Tafelspitzen Der Buschpilot bringt das Vesperbrettle

Von Anja Wasserbäch 

Eine neue Kneipe im Park der Villa Berg überzeugt mit Rostbraten und anderen Speisen. Der Service ist entspannt, die Atmosphäre rustikal.

Stuttgart - Im Park der Villa Berg im Stuttgarter Osten ist der Buschpilot gelandet. Das gelbe Flugzeug hängt im Innenraum von der Decke. Draußen auf der Terrasse, die fast rund ums Gebäude geht, sitzen viele Gäste. Familien mit Kindern, Paare mit Hunden, Damen-Geburtstagsgesellschaften, die Sekt und Maultaschen bestellen. Erster Eindruck: Der Buschpilot ist für alle da.

Und ja: Der Buschpilot ist eine Kneipe. „Wir sind kein Speiselokal“, sagt die Bedienung am Schluss, weil die Wartezeit doch etwas lang war. Es war aber auch sehr voll am Testabend, der Koch Andreas Kleine hatte alle Hände voll zu tun, um Wurstsalat, Gaisburger Marsch, Linsen mit Spätzle & Co. zuzubereiten.

Der Zulauf verwundert nicht: Der Buschpilot ist ein toller Ort für Sommerabende, wenn man nicht zwischen Häuserschluchten auf einem schmalen Trottoir sitzen, sondern ein bisschen Grün um sich haben möchte. Es ist auch ein tolles Ausflugslokal, für all jene, die im Schlossgarten spazieren und einkehren möchten. Unweit den Haltestellen Metzstraße und Mineralbäder ist der Buschpilot an einer guten Adresse, wenn auch etwas ab vom Schuss. Hier im Pavillon war lange Jahre Melles Weinstube beheimatet, dann hatte das Restaurant Landhaus ein kurzes Zwischenspiel.

Tobias Messerle, der auch die wunderbare Kneipe Kap Tormentoso in der Hirschstraße betreibt, hat sich des Lokals angenommen. Jessica Duenas ist die Geschäftsführerin, eine gute Frau an der Theke, im Service und überall. Sie ist freundlich zu den Gästen. Auch wenn es rappelvoll ist. Es dauert lange, bis endlich das Vesperbrettle kommt, das eigentlich als Vorspeise bestellt wurde. Die Portionen sind eben so gedacht, dass man von einem Hauptgericht satt wird. So finden sich Pfefferbeißer, Rauchschinken, Bergkäse, Weichkäse, Griebenschmalz, Butter und Brot (6,50 Euro) auf dem kreisrunden Holzbrett. Die Waren darauf sind tadellos.

Das gilt auch für die Hauptspeisen: Die Spätzle zum Rostbraten sind so unterschiedlich dick, dass sie einfach selbst gemacht sein müssen. Nur das Stück Fleisch fällt etwas klein aus. Geschmacklich aber ist es gut. Die Forelle „Müllerin Art“ mit Petersilienkartoffeln (15,40 Euro) steht neben einem veganem Tagesgericht (Bulgur mit gebratenem Gemüse) auf der Tageskarte. Sie ist schlichtweg eine Wucht: Schön saftig der Fisch, die Mehlhülle wurde nicht zu dick aufgetragen, so dass der Fisch auch noch nach Fisch schmeckt. Nur ein Nachttisch – es gäbe Vanille-Grießflammerie mit Beerengrütze – passt beim besten Willen nicht mehr. Man kann dem Buschpiloten nur einen guten Flug wünschen.

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