Der Notarzt Moritz Schmauk hat eine Besuchergruppe in seiner Obhut. Er erklärt, wie die Körperfunktionen eines Patienten während einer Operation überwacht werden. Foto: Michael Steinert

Ein Krankenhaus ist mehr als medizinische Versorgung. Die Menschen erleben hier Geburt und Tod, Depression und Hoffnung. Der Tag der offenen Tür des Klinikums Esslingen lockte fast 10 000 Menschen in die Flandernstraße.

Esslingen - Das Esslinger Krankenhaus ist ein besonderer Ort. Nirgendwo anders zeigt sich so plastisch, so körperlich der Kreislauf von Geburt und Tod. Viele Esslinger haben ihre Angehörigen hier beim Sterben begleitet und hier ihre Kinder auf die Welt kommen sehen. Nur so kann man Andrang erklären auf dem Gelände des städtischen Klinikums beim Tag der offenen Tür am Samstag: Es waren knapp 10 000 Besucher, die sich die zwölf Fachkliniken im Haus zeigen ließen.

Vielleicht war es auch die Neugierde, in jene Räume zu gelangen, in denen über Wohl und Wehe der Patienten entschieden wird – wie etwa in den Operationssälen. Im Anästhesieraum fühlt man sich wie einem U-Boot auf Schleichfahrt. Kein Quadratzentimeter Platz bleibt den 20 Besuchern zwischen OP-Bett und den Monitoren. Wachsbleich liegt eine Puppe auf dem Schragen, sieht auch nicht viel gesünder aus, wie es wohl ein echter Patient tun würde. Martin Kerner, Anästhesiearzt, erklärt mit monotoner Stimme die Vorbereitungen. Schlafmittel, Muskelrelaxans, Narkose, Beatmung mit einem Plastikbeutel.

Er schiebt den Schlauch in den Puppen-Thorax. „Jetzt füllen sich die Lungen mit reinem Sauerstoff“, sagt er. Dahinter ist der eine Operationssaal, der an diesem Tag geöffnet ist. Weitere Puppen, OP-Lampen blitzen auf, sehen mit weißen und blauen Lampen wie Weihnachtsdekoration aus. Eine Schale mit Chirurgenbesteck erinnert an einen Metallbaukasten, darunter eine Puppe, rote Farbe für das Blut.

Viele Kinder sind da, haben kranke oder auch gesunde Stofftiere mit, Freunde von Angestellten tummeln sich, eine Afghanin ist gekommen, die eine Berufsausbildung sucht.

1700 Menschen sind im Klinikum beschäftigt

Lisa Hainz steht in blauer OP-Tracht in einer Ecke und strahlt. Sie hat ihren Beruf gefunden, ihren Traumberuf. Die 20-jährige Frau aus Echterdingen ist Operationstechnische Assistentin im dritten Lehrjahr. „Es ist toll zu sehen, wenn wir nach einer Operation einem Menschen das Leben verlängert oder gerettet haben“, sagt sie. Ihr Job ist es, die Ärzte bei einer Operation zu unterstützen, vorauszusehen, welche Materialien und welches Besteck der Arzt demnächst benötigt und es ihm zu reichen.

Bernd Sieber, der Geschäftsführer des Klinikums, schlängelt sich durch das überfüllte Treppenhaus, im Schlepp hat er den Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger, der letztlich Hausherr der Klinik ist. 1700 Leute arbeiten hier, stehen auch schon mal auf dem Platz vor dem Rathaus, wenn sie mehr Lohn wollen, aber setzen sich zuallererst für ihre Mitbürger ein.

Etwa 150 Mitarbeiter haben den Tag der offenen Tür gestaltet. Haben Flugblätter verteilt, Luftballons aufgeblasen, Fragen beantwortet, und das an ihrem eigentlichen freien Tag. Das ist eben auch das Besondere an diesem Ort.

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