Foto: Ines Rudel

Gehen Sie mit auf einen Spaziergang durch die Esslinger Stadtgeschichte! Nicht wie gewohnt durch den Besuch von Sehenswürdigkeiten, sondern online im Internet. Der „Tag des offenen Denkmals“ läuft 2020 virtuell ab. Am Sonntag, 13. September, können Filme, DigiWalks und mehr auf der Homepage der Stadt abgerufen werden.

Esslingen - Blonde Haare, gezähmte Locken, wehmütiger Blick. Ob die „Prudentia“, die Klugheit, auch einen sinnlichen Mund hat? Nicht zu erkennen. Denn die Wochentagsfigur für den Montag an der astronomischen Uhr des Alten Rathauses ist auf dem Flyer zum „Tag des offenen Denkmals“ mit einem Mund-Nasen-Schutz abgebildet. In Corona-Zeiten trägt sogar die Klugheit Maske – und auch den „Tag des offenen Denkmals“ hat das Virus umgemodelt. Kein analoger Besuch von sonst verschlossenen Sehenswürdigkeiten, sondern eine virtuelle Präsentation von stadtgeschichtlich Spannendem. 24 Beiträge können am Sonntag, 13. September, auf der Homepage der Stadt Esslingen abgerufen werden.

 

Die Beiträge zum Denkmaltag

Aufnahme im Wohnzimmer. Schnitt. Szenenwechsel. Aufnahme im Dachgeschoss. Schnitt. Probelauf. Anhören und Anschauen der bisher gedrehten Filmszenen. Oh je! Tonqualität, Lautstärke und Nebengeräusche sind bei den beiden Aufnahmen völlig unterschiedlich. Wohl wegen der veränderten Akustik in Wohnzimmer und Dachgeschoss. Also das Ganze nochmals. Filme zu drehen, ist ein aufwendiger Job, hat Mitorganisator Andreas Panter bei der Erstellung seines Beitrags für den „Tag des offenen Denkmals“ herausgefunden. Darum zieht der Leiter des Esslinger Baurechtsamts den Hut vor allen, die die Veranstaltung mit einer eigenen Arbeit bereichern: 24 Filme mit einer Dauer von vier bis 15 Minuten, filmische Bilderstrecken, DigiWalks, Fotogalerien, gebündelte PDF-Dateien, ein Podcast und ein „Actionbound“ zu unterschiedlichen Facetten des Oberthemas „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“ sind in Esslingen zusammengekommen. „Jeder Beitrag hat seinen individuellen Charme, jeder Teilnehmende ist darauf mit seiner eigenen Stimme zu hören“, führt Andreas Panter aus.

Ein Podcast ist mit dabei

Schauen, riechen, hören, staunen und im Idealfall sogar anfassen. Eine Sehenswürdigkeit mit allen Sinnen zu erleben, das ist normalerweise der Sinn des „Tags des offenen Denkmals“. In Nicht-Corona-Zeiten hat die Stadt Esslingen 50 bis 60 Veranstaltungen dazu im Programm. Doch im März diesen Jahres hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Koordinatorin des bundesweiten Denkmaltages die neue Marschroute „Alles online“ ausgegeben. Und Andreas Panter ist ein Stein vom Herzen gefallen, weil seine Mitstreiter, Ehrenamtliche, geschichtlich Interessierte, Besitzer von historisch spannenden Gebäuden, Verwaltungsmitarbeiter und die evangelische Kirche die digitale Präsentationsform mitgetragen haben: „Viele haben sich mutig mit den neuen Medien auseinandergesetzt.“ Peter Hövelborn zum Beispiel, inzwischen pensionierter, ehemaliger Denkmalpfleger der Stadt Esslingen, hat einen Podcast erstellt. Für diesen im Internet abrufbaren Audio-Video-Clip hat der aufgeschlossene Senior Stellen in der Stadtmitte aufgesucht, um die historische Entwicklung von baugeschichtlich wichtigen Punkten in der City aufzuzeigen. Das alte Esslingen wurde so in eine neue Form gepackt. Der „Tag des offenen Denkmals“ 2020 ist aber kein kompletter Indoor-Event. Am Veranstaltungstag sorgen vier DigiWalks für Bewegung. Interessierte können sich die virtuell geführten Touren auf ihr Smartphone herunterladen und dann die beschriebenen Orte im Rahmen der ausgeführten Route analog aufsuchen.

