In blau, mit Eis-Haube und Weltkarte auf dem Federkleid wirbt die Plastikente fürs Forschungsministerium und den Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Foto: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Erst halfen die Plastiktierchen mit einer ziemlich wundersamen Reise der Wissenschaft auf die Sprünge, jetzt steigen sie zum inoffiziellen Maskottchen der Bundesregierung auf – für dieses Wochenende jedenfalls. Denn da ist Tag der offenen Tür in den Berliner Ministerien.

Berlin - Nein, die ganz und gar abenteuerliche Reise dieser 29 000 Plastikentchen durch die Ozeane dieser Welt hätte nicht einmal ein kreativer Geist wie Vicco von Bülow alias Loriot sich ausdenken können. Und der hat mit seinem legendären, 1978 (!) entstandenen Zeichentrickfilm über zwei Herren in der Badewanne nun wirklich nicht nur Humor, sondern auch Weitblick bewiesen. „Die Ente bleibt draußen“, nölt Herr Müller-Lüdenscheidt seither stets aufs Neue. „Ich bade immer mit dieser Ente“, kontert Herr Dr. Klöbner ein ums andere Mal.

Ein Schiffsunfall und seine Folgen für die Ozeanografie

Historisch betrachtet muss man feststellen, dass Müller-Lüdenscheid im Dauerzwist am Ende wohl doch den Kürzeren gezogen hat. Denn nach aktuellen Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war die Ente jedenfalls mal drin, im Meer nämlich. Unter Berufung auf bestens informierte wissenschaftliche Kreise stellt sich die faktische Geschichte der Plastikenten so dar: Auf der Fahrt von Hongkong nach Amerika verlor ein Frachtschiff am 10. Januar 1992(!) bei einem schweren Sturm drei Container mit den Plastiktieren.

Die meisten Entchen wurden in Indonesien, Australien und Südamerika gefunden. Für einige tausend Exemplare aber ging die Reise weiter: durch die Beringstraße in die Arktis. Dort wurden sie im Packeis eingeschlossen und später bei der Eisschmelze in den Nordatlantik gespült. Spaziergänger haben einige davon 2007(!) an der Küste Südenglands gefunden - 25 Jahre nach dem Sturm und 27 000 Kilometer vom ursprünglichen Unglücksort entfernt.

Die Odyssee der Bade-Entchen nötigt nicht nur erfahrenen Globetrottern Respekt ab, sie stellte auch die Forschung vor ein Rätsel: Warum waren die Enten über den Nordpol in den Atlantik gelangt? Die Ozeanografie erlangte aufgrund der Enten-Route neue Erkenntnisse über großräumige Strömungswirbel in den Meeren.

Regierung stellt Integration und Innovation ins Zentrum

Wer nun neugierig geworden ist und am Wochenende zufällig in Berlin unterwegs ist, für den könnte sich beim traditionellen Tag der offenen Tür der Bundesregierung eine Stippvisite im Forschungsministerium lohnen. Dort steht die Meeres- und Polarforschung im Zentrum - mit allen Erkenntnissen über die Ente und darüber hinaus.

Nicht nur das Forschungsressort, auch die anderen Ministerien und das Kanzleramt öffnen dem Souverän für dieses Wochenende die Türen. Unter der Überschrift „Ein Tag für alle“ verzeichnet das komplette Programm 722 Einträge - vom „Arbeitgeber Bundeswehr“ bis zum Popkonzert im Familienministerium. Schwerpunktthemen sind Integration und Innovation. Die Chance mit Ministern, Staatssekretären oder auch der Kanzlerin ins Gespräch zu kommen, sind nicht schlecht. Fast alle Minister sind zeitweise dabei. Ob Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) enten-ologische Aussagen treffen wird, ist nicht überliefert; sicher ist dagegen, dass Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in der Bürgersprechstunde am Samstag über Meeresmüll reden wird – das sind die Plastikenten schließlich auch. Fast 140 Mal wird beim Tage der offenen Tür „Politik zum Anfassen“ angeboten, es gibt knapp achtzig Programmpunkte für Kinder, dazu Führungen, Ausstellungen, Kulinarisches, Olympiateilnehmer und überhaupt ein buntes Programm. Wer auf Selfies mit Angela Merkel scharf ist, muss allerdings Geduld mitbringen. Die Schlangen vor dem Kanzleramt sind immer besonders lang, und sie hat ihren traditionellen Rundgang für Sonntagnachmittag angekündigt.

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