Gaetano Giglio hat sich mit dem Milano selbstständig gemacht. Foto: factum/Granville

Am Stadtrand von Sindelfingen serviert Gaetano Giglio Italo-Klassiker und ambitionierte mediterrane Kreationen. Unser Fazit: Das Milano hat das Zeug zum Lieblingsitaliener.

Sindelfingen - In der Stuttgarter Gastro-Szene ist Gaetano Giglio kein Unbekannter. Sechs Jahre lang arbeitete der 47-Jährige als Restaurantleiter im San Pietro, dem Lokal des Fernsehkochs Sante di Santis. Nach dem Tod des Freundes und Mentors eröffnete Giglio das Milano in Sindelfingen. Gemeinsam mit Küchenchef Oreste Manzi erdachte er eine kleine, feine Karte, die neben Italo-Klassikern Überraschendes birgt. Pizza ist indes nicht im Angebot.

Das Milano liegt an einer viel befahrenen Straßenecke im Gewerbegebiet, innen aber ist der herbe Charme schnell vergessen. Wir sitzen auf weißen Lederstühlen an dunklen Holztischen. Große Fensterflächen versprühen urbanen Schick, eine lange Theke lädt zum gepflegten Drink. Im wandfüllenden Regal voll mit Weinflaschen dürfte jeder den passenden Tropfen finden. Dominierender Blickfang aber ist die Decke. Über den Köpfen prangt die Reproduktion der „Apotheose des heiligen Ignatius“ von Andrea Pozzo. Im Original findet man das Barockgemälde in der Jesuitenkirche Sant’ Ignazio di Loyola in Campo Marzio in Rom. Das passt zwar nicht zu einem Lokal, das sich Milano (Mailand) nennt – aber sei’s drum. Gaetano Giglio hat das Bild vom Vorgänger übernommen. Von hinten illuminiert bildet es die dramatische Kulisse für einen großen Auftritt. Während oben der heilige Ignatius zum Halbgott befördert wird, kommen auch die Menschen unten dem Himmel ein Stückchen näher.

Auch das klassische Panna Cotta kommt gut an

Wir starten mit einer Bruschetta, die hier wie es sich gehört aus hochwertigen, aromatischen Tomaten und krossem Brot besteht (6 Euro) – klassisch, pur, gut. Eine ungewöhnliche, aber vortreffliche Kombination bilden die gegrillten Pulpo-Spieße auf kalter Tomaten-, Apfel- und Limettencreme (10,50 Euro). Auch Nudelliebhaber kommen auf ihre Kosten: sowohl die am Tisch zubereiteten Spaghetti aus dem Parmesanlaib (12,50 Euro) als auch die Penne Arrabiata (8,50 Euro) überzeugen. Das zum Scaloppina al Limone geadelte zarte Kalbsschnitzel kommt mit einer angenehm sauren, aromatischen Zitronensauce, jungem Spinat und knusprigen Rosmarinkartoffeln (19,50 Euro). Der Wolfsbarsch ist geschmacklich und optisch ein Vergnügen: er versteckt sich unter einer Schuppen imitierenden Kartoffelkruste (22 Euro). Als Nachtisch gibt es Caprese di cioccolato, so nennt sich ein auf der Insel Capri beliebtes Gebäck aus Schokolade. Im Milano wird die Süßspeise (7,50 Euro) in Begleitung von Erdbeermark und kandierten Orangen serviert und mundet vorzüglich. Auch das klassische Panna Cotta (6,50 Euro) kommt gut an, zumal es gleich in zwei Schälchen mit verschiedenen Fruchtpürees serviert wird und locker für zwei Personen reicht.

Der Chef packt selbst mit an

Der Chef hilft an diesem Abend im Service selbst mit, weil zwei Kräfte ausgefallen sind. So erklärt Giglio später, dass es zwischenzeitlich mit dem Getränkenachschub nur schleppend klappt. Dennoch: Das Milano hat das Zeug zum Lieblingsitaliener.

Bewertung StZ:

Die Bewertung und die Adresse

Küche 4 Sterne (überdurchschnittlich) von fünf Sternen

Service 3 Sterne (gut)

Ambiente 4 Sterne (überdurchschnittlich)

Anfahrt: Öffentlich mit den Buslinien 706 oder 711 zur Haltestelle Breuningerland. Nächstgelegene S-Bahn-Station ist Goldberg (an der S1). Parkmöglichkeiten sind direkt vor der Tür (Einfahrt Schwertstrasse) vorhanden. Bei großem Andrang gibt es auf der anderen Straßenseite den Parkplatz des nahen Einkaufszentrums.

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