Wichtig für blinde Menschen: Ein Programm, das ihnen vorliest, was andere sehen. (Archivbild) Foto: DBSV

Kurz auf das Handy schauen und schnell eine Nachricht eintippen, das ist für viele ein ganz normaler Vorgang. Doch wie machen das Blinde?

Stuttgart - Das Smartphone ist für viele Menschen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Hier kurz Facebook checken, mit den Freunden WhatsAppen und auf Instagram den neuesten Schnappschuss kommentieren. Alles kein Problem – wenn man sehen kann. Für Blinde ist die Bedienung eines Smartphones nicht so einfach. Doch es gibt Hilfsmittel.

Zoom

Für Menschen, die noch ein Restsehvermögen haben, ist die Zoom-Funktion eine erste große Hilfe. Dabei können Ausschnitte des Bildschirms vergrößert werden. Je nach Smartphone gibt es zudem Funktionen, die die Schrift und die Symbole größer darstellen. Zusätzlich kann die Farbdarstellung und die Kontrasteinstellung variiert werden. So sticht die Schrift deutlicher heraus.

Screenreader

In nahezu allen neuen Smartphones standardmäßig vorinstalliert ist ein Screenreader. Bei iPhones das VoiceOver und bei Android TalkBack. Das Programm liest ganz einfach vor, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Dazu fährt der Nutzer mit dem Finger über die Symbole. Geräusche und haptische Signale unterstützen die Orientierung auf dem Touchscreen.

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Braillezeile

Das Problem ist, dass der Screenreader nicht jedes Wort erkennt und Rechtschreibfehler nicht darstellen kann. So gibt es bei einigen Smartphones auch die Möglichkeit, eine Braillezeile anzuschließen. Dieses Gerät, das einer Tastatur ähnelt, „übersetzt“ die Buchstaben auf dem Screen in die Braille-Schrift, die Blindenschrift. Hier können die Nutzer mit ihren Fingern ertasten, ob im Text nun etwa „dass“ oder „das“ steht.

Sprachsteuerung

Auch von Menschen, die keine Sehbehinderung haben, gerne genutzt ist die Sprachsteuerung. Das Handy hört die gesprochenen Befehle und führt sie aus. Apps öffnen, Nachrichten schreiben, Informationen über die Uhrzeit oder das Wetter einholen – alles ohne visuelle Hürde möglich.

Apple oder Android?

Inzwischen sind beide Betriebssysteme gut aufgestellt und haben die obigen Apps standardmäßig installiert. Apple hat in Sachen Blindenfreundlichkeit allerdings die Nase vorn. Bei Android ist nämlich das Problem, dass die verschiedenen Hersteller meist ihre eigene Benutzeroberfläche haben und es zu kleineren Problemen bei der Nutzung von TalkBack insbesondere in Kombination mit Drittanbieter-Apps kommen kann.

Blinden-Handys

Schon Senioren-Handys mit großen Tasten und einfacher Bedienung machen Blinden das Leben leichter. Das BlindShell ist ein speziell für Blinde entwickeltes Smartphone. Es gibt beispielsweise keinen Startbildschirm mit 20 Symbolen verschiedener Apps. Auf dem Bildschirm wird in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund nur eine App namentlich genannt, „Kontakte“ oder „WhatsApp“ beispielsweise. Durch tippen gelangt man zur nächsten App oder öffnet diese.

Apps für Blinde

Es gibt viele Apps, die Blinden den Alltag erleichtern. Vor allem, wenn es darum geht, Dinge zu sehen. Verschiedene Apps können beispielsweise Geldscheine, Schrift oder Farbe erkennen. „TapTapSee“ kann sogar Gegenstände identifizieren, wenn man sie fotografiert. So erhalten Blinde ein digitales Auge.

Für Instagram gibt es die Alternativtext-Funktion. Dabei erstellt eine Bilderkennungssoftware eine Beschreibung des Fotos, die dann wieder vorgelesen werden kann. Zum Beispiel „Drei Menschen am Strand“.

Kino für Blinde

Dank der App Greta (iOS und Android) können Blinde auch ins Kino gehen. Die App informiert über Filme, zu denen es Audiodeskriptionen gibt. Im Kino synchronisiert sich Greta automatisch mit dem laufenden Film. Über Kopfhörer ist dann die Bildbeschreibung zu hören.

Aktionstag

Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV im Jahr 1998 einen eigenen Aktionstag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich am 6. Juni statt.

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