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Michele Rocco d’Amico und sein Bruder Riccardo blicken am liebsten nach vorne. Die Trattoria La Rucola in Heslach ist nach elf Jahren in Ostfildern seine berufliche Zukunft.

Stuttgart - Michele Rocco d’Amico blickt am liebsten nach vorne. Die Trattoria La Rucola unweit des Erwin-Schottle-Platzes im Stuttgarter Stadtteil Heslach ist nach elf Jahren in Ostfildern seine berufliche Zukunft und die seines Bruders Riccardo – und doch ist die Familie zuweilen mit der Vergangenheit konfrontiert. „Es kommt schon recht häufig vor, dass Gäste von Herrn Kujau erzählen“, sagt Michele d’Amico.

Konrad Kujau. Der im Jahr 2000 verstorbene Maler war nach Prozess, Haft und Rummel um die von ihm gefälschten Hitler-Tagebücher Wirt dieses Etablissement, das damals den Namen Alt-Heslach trug. Halb Gaststätte, halb Galerie genoss die Kneipe dank der Bekanntheit Kujaus Kultstatus. Wer das La Rucola heute betritt, entdeckt nichts mehr, das an den Meisterfälscher erinnert. Der Gastraum ist weiß getüncht und einfach möbliert. Manche mögen das als spartanisch empfinden. Dafür lenkt kein Deko-Schnickschnack von dem ab, weshalb man gekommen ist.

Michele d’Amico beschreibt die Küche als „bunt, vielfältig und traditionell, von der Pizza bis zum Filet“. Ein bis zwei Mal pro Monat wechselt die Karte, auf der meist zwei Vorspeisen sowie jeweils zwei Pasta-, Fleisch- und Fischgerichte zu finden sind.

In der Küche hat Vater Rocco das Sagen, obwohl er die Kochlöffel bereits einmal beiseite gelegt hatte. Gut, dass er sich dazu entschlossen hat, seine Söhne zu unter­stützen. Beim Testbesuch entpuppt sich das La Rucola als kleines, aber feines Lokal, das Qualität auch für Leute mit kleinem Budget bietet. Dabei ist der Name ­Programm. Wo es passt, verfeinern, die d’Amicos die Gerichte mit der sachten ­Bitternis der Salatsorte.

Nicht bei der vorzüglichen Minestrone (4 Euro), dafür aber beim liebevoll zusammengestellten italienischen Vorspeisenteller (8,90 Euro), wobei Letzterer als Vorspeise für eine Person fast zu mächtig ist. Der Hauptgang, Rinderfilet mit Rosmarin­kartoffeln und getrockneten Tomaten (17,50 Euro), hält, was das Entrée versprochen hat: Riccardo d’Amico serviert ein butterweiches, auf den Punkt gegartes Stück Fleisch. Genauso gelungen ist der Pesce Spada Puttanesca (13.50 Euro), zu deutsch Schwertfisch nach Art der Huren, der auf der Zunge zergeht. Zur leicht scharfen Soße unter anderem mit Oliven und Kapern gibt es hausgemachte Nudeln. Riccardo d’Amico empfiehlt dazu stets den passenden, der Saison entsprechenden Wein aus seiner Heimat. Gelegentlich spendiert er den Gästen danach als i-Tüpfelchen einen im Barrique gereiften, magenschonenden Grappa.

Den hätte auch Konrad Kujau nicht verschmäht. Auch wenn an den Kunstfälscher hier nichts mehr erinnert – mit einem ­Besuch des La Rucola macht man nichts falsch.

Küchen: Italienisch, traditionell, unkompliziert

Atmosphäre: Einfach, familiär, gemütlich

Preis-Leistungs-Verhältnis: Reichlich Mediterranes für das Geld

Adresse: Trattoria Pizzeria La Rucola, Böblinger Straße 81, 70199 Stuttgart, Telefon 0711/66481005, nicht barrierefrei.

Öffnungszeiten: sonntags bis freitags von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 18 bis 23.30 Uhr; samstags von 17.30 Uhr an.

Extras: Gewölbekeller für Familien- oder Firmenfeiern mit circa 40 Plätzen, in der warmen Jahreszeit zusätzlich etwa 40 Plätze im Freien, Gerichte auch zum mitnehmen.

Anfahrt: mit den Stadtbahnlinien U 1 und U 14 sowie mit der Buslinie 42 jeweils bis zur Haltestelle Schreiberstraße; für Autofahrer: begrenzte Parkmöglichkeiten in der nähren Umgebung in Heslach.

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