144 Millionen Euro hat das neue Esslinger Landratsamt gekostet. Wie hinter der Fassade gearbeitet wird, wurde jetzt beim Tag der offenen Tür erläutert. Es kamen prominente Gäste.
Ein Landratsamt sei „keine graue Behörde“ und Verwaltungsarbeit keinesfalls eine trockene Angelegenheit, beteuerte Esslingens Landrat Marcel Musolf, als er den Tag der offenen Tür eröffnete. Der Neubau in den Esslinger Pulverwiesen sei dafür der beste Beweis: „Hier wurde ein Ort geschaffen, der zeigt, wie modern Verwaltung aussehen kann.“
Und wie flexibel sie ist: Die beiden Ehrengäste des Tages, die VfB-Legenden Hansi Müller und Timo Hildebrand – der für den verhinderten Cacau eingesprungen war – verlegten die Autogrammstunde kurzerhand aus einem schmalen Gang im Gebäudeinneren nach draußen. Ein Tisch und zwei Stühle wurden vor den Eingang gestellt, wo die Fans Schlange standen für ein Treffen mit ihren Idolen. Die beiden Ex-Fußballer nahmen sich Zeit für Selfies und ein paar nette Worte, unterzeichneten etliche Trikots und Poster.
„Wir wollen die Chance nutzen, die Arbeit der Kreisbehörde einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.“
Marcel Musolf, Landrat
Doch was macht eigentlich ein Landratsamt? Diese Frage wurde am Samstag auf anschauliche Weise beantwortet. „Wir wollen die Chance nutzen, die Arbeit der Kreisbehörde einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen“, sagte Musolf. Immerhin kümmert sie sich, quasi als „Rathaus“ für den gesamten Landkreis, um das Gemeinwohl von mehr als 530 000 Menschen in 44 Städten und Gemeinden. Ihre Arbeit tangiert alle Bereiche des täglichen Lebens, die Vorgänge laufen jedoch oft im Hintergrund ab.
Die Arbeit transparent zu machen, war Anliegen des Aktionstages. „Wir präsentieren hier einen Querschnitt unserer vielfältigen Dienstleistungen und Aufgaben“, lud der Landrat die zahlreichen Besucher zu einem Blick hinter die Kulissen des Neubaus ein und versicherte: „Die Hülle hat ganz viel Inhalt zu bieten.“
Kreisbehörde für viele Themen zuständig
Der umfangreiche Zuständigkeitsbereich der Kreisverwaltung wurde auf der „Ämtermeile“ im und vor dem Haus deutlich – Themen wie Klima, Natur, Umwelt, Mobilität, Gesundheit, Digitalisierung, Suchtberatung, Ehrenamt und Karriere im öffentlichen Dienst wurden an dutzenden Info- und Mitmachständen anschaulich präsentiert. Unter anderem stellten sich das Straßenbauamt, die Kämmerei, das Kreisarchiv, die Gewerbeaufsicht, das Kreisjugendamt und das Amt für Geoinformation und Vermessung vor, aber auch kreiseigene Unternehmen wie der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) und die Medius Kliniken.
Zudem wurden Führungen durch das Gebäude angeboten, bei denen die neuen Büros, die technischen Anlagen und einige Werke der Kreiskunstsammlung vorgestellt wurden. „So einen Arbeitsplatz hätte ich mir auch gewünscht“, zeigte sich der pensionierte Ingenieur Uwe Pfleger von den hellen, offenen und modernen Räumlichkeiten beeindruckt. „Das ist kein Vergleich mit den Büros, wie wir sie früher hatten.“
144 Millionen Euro Investitionskosten
Nur mit der Gestaltung des großzügigen Foyers haderte er etwas. Die bunten, abstrakten Wandbilder – gestaltet von Star-Künstler Tobias Rehberger – und die von der Decke hängenden LED-Buchstaben seien zwar „mal etwas anderes“, räumte er ein. „Aber vielleicht wäre das Ganze ohne aufwendige Kunst etwas billiger geworden.“
Knapp 144 Millionen Euro hat das neue Landratsamt zwischen Merkelpark und Neckarwehr gekostet. Das ist unbestritten viel Geld – und deshalb wurde um diese Investition auch viele Jahre gerungen. Nach zahlreichen kontroversen Debatten kam der Esslinger Kreistag 2016 schließlich zu dem Schluss, dass ein Neubau im Vergleich zum Erhalt, der Sanierung und Erweiterung des Altbaus rentabler ist.
Das 1978 eingeweihte Gebäude war nicht nur baulich und technisch in die Jahre gekommen, sondern auch zu klein geworden. Denn mit zunehmenden Aufgaben stieg auch die Zahl der Mitarbeitenden – inzwischen beschäftigt das Landratsamt insgesamt mehr als 2500 Menschen an den beiden Hauptstandorten Esslingen und Plochingen sowie in den Außendienststellen in fünf weiteren Städten im Kreis.
675 Arbeitsplätze für die Mitarbeitenden
Der Bestandsbau in den Pulverwiesen mit seiner markanten grünen Fassade musste weichen. An seiner Stelle wurde zwischen Mai 2022 und September 2025 ein aus zwei Baukörpern bestehender Gebäudekomplex errichtet, der aus der Vogelperspektive die Form einer liegenden Acht hat. Im Neubau entstanden auf 33 000 Quadratmetern Fläche 675 Arbeitsplätze für die Beschäftigten in elf Ämtern und Verwaltungsstellen. Hinzu kamen 45 Beratungs- und Besprechungsräume, ein großer und ein kleiner Sitzungssaal, die Kfz-Zulassungsstelle, eine Kindertagesstätte und eine Kantine. Der Betrieb im Landratsamt-Neubau wurde im November vergangenen Jahres aufgenommen, die feierliche Einweihung Ende März gefeiert.