Little Greek Taverna Foto: Petsch

Typisch griechische Küche und die passende Atmosphäre gibt es in der Little Greek Taverna.

Stuttgart - Wer griechisch essen geht, lässt deutsche Tugenden besser zu Hause. „Avrio“, sagt der Grieche oft und gerne, das heißt übersetzt „morgen“ und meint „irgendwann“. Wer das (zu schätzen) weiß, kann die damit verbundene Gelassenheit genießen – und ist genau richtig im Lokal von Ilias Giastas. Selbstverständlich wird das Essen hier nicht erst morgen serviert. Doch wenn es ordentlich voll ist, was inzwischen die Regel ist, kann es schon mal 30 Minuten und länger dauern, bis die Vorspeisen serviert werden. Auch, dass eine Vorspeise darunter ist, die gar nicht bestellt wurde.

Eben das macht den Charme der Taverna aus: „Wir servieren das echte griechische Essen, nicht das europäisch-griechische“, sagt Inhaber Giastas. Nach griechischen Städten oder Inseln benannte Athen- oder Mykonos-Teller, die oft Berge verschiedener Sorten gegrillten Fleischs beheimaten, sucht man vergebens. Stattdessen wählt der Gast aus über einem Dutzend griechischer Vorspeisen sowie diversen Fleisch- und Fischgerichten. Dabei legt Giastas großen Wert darauf, dass der traditionelle griechische Souvlaki-Spieß aus Schweinehals und nicht wie hierzulande häufig aus dem magereren Schweinerücken geschnitzt wird. 4000 Original-Holzspieße dafür „habe ich eben erst aus Griechenland einfliegen lassen“, sagt der 27-Jährige. Das ist aber auch das Einzige, was nicht frisch auf den Tisch kommt: „Wir haben in der Küche nicht eine einzige Konserve.“

Das schmeckt man genauso wie jede Menge Lebensgefühl während der Wartezeit. Die Einrichtung ist einfach, aber einladend, an einem Sommerabend auf der Terrasse mit dem griechisch-deutschen Stimmengewirr vom Nachbartisch im Ohr fehlt nur noch das Meer, und die Illusion des Ortswechsels wäre perfekt. Das Essen tut sein Übriges: Das Tsaziki hat die richtige Knoblauch-Schärfe, ist dabei aber wunderbar cremig, der Melitsanosalata so fruchtig, als sei die Aubergine eben erst geerntet worden. Sogar der Feta Saganaki schmeckt nicht einfach wie gebackener Schafskäse – er schmilzt regelrecht auf der Zunge. Die verschiedenen Vorspeisen reichen locker, um satt zu werden – mit kleineren Portionen hat der Grieche aber wohl das gleiche Problem wie mit dem Begriff „Avrio“: Statt eines Stücks Schweinebauch (Pansetes) wie gewünscht bringt der Kellner zwei, das Fleisch ist außen schön kross und innen zart. Dagegen schmecken die gegrillten Garnelen (Garides) verglichen mit allem anderen eher fad. Danach serviert der Kellner ungefragt leckeres Baklava-Gebäck – obwohl eigentlich nur noch Platz für einen Ouzo ist.

Den gibt es zwar nicht, das Essen ist aber nicht nur echt lecker, sondern mit drei bis fünf Euro für die Vorspeise und sieben bis zwölf Euro fürs Hauptgericht auch echt günstig. Sicherlich kommen wir „Avrio“ wieder. Und das meinen wir wörtlich.

Küche: typisch griechisch

Atmosphäre: nur das Meer fehlt

Preis-Leistungs-Verhältnis: für die gebotene Qualität günstig

Adresse: Little Greek Taverna, Wilhelmstraße 27, 70372 Stuttgart-Bad Cannstatt, Telefon 07 11 / 5 00 01 77, www.littlegreektaverna.de

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 12 bis 23, samstags 16 bis 24, sonntags 13 bis 23 Uhr. Reservierung sinnvoll. Nicht barrierefrei.

Extras: Terrasse mit circa 65 Plätzen, drinnen noch mal so viele. Dienstags bis freitags Mittagstisch ab 6 Euro zwischen 12 und 16 Uhr.

Anfahrt: mit den Stadtbahnlinien U 1, 2 oder 13 bis Halt Wilhelmsplatz oder mit der S 1, 2 und 3 bis Bad Cannstatt. Von dort sind es etwa fünf Minuten zu Fuß. Autofahrer können entlang der umliegenden Straßen parken.

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