Viel Action mit „Actionbound“

Für jede Menge Action wird am Sonntag, 13. September, „Actionbound“ sorgen. „Das ist so eine Art Geocaching. Früher hätten wir von einer Schnitzeljagd gesprochen“, erläutert Andreas Panter. Eine medial aufgepeppte Schnitzeljagd: Am Veranstaltungstag kann die auf der Homepage der Stadt abrufbare APP auf Smartphones heruntergeladen werden. Dann müssen auf einer Strecke mit etwa 3,3 Kilometern Länge Fragen beantwortet, Aufgaben bewältigt und Rätsel gelöst werden, um den rechten Weg zu finden. Wer alles richtig macht, kommt an einem Gebäude mit einem prächtigen Gewölbekeller heraus, das am Sonntag, 13. September, von 9 bis 17 Uhr geöffnet hat. Ein städtischer Mitarbeiter achtet während dieser Zeit darauf, dass Corona-konform immer nur eine Person hineingeht. Ausgetüftelt wurde „Actionbound“ von der Jugendbauhütte. Die APP kann bis Donnerstag, 15. Oktober, heruntergeladen werden, das Zielgebäude hat aber nur am Veranstaltungstag geöffnet.

Die Jugendhütte

Die Jugendbauhütte ermöglicht es 22 jungen Erwachsenen, in ganz Baden-Württemberg einen Freiwilligendienst in der Denkmalpflege zu absolvieren. Die 16- bis 26-Jährigen arbeiten zwölf Monate lang in Handwerksbetrieben, Einrichtungen der Denkmalpflege, archäologischen Grabungsstätten, Geschichtsarchiven, bei Restaurierungsmaßnahmen oder in Museen mit. Seit 2019 ist die Jugendbauhütte in Esslingen beheimatet, hier treffen sich die Teilnehmenden mehrmals zu Seminaren und Workshops. Für den „Tag des offenen Denkmals“ haben sie „Actionbound“ kreiert. Ansprechpartner für die Jugendbauhütte in Esslingen ist David Nonnenmann unter der Telefonnummer 0711/35 12 21 41 oder der Mail-Adresse Fsj.denkmal.bw@ijgd.de.

Infos und Kontakt

Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 13. September, werden Sehenswürdigkeiten größtenteils virtuell geöffnet. Am Veranstaltungstag können unter www.esslingen.de/denkmaltag 24 Beiträge zu historisch spannenden Themen abgerufen werden. Die Filme, Bilderstrecken, PDF-Dateien, Fotogalerien, Podcasts, Digiwalks und „Actionbound“ sind bis Ende September auf der Seite eingestellt. Die Hashtags #DenkmaltagEsslingen und #TagdesoffenenDenkmals bündeln die Angebote und helfen beim Suchen und Finden. Der Denkmaltag wird unter Berücksichtigung der Corona-Regeln um 17 Uhr mit einem liturgischen Abschluss in der Frauenkirche beendet. Weitere Infos unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Für Feedback

Ob der virtuelle Ablauf des „Tags des offenen Denkmals“ auch ein Modell für 2021 ist, möchte Andreas Panther im Vorfeld noch nicht entscheiden: Er wird den Veranstaltungstag und die Resonanz darauf abwarten. Besucher und Teilnehmer können auf der Homepage mit den Beiträgen unter www.esslingen.de/denkmaltag auch ein Feedback abgeben.