Freunde/Freundinnen fürs Leben? Um das zu erreichen, muss man einiges tun. Foto: dpa

Seit 2011 wird am 30. Juli der internationale Tag der Freundschaft gefeiert. Er soll an die Kraft dieses speziellen Bundes erinnern. Wir stellen sieben Spielarten der Freundschaft vor.

Stuttgart - Wie wichtig Freunde sind, weiß jeder: Sie bereichern uns, sind für uns da und begleiten uns im Idealfall ein Leben lang. Seit 2011 wird am 30. Juli der von UN ausgerufene internationale Tag der Freundschaft gefeiert. Er soll an die Kraft dieses speziellen Bundes erinnern.

Zwischen Mann und Frau

Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau kann nie funktionieren, der Sex kommt ihnen dazwischen. Das sagt zumindest Harry im Film „Harry und Sally“ (1989). Sally hält das für Blödsinn und setzt alles daran, seine These zu widerlegen. Aber was stimmt im echten Leben? Die Antwort lautet: Gefühlt steht’s 50:50 – und es kommt auf die Studien an. Manche behaupten, ein unverkrampftes Verhältnis zwischen den Geschlechtern sei nicht möglich, andere das Gegenteil.

Klar ist, damit eine dauerhafte, rein platonische Beziehung klappt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Körperlicher Kontakt sollte eingeschränkt bleiben, und beide sollten anderweitig glücklich liiert sein. Platonische Freundschaft ist zwar eine Herausforderung, doch bleiben Romantik und vor allem die Erotik aus dem Spiel, kann sie wunderschön und bereichernd sein.

Zwischen Männern

Was wäre Ernie ohne Bert, Batman ohne Robin, Winnetou ohne Old Shatterhand? Hinter jedem Mann steht sein bester Kumpel. Männerfreundschaft galt lange als einzig mögliche Form der Freundschaft. Was sich Männer heutzutage dabei erwarten? Eine lockere Zeit mit Gleichgesinnten. Also kicken, zocken, saufen? Jein. Männer unternehmen mit ihren Kumpels einfach lieber was, als mit ihnen zu reden. Druck ablassen: ja, Emotionen zeigen: lieber nicht.

Doch obwohl nur zehn Prozent angeben, einen echten Freund zu haben: Es gibt sie, die Bromance – die tiefe Freundschaft unter „Brüdern“, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, sich ohne Worte verstehen und alles füreinander tun. Hat man sie gefunden, macht sie laut einer Studie oft zufriedener als Paarbeziehungen. Letztere gehen auseinander, Freunde hingegen bleiben ein Leben lang.

Zwischen Frauen

Für Männerohren klingt es wohl wie ein Witz, doch laut einer Umfrage der Zeitschrift „Madame“ sind Freundschaften für fast alle der befragten Frauen wichtiger als guter Sex. Frauen wollen sich nun mal mit ihren Freundinnen austauschen – über ihre Gedanken, Wünsche, Sorgen und Liebesbeziehungen. Sie wollen sich wirklich ALLES erzählen können.

Dazu braucht es Innigkeit und Vertrauen. Und die Chemie muss stimmen. Klar, auch Frauen gehen nur mal kumpelhaft was trinken oder verbandeln sich mit Kolleginnen zum eigenen Vorteil. Doch laut Psychologen sind Frauen generell eher auf der Suche nach tiefen, intensiven, sehr intimen Freundschaften. Die große Nähe birgt jedoch Gefahren: Sieht man die Exklusivität in Gefahr, kann es zu Eifersucht und Streit kommen – und dann ist es schnell vorbei mit der Bff (besten Freundin für immer).

Zwischen Mensch und Tier

Argos konnte man nicht täuschen. In seiner bedingungslosen Liebe erkannte er Odysseus, seinen Herrn, auch nach 20 Jahren der Trennung wieder, obwohl dieser als Bettler daherkam. Der Hund gilt nicht umsonst als treuester Freund des Menschen. Ein Haustier zu haben galt zwar lange als Privileg der Reichen.

Inzwischen jedoch gelten Tiere vielen als Familienmitglied, manchen sogar als Partner- oder Kinderersatz. Enge soziale Kontakte haben positive Wirkungen auf unsere Psyche – dabei ist es egal, ob die Zuwendung von Zweibeinern oder Vierbeinern kommt. Haustiere machen ihren Halter kurz gesagt glücklich und zufrieden. Ob auch die Haustiere mit ihrer Haltung immer glücklich sind, ist allerdings eine andere Frage.

Zwischen Tier und Tier

Ein Schimpanse, der mit einem Löwen schmust, eine Hündin, die ein Katzenbaby säugt, ein Elefant, der einem Schaf die Frisur richtet: Wer auf Facebook unterwegs ist, wird mit supersüßen Videos von ungewöhnlichen Tierfreundschaften überflutet. Die Bilder gehen zu Herzen, selbst erklärte Kitschhasser werden heimlich ein Freudentränchen verdrücken.

Die Szenen erinnern an paradiesische Zustände, wo Wolf und Lamm friedlich miteinander leben. Doch können Tiere Freundschaften schließen? Verhaltensbiologen sind überzeugt: Auch Tiere entwickeln Zuneigung zu Artgenossen wie zu anderen Spezies. Besonders fürsorglich sind Schimpansenmännchen: „Die sanften, entspannten und hilfsbereiten haben die besten Chancen bei den Weibchen“, erklärt Primatenforscherin Jane Goodall.

Zwischen Staaten

„Staaten haben keine Freunde, sondern nur Interessen“, war sich Charles de Gaulle sicher. Doch auch französische Präsidenten können ihre Meinung ändern: 1963 unterzeichneten de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag – und begründeten damit die deutsch-französische Freundschaft. Experten warnen zwar vor einer Begriffsverwechslung und sprechen lieber von Bündnissen. Denn zur Freundschaft gehöre Verlässlichkeit, die Länder nicht bieten könnten – schon deshalb nicht, weil es Regierungswechsel gebe.

Ein aktuelles Beispiel: das einst enge und heute unterkühlte Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Auch die deutsch-französische Freundschaft durchlebt Krisen. Dennoch: Da sie seit 55 Jahren gut gepflegt wird, fühlt man sich dem Nachbarn inzwischen so nah, dass man ihm sogar den WM-Titel gönnt.

Zwischen Politikern

Freundschaft in der Politik? Kann es das geben? Oder sollte man Persönliches ausklammern, wo es um Weltbewegendes geht? Während in der Antike die Philia, die freundschaftliche Liebe, als Grundlage für das Miteinander in einer Gemeinschaft definiert wurde, gilt sie heute als Privatsache. Klar, in der Politik dreht sich viel um Interessen- und Karrierekoalitionen.

Und Politiker müssen keine Freunde sein, um Verträge auszuhandeln und Probleme zu lösen. Doch es hilft, wenn die Chemie stimmt – siehe einst bei Helmut Kohl und Michail Gorbatschow. Ihr gutes Verhältnis erleichterte die Wiedervereinigung. Manchmal aber scheitern Politikerfreundschaften grandios – oder beruhen nicht auf Gegenseitigkeit. Frankreichs ­Präsident Emmanuel Macron warb lang um US-Präsident Donald Trump. Inzwischen hat er entnervt das Handtuch geworfen.

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