Die Teilnahme an der WM in Hongkong war für Tia Nazir ein gigantisches Erlebnis. Foto: privat

Für Tia Nazir wurde ein Traum wahr, als erstmals die Nominierung für den deutschen Taekwondo-Nationalkader herein flatterte. Zwar ist die junge Ehningerin erst zwölf, doch das hindert sie nicht daran, für ihren Kampfsport um die halbe Welt zu reisen, unter anderem zur WM in Hongkong.

Drei Jahre ist es nun her, seit Tia Nazir gegenüber der KRZ-Lokalsportredaktion den Wunsch äußerte, irgendwann mal zum deutschen Taekwondo-Nationalkader zu gehören. Dass sie diesen Plan bereits mit zwölf Jahren in die Tat umsetzen würde, hätte die Ehningerin nie erwartet. Doch genauso ist es.

 

Ende 2024 durfte sie sogar mit zur Weltmeisterschaft nach Hongkong. Dort holte die ehrgeizige Kampfsportlerin im Paarlauf den fünften Platz ihrer Altersklasse. Eine reife Leistung. Vor allem, weil sie zu den Jüngsten überhaupt gehörte. „Das war schon ein bisschen gruselig“, gibt Tia Nazir zu. „Da waren über 1000 Zuschauer, und alle Augen sind auf dich gerichtet.“ Wie gut, dass sie ihren Partner Jonas Malik an der Seite hatte. „Da liegt der Fokus nicht nur auf einer Person.“

Gegen Finnland und Ecuador konnte sich das Duo durchsetzen. Im Viertelfinale hatte dann das Gastgeberland selbst mit 0,16 Punkten mehr die Nase vorn. Macht nichts, Tia Nazir ist trotzdem stolz auf ihre Leistung – schließlich ist sie damit Europabeste geworden. Ganz abgesehen davon, dass die WM ein gigantisches Ereignis war.

Da ihre Sportart noch keine Olympia-Disziplin ist, stellt die Weltmeisterschaft das größte Ereignis dar, das sie zu bieten hat. Dementsprechend sei auch die Stimmung gewesen. „Ich habe neue Freunde gefunden – aus Großbritannien und Ecuador und Finnland“, erzählt Tia Nazir begeistert. „Und wir konnten mit anderen Teams Pullis und T-Shirts und Ansteckpins tauschen.“ Die ganze Stadt sei im Taekwondo-Fieber gewesen, überall habe man WM-Kämpfer aus anderen Ländern gesehen. Die deutsche Nationalmannschaft teilte sich vor den Wettkämpfen eine Trainingshalle mit Schweden, den USA und Mexiko. So konnte Tia Nazir auch ein bisschen in die Einheiten anderer Nationen hineinspicken. „Vor allem die Mexikaner waren richtig stark“, staunte sie. Kein Wunder, dass sie vor ihrem eigenen Auftritt extrem nervös war. Aber am Ende ging ja alles gut. Begleitet wurde die Zwölfjährige übrigens von ihrer Mama und ihrer jüngeren Schwester Tessa. Auch letztere ist begeisterte Taekwondoin und hat gute Chancen, einmal in die Fußstapfen von Tia zu treten. „Ich bin richtig stolz auf sie“, sagt die Neunjährige. „Irgendwann will ich das alles auch.“

In den Nationalkader dürfen allerdings nur Kinder ab zwölf Jahren. Bis Tessa die Chance dazu hat, dauert es also noch ein Weilchen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch ordentlich abräumen kann. Im letzten Jahr wurde sie deutsche Meisterin im Paarlauf und Team ihrer Altersklasse und nahm bereits an internationalen Turnieren in Belgien und Dänemark teil.

Die Weltmeisterschaft in Hongkong war also nicht das erste Mal, dass die Familie für den Taekwondo-Sport um die halbe Welt reist. Für ein Trainingscamp hat es Tia Nazir sogar schon mal für einen Monat nach Südkorea verschlagen. „Wir verbinden sowas immer mit gemeinsamen Urlauben“, erklärt ihre Mutter Nazlina Nazir. In Hongkong seien sie zum Bespiel insgesamt zehn Tage gewesen, obwohl die WM nur über fünf Tage ging. „Aber man will ja auch etwas von dem Land und der Kultur mitnehmen, wenn man schon so weit reist.“

Die Familie nutzte die Zeit also auch, um sich die Stadt anzuschauen, eine Bootstour zu unternehmen und den Markt zu besuchen. Und um zu essen – kulinarisch hat Hongkong nämlich einiges zu bieten. „Und Tia ist zum Glück sehr pflegeleicht und experimentierfreudig, was Essen angeht“, schmunzelt Nazlina Nazir.

Taekwondo ist längst zum Familienhobby geworden

Taekwondo ist mittlerweile generell zu einem Familienhobby geworden. Anders wäre das aber auch gar nicht möglich, denn mittlerweile geht es für Tia und Tessa jeden Abend zum Training in die Sportschule Park nach Stuttgart. Das mag für Außenstehende vielleicht stressig klingen, ist es für die Mädchen aber ganz und gar nicht. „Alle unsere Freunde sind dort“, erklärt Tia stolz. Taekwondo ist also ganz einfach ihre Welt.

Und die Schule? Die kriegen Tia und Tessa offenbar auch zwischendurch gewuppt. Gelernt wird auf Autofahrten und manchmal auch im Training, wo Tia sogar manchmal Hilfe von den älteren Taekwondo-Schülerinnen bekommt. Und für die Weltmeisterschaft wurde sie sogar von ihrer Schule beurlaubt. Mit so viel Support kann es ja nur so erfolgreich weitergehen. Der nächste Stopp für Tia Nazir: Die Europameisterschaft 2025 im estnischen Tallinn, für die sie erst vor wenigen Wochen nominiert wurde.