Violetta Koss serviert im hell und schlicht eingerichteten Tempus. Foto: Max Kovalenko

Kein einfaches Erbe, das Bernadeta Koss und Christophe Devanlay im Haus der Geschichte angetreten haben. Der Erfolg des Restaurants Tempus dürfte zum Großteil davon abhängen, wie die Ausstellungen auf der Kulturmeile laufen.

Stuttgart - Es ist kein einfaches Erbe, das Bernadeta Koss (46) und Christophe Devanlay (44) Anfang Juli im Haus der Geschichte angetreten haben. „Diese Meile ist so gut wie tot“, urteilte Vorgänger Alexander Laub bei seinem Abschied vor über einem halben Jahr. Dieser hatte neben wirtschaftlichen auch familiäre Gründe. Tatsächlich dürfte der Erfolg des Restaurants Tempus jedoch zum Großteil davon abhängen, wie die Ausstellungen auf der Kulturmeile laufen. Ein Vorteil für die neuen Betreiber: Da das Plenum im nahe gelegenen Landtag während der Sanierung für etwa drei Jahre schließen muss, haben Opernbesucher am Abend eine Anlaufstelle weniger.

Am Besuchstag, einem verregneten Spätsommersonntag wie gemacht für Museumsbesuche, sitzen nur wenige Gäste auf den einfachen Holzstühlen im Restaurant. Die durch die Möbel, fehlende Abtrennungen und hohe Decken bedingte Kantinenatmosphäre wird dadurch noch etwas verstärkt. Auch die große Terrasse könnte noch ein paar Pflanzen und eine liebevollere Gestaltung vertragen.

Dennoch machen die neuen Pächter vieles richtig. „Wir wollen hier keinen Gastro-Tempel führen“, haben sie angekündigt. Stattdessen soll es im Tempus „bodenständig und gepflegt bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“ zugehen. Ein Blick in die Tageskarte zeigt, dass dies nicht nur leere Versprechungen sind. Viele Gerichte kosten unter zehn Euro, sind auf die Gäste zugeschnitten, die aus dem angrenzenden Haus der Geschichte kommen und über Mittag bei einer Kleinigkeit Pause machen wollen.

Der Schweizer Wurstsalat mit Bratkartoffeln (9,80 Euro) ist fein mit Gürkchen angemacht, die Bratkartoffeln sind herrlich kross gebraten. Nur statt der blassen Goudastreifen hätte sich ein würziger Emmentaler oder Bergkäse sicher besser gemacht. Zum Publikumsrenner dürften auch die Flammkuchen avancieren, zum Beispiel in der Variante mit Ziegenkäse, Zwiebeln und Rucola (9,80 Euro). Der kleine Salat (2,90 Euro) mit Blattsalaten, Radieschen und Kirschtomaten ist mit einem rassigen Dressing aufgepeppt. Die Spaghetti Bolognese als Kinderportion sind dagegen Durchschnitt, mehr nicht.

Auffallend an diesem Tag ist der äußerst freundliche Service. Ein Gläschen für die Jüngste aufwärmen? Kein Problem. Die Spaghetti Bolognese als Kinderportion für den Vierjährigen? Wird mit einem Lächeln erledigt. So fühlt man sich auch mit Anhang willkommen. Und deshalb kommen wir gerne wieder – spätestens, wenn es im Haus der Geschichte oder in der Staatsgalerie mal wieder eine interessante Ausstellung zu sehen gibt.

Infos und Adresse

Küche: Einfach, aber selbst gemacht und frisch

Atmosphäre: Die Kantine lässt grüßen - da geht noch was

Preis-Leistungs-Verhältnis: Gut - viele Gerichte unter zehn Euro

Adresse: Tempus, Konrad-Adenauer-Straße 16, 70173 Stuttgart, Tel. 07 11 / 51 88 93 58, E-Mail: essen@tempus-stuttgart.de, Internet: www.tempus-stuttgart.de

Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Samstag 10 bis 23 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, warme Küche 11.30 bis 14.30 Uhr und 18 bis 22 Uhr. Das Tempus hat bis 8. September Sommerpause.

Extras: Außenbereich mit 90 Plätzen im Sommer, bei Bedarf kann das ganze Lokal gemietet werden.

Anfahrt: mit diversen Stadtbahnlinien zu den Haltestellen Charlottenplatz oder Staatsgalerie, Parkmöglichkeiten in den Parkhäusern HdG, Staatsgalerie oder Landesbibliothek.



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