"Vive la différence!", heißt es auf der Homepage von Irma La Douce, dem ambitionierten Restaurant im Stuttgarter Leonhardsviertel. Es lebe der Unterschied! Worin dieser im passend zum Milieu nach der berühmtesten Filmhure der Welt benannten Lokal liegt? Zunächst einmal in der Einrichtung. Die ist stilvoll, warm, gemütlich, schön.

Gastronom Remo Heine empfängt in einem aufwendig renovierten Gründerzeithaus die Gäste. Das Ambiente mit Holzvertäfelungen, Kirschparkett, Bücher- und Weinregalen, Ölgemälden und weiß eingedeckten Tischen eignet sich für den Business Lunch genauso wie fürs romantische Abendessen zu zweit. Dass sich ein gigantischer Flugzeugpropeller als Ventilator an der Decke dreht, wissen wir an diesem warmen Sommerabend zu schätzen.

Knapp zwei Jahre lang stand hier Matthias Herrmann am Herd, ehemals Koch im Sterne-Restaurant Zirbelstube. Nun hat Heine mit Henning Stein (44) einen neuen Küchenchef engagiert. Nach 14 Jahren in Aschaffenburg reizte ihn die Großstadt: "Da kann man freier agieren als in der Kleinstadt, wo man viel mehr auf den konservativen Geschmack der Leute achten muss." Im Irma La Douce will er die Gäste zwar nicht überfordern, aber doch "Bekanntes neu interpretieren, Gewohntes ungewohnt servieren und mit der regionalen Küche spielen". Auch hier also der kleine Unterschied?

Dass zur feinen Trüffelbutter erst nach geraumer Zeit Brot serviert wird - geschenkt. Die wunderbaren Vorspeisen entschädigen fürs Warten. Auf der Zunge zergehende Jakobsmuscheln auf süßlich-würzigem Maracujamousse, herrlich erfrischender Rucola-Erdbeer-Salat mit gratiniertem Ziegenkäse: Hier zeigt Stein, dass er zu kombinieren versteht. Bei den Hauptgängen wird er dem Anspruch allerdings nicht mehr ganz gerecht.

Der Zander aus dem Dreigangmenü thront auf Kohlrabiauflauf, der etwas zu lang im Ofen garte. Die kurz gebratene Roulade vom Rinderrücken ist zart (und innen noch roh). Die dazu gereichten kandierten Radieschen klingen spannend, schmecken aber so langweilig wie die Gorgonzolasoße. Für 29,80 Euro darf man mehr erwarten. Beim Kartoffelflan, den wir uns fluffig gewünscht hätten, handelt es sich um Muffin-ähnliche Gebilde, die vor allem eins sind: knochentrocken. Wir lassen sie liegen und reklamieren sanft, als der Kellner abträgt. Seine Antwort: "Tja, hätten Sie vorher etwas gesagt, hätte ich Ihnen mehr Soße gebracht." Für den "Unterschied" im Service (langsam, teilweise unaufmerksam) gibt's Punktabzüge, aber dennoch Trinkgeld: Die Mappe, in der Rechnung und unser Geld liegen, kommt nicht an den Tisch zurück. Und die Quittung? "Ach", sagt der Kellner, "die ist schon im Schredder."

Küche: Internationales ambitioniert interpretiert

Atmosphäre:Stilvoll, schlicht, schön

Preis-Leistungs-Verhältnis:Fast so teuer wie im Sterne-Lokal

Adresse: Restaurant Irma La Douce, Katharinenstraße 21 b, 70182 Stuttgart, Telefon 4 70 43 20, http://www.irmaladouce.de.

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Öffnungszeiten: Montags bis samstags von 11 bis 24 Uhr, sonn- und feiertags ab 17 Uhr.

Extras: Wöchentlich wechselndes Mittagsmenü (um 15 Euro); Abendkarte ändert sich monatlich. Da auf drei Etagen verteilt, eignet sich das Lokal gut für Feierlichkeiten.

Anfahrt: Stadtbahnlinien U 1, U 2, U 4 bis zur Haltestelle Rathaus, Buslinie 43 bis Olgaeck oder bis Wilhelm-/Olgastraße. Für Autofahrer: Am besten in den umliegenden Parkhäusern und Tiefgaragen parken.

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