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Kangana Michel, Wirtin des Floating Market, serviert nun im Kanjana am Rande des Heusteigviertels.

Stuttgart - Das Thai-Restaurant Floating Market unter der Federführung von Kangana Michel lockte die Freunde feuriger Genüsse schon auf die Stuttgarter Theodor-Heuss-Straße, als diese noch keine Partymeile war. Wer die farbenfrohen und geschmacksintensiven bis mitunter feurigen Gerichte, die dort in ansprechendem Ambiente serviert werden, schätzt, aber keine Lust auf den abendlichen Trubel rund um die Clubs hat, kann neuerdings auf den Ableger Kanjana am Rand des Heusteigviertels ausweichen.

Doch auch wenn dort vieles vertraut wirken mag: Das neue Restaurant, das auch eine Bar sein will, setzt kulinarisch eigene Schwerpunkte. Schade nur, dass die Dekoration, die beim mehrgeschossigen Floating Market gelungen ist, in diesem beengten Ambiente durch zu viel Wucht geradezu beengend wirkt. Sperrig fällt die Möblierung aus. Das Auge blickt umher und wünscht sich, es gäbe als optischen Reiz nichts als die goldfarbenen Stirnwände. Diese aber wetteifern mit Blumen, Raumskulpturen, einem riesigen Rattantisch in der einen Ecke und der Sushi­theke in der anderen um die Wette.

Weniger ist mehr: Dieses Motto würde gut zu den japanischen Gerichten passen. Denn neben bekannten und neu zu entdeckenden Speisen aus der thai­ländischen Küche serviert die Crew rund um die emsige Wirtin Kangana Michel an der Ecke Olgastraße und Bopserstraße auch Sushi, japanische Vorspeisen sowie kurz und ganz pur gebratene Fisch- und Fleischgerichte.

Nimmt der Gast also ein Gericht aus Thailand, das unterschiedliche Zutaten, Konsistenzen und Geschmacksrichtungen so zusammenbringt, dass keine dominiert? Oder wählt er ein japanisches Gericht, das den Eigengeschmack der Zutaten relativ unberührt lässt? Leicht überfordert von diesem asiatischen Zweierlei, fällt die Entscheidung auf eine japanische Vorspeise: kurz gebratener Thunfisch in einer Soja-Sesam-Soße für 12 Euro. Nur am Rand ist der Fisch gegart, innen roh und trotz Soße rein im Geschmack. Die Hauptspeise ist dann rein thailändisch: Ausgelöster Flusskrebs mit Jakobsmuscheln mit Gemüse, Chili und Thaibasilikum für 21,90 Euro. Hierfür könnte man sogar vier Sterne verleihen, Doch mit Blick auf die sehr übersichtliche Portion und den dafür doch happigen Preis bleibt es bei dreien.

Gleiches gilt für das Hauptgericht des Mittesters: Rindfilet bleu aus dem japanischen Angebot. Es wird mit Pommes frites in einer warmhaltenden Papiertüte und rauchig schmeckendem Pak-Choi-Gemüse serviert. Pur darf man das mit einem scharfen Dip gereichte Rinderfilet bleu dennoch nennen – für üppige 25,90 Euro. Dazu ein Glas roter Zimmerle für 6,10 Euro für 0,2 Liter. Noch ein Manko: der Service. Auf ihn muss man oft und lange warten.

Küche: Japanisch und thailändisch auf hohem Niveau

Atmosphäre: Wuchtige Einrichtung auf recht wenig Platz

Preis-Leistungs-Verhältnis: Happige Preise und Abstiche beim Service

Adresse: Kanjana Restaurant & Bar, Olga­straße 86 (Ecke: Bopserstraße), 70180 Stuttgart, Telefon 6 93 79 30. Barrierefrei nur, wenn man sich den Gang zur Toilette verkneift. Dorthin führt eine Wendeltreppe.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 12 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr. Samstag und Sonntag 18 bis 23 Uhr.

Extras: Mittagsgerichte. In der warmen ­Jahreszeit Außengastronomie dank der großzügigen Terrasse.

Anfahrt: Mit der Buslinie 43 bis Wilhelm-/ Olgastraße oder mit den U-Bahnen 1 und 14 bis zum Österreichischen Platz, dann weiter zu Fuß. Parken in nahen Parkhäusern.

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