Orientalisch gedämpfte Farben im hinteren Teil des syrischen Restaurants Foto: Kovalenko

Orientalische Atmosphäre und frische, leichte, syrische Spezialitäten gibt es im Restaurant zum Golf.

Stuttgart - Eine Stufe ins tiefer gelegte Parterre des soeben grau und gelb angestrichenen Hauses hinab ist ein Schritt in eine nicht bloß äußerlich andere Welt. Ein länglicher Raum mit Bänken an drei Seiten, Hocker mit geflochtenem Sitz, Holzfußboden; Stoffe rundum in den Farben von Sand bis Gold, es sind die Farben der Wüste. Atmosphärisch ein (Beduinen-)Zelt mit Plastikpalme und dem starken Kamel. Stil- und Materialbewusstsein für robuste, aufgeraute Oberflächen verraten Sinn für das handwerkliche Produkt. Ein arabischer Internetsender liefert Musik aus den Golfstaaten. Im unvermutet geräumigen hinteren Teil ein hellerer und ein dunklerer Raum mit – in den Tagträumen eines Laien – orientalischem Flair.

Kein Essen in der syrischen Küche ohne Vorspeisen: Hummus (pürierte Kichererbsen mit Sesampaste, Olivenöl), Baba Ghanoui (pürierte Auberginen mit Sesampaste, Olivenöl), Warab Inab (Weinblätter gefüllt mit gewürztem Reis, Petersilie, Zwiebeln, Knoblauch), Kibbeh (frittierte Hackfleischbällchen in einem Mantel aus Reis oder ­Kartoffeln oder Kuskus). Taboulé (Salat aus Petersilie, Frühlingszwiebeln, Minze, Bulgur, Zitronensaft, Olivenöl) ist eine ­Offenbarung aus sattem Grün und reifem Rot. Glatte Petersilie ist nicht Dekoration oder Alibikraut für eine behauptete Frische, sie ist Hauptsache wie jedes andere Grün­gewächs; auf dem großen ­Vorspeisenteller erscheint es wie eine Bejahung des ­Lebens. Frisch zubereitet, man hörte aus der Küche das Hacken der Zutaten. Eine feine Säure wässert den Mund.

Hauptspeisen mit Fleisch von Lamm und Huhn am Spieß vom Grill. Oder mächtige Beinscheiben vom Lamm in Salzwasser mürbe geköchelt und angebraten mit hauchfeiner Kruste. Kabsat Laham: gelber Reis, gewürzt mit Curry, Kurkuma, getrockneten Zitronen und Spuren von Safran. Säure und Süße fein ausbalanciert. Aromen erzählen von den Einflüssen der palästinensischen, libanesischen, der türkischen und auch der persischen Küche. Dazu das dünne, immer etwas weiche Fladenbrot (das wir – noch – nicht als Besteck benützen ­können). Duftig luftig der Reis.

Kein Wein, kein Bier. Was dazu trinken? Ayran, das in Anatolien und anderen Kulturen beheimatete Joghurtgetränk. Auch Tee, oder Kiba (aus Dattelsaft). Der Kardamom-geschwängerte, leicht mehlige arabische Kaffee (Mokka) ist ein magenfreundlicher Kontrast zu den Desserts, diesen mit Walnüssen, Pistazien gefüllten süßen Bomben.

Keine Abfertigung. Schamiram Moga in der Küche und Mounira Zaya im Service sind zwei ausnehmend freund­liche weib­li­che Wesen. Man spürt die Liebe bei der Zu­bereitung, das Vergnügen, dem Gast Gutes zu tun. Große Portionen sind Ausdruck der Ehrerbietung, also üblich. Finden Deutsche den Weg dorthin nicht leicht, weil das Restaurant Zum Golf vor ihrer Nase liegt?

Küche: Frisch, aromatisch, leicht

Atmosphäre: Sandfarben für die Seele

Preis-Leistungs-Verhältnis: Erstaunlich

Adresse: Restaurant Zum Golf, Kernerstraße 13, 7018 Stuttgart, Telefon 07 11 / 50 46 25 14, www.zum-golf-restaurant.de

Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 24 Uhr. Reservierung nur bei Gruppen erforderlich. Nicht barrierefrei. Das ist hier kein Problem: Arabische ­Gastfreundschaft überwindet viele Hürden.

Extras: zwei Räume für Raucher.

Anfahrt: mit den Stadtbahnlinien 1, 2, 4, 9, 14 bis ­Haltestelle Neckartor. Von dort sind es etwa 200 m. Autofahrer können in der Umgebung parken. Unschlagbar sind hier die öffentlichen Verkehrsmittel.

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