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Am 14. März feiern Mathematiker in aller Welt den Tag der Zahl Pi – ein Gespräch.

Stuttgart - 3,1415926. . . und so weiter – die Kreiszahl π hat unendlich viele Dezimalstellen. Was an Pi noch so faszinierend ist, erklärt der Stuttgarter Mathematik-Professor Christian Hesse.
Herr Hesse, Gedenktage werden oft willkürlich gewählt. Dieser aber nicht. Warum dreht sich am 14. März alles um das π ?

π ist die berühmteste Zahl in der ganzen Mathematik. Auf zwei Dezimalen gerundet hat sie den Wert 3,14. In Anlehnung an die US-amerikanische Datumsschreibweise 3/14 liegt es nahe, diese Zahl am 14. Tag des 3. Monats zu feiern. Wollte man es übertreiben, könnte man an diesem Tag um 1 Uhr 59 und 26 Sekunden eine Gedenksekunde einlegen und hätte π damit auf sieben Dezimalen hinter dem Komma genau erreicht. Das Ganze ist natürlich nur ein inoffizieller Feiertag und eher ein Spaß für Nerds.

Backen Sie heute wie viele andere Mathematiker in aller Welt auch einen „Pie“, also einen Kuchen oder eine Pastete?
Die große Kunstform des bekömmlichen Backens ist mir leider nicht gegeben. Und selbst wenn, hätte ich eher Lust, mich an ein paar Muffins zu versuchen oder gleich ganz hoch zu greifen und eine dreilagige schottische Walnuss-Whiskey-Torte aufzutürmen, für die ich kürzlich irgendwo den Algorithmus, äh das Rezept, entdeckt habe.

Für all diejenigen, deren Schulbesuch schon etwas länger her ist: Was genau ist π?
Die Kreiszahl π ist eine mathematische Konstante, die das Verhältnis angibt, in dem bei einem Kreis Umfang und Durchmesser zueinander stehen. Das ist übrigens bei einem jeden Kreis – ob klein, ob groß, ob Ehering oder Erdäquator – immer dasselbe Verhältnis, was schon an sich bemerkenswert ist. Die Kreiszahl tritt in jedem Teilgebiet der Mathematik an vielen Ecken und Enden auf. Manchmal wird die Konstante auch Ludolph’sche Zahl genannt, zur Erinnerung an Ludolph van Ceulen, einen niederländischen Mathematiker des 15. Jahrhunderts, der 30 Jahre seines Lebens darauf verwendete, π bis auf 35 Dezimalen genau zu errechnen, und an damit ­zusammenhängender Erschöpfung starb. Sein Schüler Snellius bemerkte dann etwas später, dass sein Meister dieselbe Genauigkeit auch mit der Hälfte des Aufwands hätte erreichen können. Künstlerpech.

Auf wie viele Stellen genau könnten Sie π spontan auswendig aufsagen?
Das sind nicht viele, vielleicht 15. Dabei hat π unendlich viele Dezimalen, ohne wiederkehrendes Muster darin. Bemerkenswert ist, dass beginnend mit der 762. Nachkommastelle sechsmal hintereinander die Ziffer Neun vorkommt. Diese Stelle hat sogar einen Namen. Nach dem berühmten amerikanischen Wissenschaftler Richard Feynman heißt sie Feynman-Punkt. Er hatte einmal spaßeshalber erwähnt, er werde, sofern er die Dezimalen aufsagen müsste, sie genau bis zu dieser Stelle rezitieren und dann einfach „und so weiter“ sagen. Aber natürlich geht es dann nicht einfach so weiter, sondern nach den sechs Neunen kommt eine Acht.

Das π soll ein ganz alter Hut sein. Stimmt es, dass schon die alten Babylonier und Ägypter dafür einen Wert hatten?
Ja, schon im Papyrus Rhind, der als das älteste mathematische Lehrbuch gilt und zwischen 1800 und 1600 vor Christus als Kopie eines Werkes aus dem 19. Jahrhundert vor Christus entstand, gaben die Ägypter als Näherung für π den Wert (16:9)2 an, also 3,1604, was den tatsächlichen Wert um weniger als ein Prozent verfehlt.

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