftskirche zu sehen.

Hinzu kommen Bilder vom sogenannten Totenkirchle in der Sulzbacher Straße. Hier ist von der Kirche „Unserer Lieben Frau im Eckerstbach“ lediglich ein kläglicher Rest, der einstige Chor, der etwa ein Drittel des Gesamtgebäudes ausmachte, stehen geblieben.

EIn ganzes Viertel sollte plattgemacht werden

Die Kirche ist nur eines von etlichen historischen Gebäuden, die abgerissen wurden. Klaus Loderer sagt dazu, seine Heimatstadt versuche in diesem Punkt Stuttgart noch zu übertreffen. Die Tore der Stadtbefestigung seien schon im 19. Jahrhundert verschwunden, große Teile der Stadtmauer wurden in den 1960er- und 70er-Jahren plattgemacht. Sie steht heute unter Schutz – nicht aber die Häuser, die an sie gebaut sind. Vor diesem Hintergrund bezeichnet es Klaus Loderer als einen Glücksfall, dass die Backnanger Stadtkasse in den Siebzigern alles andere als gut gefüllt war und auch die lokale Industrie über wenig Geld verfügte. „So wurden die Pläne, die vorsahen, ein ganzes Viertel der Altstadt niederzumachen, letztes Endes aus Geldmangel doch nicht umgesetzt.“

Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals in Backnang

Ausstellung
Ausstellung In der Stiftskirche Backnang, Stiftshof 7, ist von Sonntag, 8. September, bis zum 19. September die Ausstellung „Backnanger Denkmale – Zeitzeugen der Geschichte“ zu sehen. Sie zeigt Sakral- und Profanbauten vom 12. Jahrhundert bis ins Jahr 1961. Die Fotos stammen vom Lichtbildner Bernhard J. Lattner, die Texte hat der Bauhistoriker und Autor Klaus J. Loderer verfasst.

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Denkmaltag, 8. September, um 11.30 Uhr eröffnet. Nach Grußworten von Pfarrer Thorsten Volz und dem Ersten Bürgermeister Stefan Setzer führt der Landeskonservator Martin Hahn vom Landesdenkmalamt in das Thema ein. Um 14, 15.30 und 17 Uhr bietet Bernhard J. Lattner Führungen durch die Schau, diese beginnen mit einem Orgelspiel von Waldemar Merk.

Publikationen
Ein Kalender für das Jahr 2025 zeigt Außen- und Innenaufnahmen der evangelischen Stiftskirche und des Totenkirchles. Der Bildband „Backnanger Denkmale – Impressionen“ präsentiert 58 bekannte und weniger bekannte Denkmale der Stadt. Zum Tag des offenen Denkmals 2025 wird ein zweiter Bildband mit allen 160 Denkmalen veröffentlicht.

Informationen
Hintergrundmaterial zum Denkmaltag unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.