Die Neckarstadt macht Stuttgart Konkurrenz – zwar nur vorübergehend und nur am Tag des offenen Denkmals. Aber immerhin. Bei der Gelegenheit möchte sich Esslingen trotz allem Stolz auf seine Vergangenheit als Freie Reichsstadt mit Modernität präsentieren.
Esslingen wird zur Landeshauptstadt. Andreas Panter schüttelt den Kopf. Stimmt so nicht, schränkt der städtische Abteilungsleiter für Denkmalschutz ein. Esslingen wird nur für einen Tag zur Landeshauptstadt. Und das auch nur im Bereich der Denkmalpflege. Aber immerhin. Am Samstag, 10. September, wird die Neckarstadt Schauplatz der baden-württembergischen Eröffnung des „Tages des offenen Denkmals“. An diesem Tag und am darauffolgenden Sonntag stehen Führungen, Besichtigungen, Ausflüge, Stadtrundgänge und Besuche auch von sonst verschlossenen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
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Das gab es doch schon einmal. Wieder schüttelt Andreas Panter den Kopf und stellt klar: „Nein, das hat es noch nie gegeben.“ Sicher, räumt er dann ein, im Jahr 2008 wurde der Tag des offenen Denkmals auch in noch größerem Stil begangen. Doch damals war Esslingen die Stadt der bundesweiten Eröffnung der Veranstaltung gewesen. Sogar Horst Köhler, der damalige Bundespräsident, war vorbei gekommen. Doch dann wurde das Organisationsformat geändert: Der landesweite Startschuss für die Veranstaltung wird laut Andreas Panter in einer Stadt innerhalb von Baden-Württemberg gegeben. In den letzten beiden Jahren geschah das in Meersburg und Karlsruhe – und 2022 wird Esslingen Landeshauptstadt des Denkmaltages. An Prominenz soll es dennoch nicht mangeln. Nicole Razavi, die Landesministerin für Landesentwicklung und Wohnen, hat ihr Kommen angekündigt.
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Denn an diesem Tag darf mit Sekt oder Mineralwasser – je nach Gusto – auf mehrere Jubiläen angestoßen werden. Im Jahr 1972, erinnert Andreas Panter, wurde das Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg verabschiedet. Zuvor habe es davon nur eine badische Variante aus dem Jahr 1949 gegeben, für den württembergischen Landesteil existierte keine entsprechende Regelung. Doch vor 50 Jahren kam zusammen, was zusammen gehört. Aus diesem Anlass wurde das Landesamt für Denkmalpflege gegründet, das seit 2003 seinen Sitz in Esslingen hat. Die Neckarstadt habe in den letzten Jahren außerdem immer ein ehrgeiziges Programm zum „Tag des offenen Denkmals“ organisiert, betont Andreas Panter.
Keine museale Käseglocke
Darum gibt es nun die große Denkmalparty? Nochmals schüttelt Andreas Panter den Kopf. Eine Party ist es natürlich nicht. Aber eine ideale Gelegenheit, um Esslingen nicht als historisches Denkmal unter einer Käseglocke mit geschichtlicher Statik zu präsentieren, sondern als dynamische, lebendige Stadt mit allen Facetten. Einige dieser Facetten streicht die Stadt am Samstag, 10. September, mit heraus: „Es funkelt“ mit langer Verkaufsnacht wird am gleichen Termin organisiert. Ein riesiges Freilichtmuseum ist Esslingen also nach Ansicht von Andreas Panter nicht. Aber es hat viele museale Aspekte und historische Top-Acts zu bieten. Die werden am Samstagabend bei der „Nacht des offenen Denkmals“ gleich passend in Szene gesetzt. Nach der Eröffnungsfeier um 17 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys startet ab 18 Uhr ein Führungsmarathon.
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Noch ein Kopfschütteln. Ein Marathon wird es nicht werden. Bis zu 70 kostenlose Führungen stehen auf dem Programm – aber sie sollen nicht länger als 30 Minuten dauern. Vor allem ehrenamtlich Engagierte, aber auch Hauptamtliche würden als Guides fungieren. Ganz unterschiedliche Ziele werden angestrebt – Kirchtürme, die gängigen Klassiker wie der Hafenmarkt, aber auch die Innere und Äußere Brücke. Das Stadtarchiv zeige die Allerheiligenkapelle mit dem Wandgemälde, die Jugendbauhütte präsentiere den „Tatort Maille“, und auch die Stadtbibliothek habe geöffnet. Hinzu kommen Illuminationen, Musik und viel Licht. Bei Angeboten mit räumlichen Beschränkungen, begrenzten Personenzahlen und Teilnehmerhöchstgrenzen werden Online-Anmeldungen etwa eine Woche vor der Veranstaltung nötig sein, sagt Andreas Panter.
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Gegen 24 Uhr werden die Veranstaltungslichter ausgehen – aber nur, um am nächsten Morgen wieder angeknipst zu werden. Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, geht nach zwei Hybrid-Corona-Jahren komplett analog über die Bühne. Ein paar der Angebote vom Samstag werden sich wiederholen. Doch es wird auch spezielle Führungen nur an einem dieser beiden Tage geben. Das Veranstaltungswochenende wird laut Andreas Panter einen sechsstelligen Betrag kosten, der zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel von der Stadt Esslingen getragen wird. Aber es werden ja auch besondere Tage für Esslingen? Hier kann Andreas Panter mit dem Kopf nicken.
Hintergrund zum Tag des offenen Denkmals
Veranstaltung
Seit 1993 wird der „Tag des offenen Denkmals“ unter der Koordination der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am zweiten Sonntag im September auf die Beine gestellt. Der Veranstalter spricht von der „größten Kulturveranstaltung Deutschlands“.
Denkmaltag
Der „Tag des offenen Denkmals“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Unter dieser Überschrift geht es laut Andreas Panter von der Stadt Esslingen um eine Spurensuche sowie die Geschichte historischer Denkmäler.
Austragungsmodus
In den letzten beiden Corona-Jahren fand der „Tag des offenen Denkmals“ größtenteils online mit Bilderstrecken, Videos, Podcasts oder Datensammlungen im Internet statt. Manche Angebote wurden aber auch unter den Hygiene-Regeln analog angeboten.