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Schickes Ambiente und kreatives Essen auf Top-Niveau gibt es im Restaurant 5 in der Bolzstraße.

Stuttgart - Der Koch ist weg! So eine Nachricht klingt gar nicht gut. Aber Michael Zeyer hat das Beste aus der Situation gemacht. Nachdem sich sein erster und hochgelobter Küchenchef ­Michael Braun nach kaum einem Jahr in die Selbstständigkeit verabschiedet hat, holte er Marc Müller an den Herd. Mit ihm scheint nun ein Michelin-Stern für das junge In-Lokal in greifbare Nähe gerückt zu sein. Denn der neue Koch im stylischen 5 war in seinem letzten Restaurant am Tegernsee mit einem solchen ausgezeichnet worden. Zudem hat der 38-Jährige im El Bulli, also unter dem Molekular-Küchenmeister Feran Adria (drei Sterne), gearbeitet und bei Dieter ­Müller (auch drei Sterne). Eine avantgardistische Küche soll sein Markenzeichen sein, eine Mischung aus dem Motto „Zurück zu den regionalen Wurzeln“ und internationalen Zutaten der trendigen Haute Cuisine.

Als Gruß aus der Küche schickt er einen Olivenbaum, an dem zwei Kumquats hängen, gefüllt mit einem gefrorenen Aperitif. Es folgt ein Smoothie im Glas aus Spargelschaum auf Himbeersirup. Dann gibt’s ein Ballonbrot mit geräucherter Salzbutter und schließlich einen erfrischenden Kalbstartar in Jozo-Soße, dekoriert mit Austernblatt und Silberpapier. Erst nach diesen vier ­ausgefallenen Hallos vom Koch folgt die Vorspeise. Wie eine Praline sieht die Kombination aus Entenleberterrine, Räucheraal, Zwiebel, Fenchel und Apfel aus, eine Kombination, die intensiv und gleichzeitig schön leicht schmeckt. Als Alternative zeigt Marc Müller, dass man auch mit einem einfachen Hühnerei, frischen Pilzen und dem vergessenen Getreide Linum für ein Aha-Erlebnis sorgen kann. Einen Gang zum Mitkochen bietet er mit seinem rohen Mini-Pulpo ­Edition El Bulli, den man in Juzo-Sake auf dem Stövchen selbst gart. Fast wie eine ­Auster schmeckt das zarte Tintenfischlein.

Die kulinarische Abenteuerreise führt zum Hauptgang ans bretonische Meer: Der Seeteufel wird dabei begleitet von Rote Bete in allen Variationen (Gelee, Schaum, am Stück, mit Mokka) und einem ebenso kleinen wie geschmackvollen Klecks Maispüree. Ein butterweiches Lamm steht noch auf der kurzen Karte, mit dreierlei Soßen vom schwarzen Knoblauch, der gegrillten Paprika und der Saubohne. Und zum Schluss zeigt Marc Müller, was man alles mit Rhabarber machen kann (siehe auch Rote Bete). Er ist ein Koch, bei dem das Olivenöl die Form von Kaviar annimmt, der Speck zum Schaum wird und das Eis im Mund knistert. Fürs Auge wird extrem viel geboten, aber nie zum Selbstzweck, denn die größte Begeisterung folgt immer, wenn das Essen im Mund ist. Und das Beste an all dem sind die für dieses Niveau recht günstigen Preise. Drei Gänge kosten 59 Euro, fünf kosten 20 Euro mehr. Dazu werden die ­passenden Weine ausgeschenkt, darunter viele aus Stuttgart und der Region. Das alles hat definitiv einen Stern verdient.

Küche: Grandioser Mix aus der Region und der Welt

Atmosphäre: Stylisch, aber unbequem – und sehr viel Toilettenverkehr

Preis-Leistungs-Verhältnis: Sternequalität und sensationell viele Extras

Adresse: Restaurant 5, Inhaber Michael Zeyer, Bolzstraße 8, 70173 Stuttgart, Telefon 07 11 / 65 55 70 11. www.5.fo

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 18 bis 23 Uhr. Samstags nur abends, sonntags ist das Restaurant geschlossen.

Extras: Lounge und Bar gehören ebenfalls zum 5, diese sind sieben Tage die Woche geöffnet.

Anfahrt: Die nächste Stadtbahn-Haltestelle ist Friedrichsbau, der Hauptbahnhof liegt ebenso nah wie diverse Parkhäuser.

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