Sehr schicke Einrichtung, aber nicht immer sehr zweckmäßig. Foto: Max Kovalenko

Vielleicht ist Chef Michael Zeyer ja nur ein ganz cleverer Hund. Immer wenn ein Koch ­wechselt in einem der herausragenden ­Lokale der Stadt, dann rücken wieder die Tester an – und das wiederum beschert dem Restaurant eine gewisse Öffentlichkeit. Das Restaurant 5 an der Bolzstraße ist in diesem Punkt ein Phänomen.

Stuttgart - Vielleicht ist Chef Michael Zeyer ja nur ein ganz cleverer Hund. Immer wenn ein Koch ­wechselt in einem der herausragenden ­Lokale der Stadt, dann rücken wieder die Tester an – und das wiederum beschert dem Restaurant eine gewisse Öffentlichkeit. Das Restaurant 5 an der Bolzstraße ist in diesem Punkt ein Phänomen. Erst wenige Jahre am Start, aber die Köche gewechselt wie andere die Speisekarte. Erst überzeugte Michael Braun, der kurz darauf sein eigenes Lokal an der Hauptstätter Straße eröffnete – um recht schnell zu scheitern. Dann kam Marc Müller, der dem 5 den Stern erkochte – und wieder verschwand. In sein neues Lokal Smøgen im Leonhardsviertel. Nun hat der Neuseeländer Russell Pirrit übernommen, der schon vorher als Sous-Chef da war. Bleibt mit ihm auch der Michelin-Stern?

Der Neue geht mit dem Anspruch an die Sache, natürlich mit den Produkten umzugehen, seine Linie ist kaum anders als die vom Vorgänger. Die Grüße aus der Küche ­sind in Ordnung, erzeugen aber weniger Aha-Effekte als früher. Dennoch ist alles exzellent. Bei der Auswahl gibt’s zwar ein paar Verständnisprobleme, aber wir erhalten klaglos zwei Drei-Gang-Menüs (69 Euro), die sich maximal unterscheiden und ­dadurch die Chance geben, möglichst viel zu probieren.

Auch deshalb, weil man viele Geschmackserlebnisse erfahren möchte, geht der Feinschmecker in eine solches ­Lokal. Der Stil ist nach wie vor extravagant. Die Gerichte heißen etwa: Lufthoheit. Wachtel. Topinambur, Sellerie. Rote Oxalis. Das Resultat ist gelungen, die Wachtel wunderbar, die Einzelteile harmonieren. Dies deutet bereits auf den kleinen Schwachpunkt im 5 hin: Dies ist nicht immer so. Etwa be im Gang Freundschaftsanfrage. So recht erschließen sich die Beziehungen nicht, Hummerravioli schwimmen in einer deftigen Brühe, geschmacklich bleibt nur der Hummer. Gut, aber kein Aha. Beim Enten-Gang (Wildente. Schwarzwurzel. Walnuss. Radicchio) ist die Mischung stimmiger, bei Wasser und Erde (Heilbutt. Octopus. Wilder Broccoli. Lauch.) perfekt.

Dass man sich im 5 auf viel Chichi einlassen muss, zeigen nicht nur die Namen der Gerichte: Es wird nicht geklotzt, sondern viel drumherum gekleckert – also mit Schäumchen, Gel und Tröpfchen sowie Gebrösel verziert. Zum Beispiel beim Hauptgang Kluges Rindvieh. Das Filet ist ein Traum, die Soße dazu perfekt, der Rest tut irgendwie nichts zur ­Sache. Die Konzentration aufs Wesentliche, das wünscht sich der Gast in diesem Moment.

Die Weinberatung ist dafür, mit einem Ausrutscher beim fruchtigen Roten zum Rindfleisch, sehr kompetent, wenn Russell Pirrit seinen Weg zwischen purem Geschmack­ und ein bisschen passendem Schnickschnack findet, erhält das 5 auch wieder einen Stern. Dass in der Bolzstraße mehr auf Szene als auf Eleganz gesetzt wird, hat die Kritiker auch letztes Mal schon nicht gestört. Denn trotz allen Kochwechseln, an unseren alten Kritikpunkten (viel Lärm, viel Laufkundschaft an den Tischen vorbei zu den Toiletten, unpraktische Möbel) hat sich nichts verändert.

Infos und Adresse

Küche: Bringt alles mit, die Feinabstimmung fehlt noch etwas.

Atmosphäre: Sehr großstädtisch, sehr stylisch, sehr laut.

Service: Freundlich und kompetent.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Für Sternegastronomie im erschwinglichen Bereich.

Adresse: Gourmetrestaurant 5, Bolzstraße 8, 70173 Stuttgart, Telefon 07 11 / 65 55 70 11. www.5.fo

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 Uhr und 18 bis 23 Uhr, Samstag von 18 bis 23 Uhr, sonntags geschlossen.

Extras: Lunch, Brunch, Mittagstisch, durch die Mischung von Gourmetrestaurant und Bar gibt’s in dem Lokal so ziemlich alles. Jeden ersten Sonntag im Monat laufen Filmklassiker zum Frühstück.

Anfahrt: Die nächstliegenden beiden Stadtbahnhaltestellen sind Friedrichstraße und Schlossplatz. Für Autofahrer gibt’s mehrere Parkhäuser in der direkten Umgebung.

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