Die einen entspannen sich, die anderen entdecken das Angebot der Kulturinsel. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Die Kulturinsel in Bad Cannstatt hat zum dritten Mal zum Tag der offenen Tür geladen: Zu entdecken gab es ein buntes Programm sowie rund 50 soziale und kulturelle Projekte und Organisationen

Bad Cannstatt - Die Kulturinsel Stuttgart hat zum dritten Mal zum Tag der offenen Tür geladen: Zu entdecken gab es ein buntes Programm sowie rund 50 soziale und kulturelle Projekte und Organisationen.

Genüsslich schaufelt sich der Junge seine wilden Kartoffeln in den Mund. „Ich war davor die ganze Zeit auf dem BMX-Rad unterwegs“, erklärt er stolz zwischen zwei Bissen und blickt zu Bruder, Vater und Mutter. Die sitzen mit ihm auf einer betagten Holzbank. Die Mutter nickt: „Wir sind das erste Mal hier, es ist sehr schön, es wird viel geboten und ist total entspannt.“ Das kann ein junges Paar nur bestätigen, dass einige Meter weiter im „Inselgrün-Garten“ auf Liegestühlen relaxt und den Sonnenschein genießt. „Total super, macht echt Spaß.“

Die Familie und das Pärchen schwärmen von den Ständen und Angeboten auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs Bad Cannstatt: Dort luden die Macher der Kulturinsel einmal mehr zum Tag der offenen Tür. Und das Motto „Entdecke die Kulturinsel #3“ war Programm. Rund 50 Projekte und Organisationen aus Stuttgart und der Region – 20 mehr als im vergangenen Jahr – präsentierten sich auf dem Areal. Und sie kamen aus höchst unterschiedlichen Bereichen, passend zum Konzept des Orts, das da lautet „Subkultur trifft Industrie“.

Große Bandbreite der Organisationen

Die Bandbreite der Teilnehmer reichte denn auch vom Jugendhaus Cann, Freiwilligenagentur und Leseohren e.V. über Vereine, die Flüchtlingen helfen, wie Obendrauf & Refugees Welcome oder Balkan Route Stuttgart, bis zum Stuttgarter Start-Up „Deine Straße“, die per App die Nachbarn vernetzt. Auch die Joblinge, die gegen Arbeitslosigkeit benachteiligter Jugendliche angehen, waren vertreten, genauso wie machen-wir-was.de, bei dem sich Menschen mit und ohne Behinderung verabreden, oder Marktschwärmerei. Hier treffen sich Erzeuger und Nachbarn, um gute Lebensmittel auszutauschen. Die Summtgart-Macher zeigten wiederum, warum es wichtig ist, sich dafür einzusetzen, dass in der Stadt Bienen herumschwirren und Pflanzen bestäuben.

Freilich ging es auch lebendig auf der Bühne zu. Allerlei Singer & Songwriter oder Bands wie Toni spielten Blues, Rock, Pop und anderes, während Graffiti Sprayer in ihre Kunst einwiesen, Grusel Gewusel zu Schwarzlichtspielen lud oder Bakary Bakarou Koné zu einem Trommel-Workshop.

Besucher jeden Alters kommen vorbei

„Wir sind total glücklich, dass viel mehr Projekte in diesem Jahr teilnehmen“, so Corinna Groß, Organisatorin von der Kulturinsel. Der Tag der offenen Tür sei enorm wichtig, um den vielen Organisationen eine Plattform zu bieten, die sonst zu wenig bis keine Aufmerksamkeit bekämen. Das Kriterium sei, dass diese sozial und kulturell für das Allgemeinwohl tätig seien. „Das Besondere ist, dass bei uns Industrie auf Kunst trifft“, so Groß. „In den vergangenen Jahren kamen zwischen 1500 und 2000 Besucher – jeden Alters, von Familien mit Babys bis zu angehenden Senioren.“ Mit den Nachmittagsstunden nehme das Alter zu, schmunzelt sie. „Abends geht es hier mit DJs weiter.“

Wie auch die Arbeit und Ort der Kulturinsel: Sie ist gesichert bis Ende 2018. Denn das Areal gehört zum Gebiet Neckarpark, auf dem Wohnbau geplant ist. „Wir sind nun temporär der Hauptmieter des Geländes“, so Corinna Groß. „Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch in dem neu entstehenden Viertel unsere Vision eines Kulturtreffs verwirklichen können.“

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