Tafelspitzen Schmeckt wie bei Oma, bloß besser

Von Tom Hörner 

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Gut Holz: Das Gasthaus Zom Bäcka Dais ist einen Besuch wert.

Stuttgart - Im Grunde muss man als im Norden der Stadt beheimateter Bürger froh sein, dass die Schulzens in Heslach keine Wohnung gefunden haben. Sieben Jahre und sieben Monate haben die Eheleute, die in Stuttgart-Mühlhausen wohnen, im Süden das Vereinslokal der Gartenfreunde Stuttgart Heslach betrieben. Irgendwann waren sie die tägliche Fahrerei mit dem Auto durch die Stadt leid. Da traf es sich gut, dass das ­Gasthaus Zom Bäcka Dais in Münster einen Pächter suchte. Mal wieder, muss man ­sagen, was bedauerlich ist.

Als Aushängeschild des Lokals dient noch immer die Silhouette des ehemaligen Hausherrn, Bäcker Dais. Drinnen ist, wenn wir uns recht entsinnen, auch das meiste beim Alten geblieben. Man trifft auf viel Holz und Gebälk und aus einer Nische grüßt von einem großen Wandfoto die ehemalige Wirtin der „Speisegaststätte“, wie es etwas altmodisch am Eingang heißt.

Es fängt mit Kleinigkeiten an, wenn man sich in einem Gasthaus wie daheim fühlen will. Kaum, dass man Platz genommen hat, ist Chefin Ferida Schulz mit der Karte zur ­Stelle und zündet eine Kerze an. Ein Blick auf den Speiseplan zeigt, dass es Koch ­Jürgen Schulz übersichtlich mag: Zwiebelrostbraten, selbst gemachte Maultaschen, Gaisburger Marsch – man findet alles, was des Schwaben Herz ­begehrt. Die ­Standardspeisen ­werden ­ergänzt durch wöchentlich wechselnde Empfehlungen des Küchenchefs. Überschaubar auch das Weinangebot: alles Tropfen aus der Gegend. Einziger Wermutstropfen: Den guten ­Travertin der Weingärtner Bad Cannstatt gibt es nur flaschenweise.

Das Kerzlein züngelt, im Hintergrund dudelt SWR 4, aber dass es uns warm ums Herz wird, haben wir den Suppen zu verdanken. Die ­Rinderkraftbrühe mit Flädle (3,20 Euro) ist kräftig, die wunderbar ­duftende Karotten-Ingwer-Suppe (3,80 Euro) erfreut nicht nur die Nase, sondern auch den Gaumen. Bei gut gemachter Hausmannskost ist man ­hierzulande oft geneigt, einen Vergleich mit Omas Rezept zu ziehen. Sagen wir so: Oma muss sich warm anziehen, wenn ihre Rindsrouladen mit denen von Jürgen Schulz mithalten wollen. Zart das Fleisch, die ­Füllung aus Speck, ­Zwiebeln, Gurken und einem Hauch Senf fein abgeschmeckt. ­Passend dazu: Kartoffelpüree und Rotkraut, das noch Biss hat. Der zweite Hauptgang steht dem Fleisch­gericht nicht nach: Die Kässpätzle (handgeschabt, mit großem Salat­teller, 8,40 Euro) ziehen, wie sich das gehört, Fäden, und sind nicht, wie inzwischen oft üblich, in einer Käse-Sahne-Pampe ertränkt.

Jürgen Schulz steht für eine ehrliche, gerade Küche, die ein ehrliches, gerades Lob verdient hat: Leute, geht hin! Nehmt die Oma mit und sagt ihr, dass das Kartoffelsalatrezept auch von einer Oma stammt.

Küche: Alles, was des Schwaben Herz begehrt

Atmosphäre: Viel Holz im Haus und SWR 4 im Ohr

Preis-Leistungs-Verhältnis: Selbst Pfennigfuchser kommen auf ihre Kosten

Adresse: Zom Bäcka Dais, Austrasse 12, ­ 70376 Stuttgart, Telefon: 07 11 / 94 57 66 33, Mobil: 01 76 / 22 02 55 64, nicht barrierefrei.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags ab 15 Uhr, Küche ab 16.30 Uhr; samstags, ­sonntags und an Feiertagen ab 11 Uhr, Küche ab 11.30 Uhr; montags Ruhetag.

Extras: Für Familienfeiern, Firmenfeste oder Vereinsstammtische bietet sich das Nebenzimmer für 25 Personen an. In der warmen Jahreszeit gibt es im Außenbereich 24 Sitzplätze.

Anfahrt: Stadtbahnlinien 14 bis zur Halte­stelle Münster Rathaus. Das Lokal liegt ­außerdem am Neckartalradweg.

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