Die Tabaksteuer soll 2013 steigen Foto: dpa-Zentralbild

Höhere Tabaksteuer soll nicht an die Verbraucher weitergegeben werden – Marlboro an psychologisch wichtiger Fünf-Euro-Schwelle.

Berlin - Obwohl die Tabaksteuern Anfang 2013 steigen, sollen die Zigarettenpreise stabil bleiben. Nach Informationen unserer Zeitung will Marktführer Philip Morris die Preise für seine wichtigste Marke Marlboro nicht anheben. Dies geht aus der neuen Preisliste hervor, die Mitte Dezember an den Handel gehen soll.

Branchenintern wird davon ausgegangen, dass die Preispolitik von Philip Morris Signalwirkung hat , also auch die anderen Zigarettenhersteller von Preiserhöhungen absehen werden Damit deutet sich an, dass die Branche die nächste Stufe der Tabaksteuererhöhung nicht an den Raucher weitergeben wird. Anfang 2013 steigt die Tabaksteuer um 0,18 Cent je Zigarette auf 9,44 Cent.Damit werden bei einer Packung mit 19 Stück rund 3,4 Cent Steuern mehr fällig.

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung hatte 2010 beschlossen, die Tabaksteuer in fünf Trippelschritten anzuheben. Die Zigarettenindustrie hatte dieses Konzept von mehreren kleinen Steuerschritten selbst entwickelt und der Koalition schmackhaft gemacht. Fiskus und Hersteller setzten darauf, dass die Steuererhöhungen in homöopathischen Dosen besser vom Markt verkraftet werden und Absatz und Steuerertrag nicht sinken lassen.

Philip Morris hat sich gegen Preiserhöhung entschieden

Die Hersteller hoffen, dass sie im Windschatten der höheren Steuern auch höhere Packungspreise durchsetzen können. Diesmal allerdings geht ihr Kalkül nicht auf: Grund dafür ist, dass eine Schachtel Marlboro mit 19 Stück derzeit bundesweit fünf Euro kostet. Damit liegt der Preis der mit Abstand beliebtesten Zigarettenmarke an einer psychologisch wichtigen Schwelle. Hersteller Philip Morris, der in Deutschland einen Marktanteil von rund 35 Prozent hat, stand vor der schwierigen Frage, ob man die Steuererhöhung weitergeben und Rauchern ab 2013 je Schachtel Marlboro etwa 5,10 Euro abverlangen wolle. Offensichtlich hat sich der Konzern dagegen ­entschieden. Philipp Morris fürchtet, beim Überschreiten der Fünf-Euro-Schwelle zu viel an die günstigere Konkurrenz zu ­verlieren.

Reemtsma, die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, hat zwar Preiserhöhungen angekündigt. JPS soll ab Jahresbeginn 4,80 Euro statt 4,60 kosten, West fünf Euro statt 4,80Euro. Doch in Branchenkreisen geht man davon aus, dass dies nur geschehen ist, um sich von den Kartellwächtern anschließend nicht Preisabsprachen vorwerfen zu lassen. Insider sagen voraus, dass Reemtsma die Preiserhöhung wieder zurücknehmen wird, wenn Philip Morris Mitte Dezember bekannt gibt, bei den Preisen alles beim ­Alten zu belassen. Die Raucher dürfen sich also freuen, weil sie vorerst von Preissteigerungen verschont bleiben. In die Röhre gucken dagegen die Händler, die Industrie wird ihnen weniger vom Erlös abgeben.

Der Finanzminister kann die Entwicklung einigermaßen entspannt beobachten. Der Fiskus profitiert zwar umso mehr je höher die Hersteller den Schachtelpreis treiben. Doch schon die erste Stufe der Tabaksteuererhöhungen im Jahr 2011 spülte Zusatzeinnahmen von rund einer Milliarde Euro in seine Kassen. In ersten Schätzungen war lediglich von Mehreinnahmen in Höhe von 200 Millionen Euro ausgegangen worden.

Die Tabaksteuern, die allein dem Bund zustehen, sprudeln. 2010 kassierte der Bund 13,5 Milliarden Euro Tabaksteuer, 2011waren es 14,4 Milliarden Nach der jüngsten Steuerschätzung könnten es dieses Jahr mit 14,3 Milliarden etwas weniger werden. Aber bereits im nächsten Jahr sollen es schon wieder 120 Millionen Euro mehr sein.