Namik Kemal Yanik ist der Chefkoch im Restaurant Sehzade. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Restaurant Sehzade setzen die Betreiber auf modern interpretierte osmanische Küche. Eine Besonderheit: Der Kellner bedient mit Handschuhen.

Stuttgart - Wer türkische Küche mit Kebab und Köfte gleichsetzt, wird hier wohl nicht glücklich. Im Restaurant Sehzade in der Stuttgarter Innenstadt setzen die Betreiber auf Gehobenes statt auf Fast Food. Der Name des Lokals klingt nicht nur nach Morgenland, nach „Tausend und eine Nacht“ – Seyfettin Tonbak und Nafis Bakirci wollen kulinarisch tatsächlich die glanzvollen Zeiten des osmanischen Reiches wieder aufleben lassen.

„Wir kombinieren hier Tradition mit modern-westlichem Zeitgeist“, sagt Tonbak. „Bei uns verschmelzen Orient und Okzident.“ So stehen in der Christophstraße 14, wo über lange Jahre das Punto-Fisso-Team Italo-Klassiker servierte, nun im erneuerten, in Rot- und Goldtönen gehaltenen Restaurant Gerichte wie Kichererbsenpaste mit Pinienkernen und Rinderspeck aus dem Römertopf, Hähnchenbrustroulade in Blätterteig mit Frischkäse und Safransoße oder Lammfilet mit Riesengarnelen in Sesamsoße mit Kurkuma-Paste. Letzteres ist laut Tonbak das Highlight, was sich auch preislich mit 37,50 Euro niederschlägt. Doch nicht alle Gerichte sind hochpreisig, Hauptspeisen gibt es ab 12,50 Euro. Die osmanische Küche sei nicht nur vielfältig, sondern die Zutaten auch hochwertig, erklärt der Gastronom.

Ein Kellner mit Handschuhen

Wir lassen uns am Testabend vom freundlichen und äußerst kompetenten Kellner beraten, der mit weißen Handschuhen bedient – und haben damit alles richtig gemacht: Der Öküzgözü (6,50 Euro für zwei Deziliter) ist ein körperreicher Rotwein aus Ostanatolien, die gemischte Vorspeisenplatte (16,50 Euro) eine prima Einstimmung. Die verschiedenen Pasten (auf unseren Wunsch hin gleich drei Auberginenvarianten) sind fein abgeschmeckt und abwechslungsreich. Besonders empfehlenswert: der geröstete Spinat mit Reis und Pinienkernen. Doch Vorsicht, die Platte reicht locker für mehr als zwei. Und wer den Appetit bewahren möchte, sollte sich beim Fladenbrot zurückhalten. Als Hauptgerichte gibt es wunderbar zarten Kalmar vom Grill mit Gemüse und selbstgemachter Remouladensoße (17,50 Euro), die für unseren Geschmack mehr orientalische Gewürze vertragen hätte, und Kalbsschnitzelchen in Sesam-Nuss-Soße (24,50 Euro). Das Fleisch (halal, sprich nach islamischem Ritus geschlachtet) zergeht auf der Zunge und hätte bestimmt auch Blaublütigen geschmeckt. Denn Sehzade bezeichnet einen Prinzen – und „in unserem Lokal ist der Gast König“, betont Tonbak, der wie sein Geschäftspartner und Jugendfreund Bakirci seit Jahren in der Gastronomie tätig ist. Wir jedenfalls fühlen uns vom aufmerksamen Service bestens umsorgt. Zum Abschluss probieren wir noch Helva (7,50 Euro), sprich Ölsamenmus, das in dieser Variante mit Honig und Walnüssen aus dem Ofen serviert wird – eine süße, ziemlich klebrige Bombe.

Wer das Sehzade erst mal „in günstig“ probieren möchte, kann das beim Mittagstisch tun: Die Gerichte kosten zwischen 6,50 und 8,50 Euro. Und wer an den vielleicht letzten heißen Tagen des Jahres lieber draußen sitzt, kann dies auf der Terrasse im Hinterhof tun.

Restaurant Sehzade
Christophstraße 14, 70178 Stuttgart, Tel. 07 11/67 44 36 74, www.restaurant-sehzade.de. Öffnungszeiten: Montags bis donnerstags von 11 bis 23 Uhr, freitags von 11 bis 3 Uhr, samstags von 16 bis 3 Uhr, sonntags von 16 bis 23 Uhr.

Die Bewertung:

Küche: 3,5 von 5 Sternen

Service: 4 Sterne

Ambiente:3 Sterne

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: