Szenen aus der Villa Berg Humorvolle Villa-Geschichten

Von Veronika Kanzler 

Die  Kabarettisten-Gruppe Mustermann und die Motzlöffel setzt die Geschichte der Villa Berg in Szene. Foto: Veronika Kanzler
Die Kabarettisten-Gruppe Mustermann und die Motzlöffel setzt die Geschichte der Villa Berg in Szene. Foto: Veronika Kanzler

Die Kabarettisten-Gruppe Mustermann und die Motzlöffel setzen die Geschichte der Villa Berg (und die vielen Geschichten, die sich dort abgespielt haben) in Szene. Den Stoff dafür lieferte der Historiker Ulrich Gohl. Bei der Erstaufführung wurde auch das überarbeitete Villa-Berg-Buch vorgestellt.

S-Ost - Sie ist der erste Neorenaissancebau in Stuttgart. Die Villa Berg in Stuttgart Ost wurde 1845 bis 1853 für den württembergischen Kronprinzen Karl als Sommerresidenz erbaut – auf eigenen Wunsch, „da während des Sommers die Luft im Kessel so stickig sein kann.“ So beginnt die szenische Lesung am Freitagabend im Muse-O der Kabarettisten-Gruppe Mustermann und die Motzlöffel von dem Historiker Ulrich Gohl, Martin Ehmann und Ulrich Heinz. Zu einem Hörbild wurde die Lesung durch Peter Launer, der am Klavier immer wieder die Aufführung mit Stücken aus der jeweiligen Zeit begleitete.

Mit viel Humor zeigten Heinz und Ehmann, als Privatsekretär und Vertrauter des Kronprinzen, Friedrich Wilhelm Hackländer und wiederum dessen Sekretär, die damalige Not des Kronprinzen, dem es mehr als einmal an Geld für den Weiterbau der Villa fehlte. Der Tipp seines Vaters: „Langsamer bauen und die Summe für das Objekt nur aus Ersparnissen nehmen“. Kronprinz Karl rechnet nach seiner Hochzeit mit Olga damit, dass die wohlhabende Gattin etwas beisteuern würde. So kommt der Bau voran, und das Ehepaar bezieht die prächtige Villa 1853. Bei der Eröffnung gab es eine 16-seitenlange Rede mit Trinksprüchen, und Würdigungen der Bauhandwerke, von denen ein Ausschnitt von den Kabarettisten vorgetragen wurde.

Zar Alexander und Napoleon zu Besuch

Auch auf weltpolitischer Ebene spielt die Villa Berg eine Rolle. Nach dem Krimkrieg, 1857, sind der russische Zar Alexander und der französische Kaiser Napoleon zu Gast bei König Wilhelm. Als Radiobeitrag inszeniert, erfuhr das Publikum, das bei diesem Treffen, sogar ein Besuch auf dem Cannstatter Volksfest stattfindet.

Bald darauf adoptieren König Karl und Königin Olga ihre Tochter Wera. Diese erbt die Villa nach dem Tod ihrer Eltern und gestaltet sie samt Park um. Der Besitz geht 1912 an die Zwillingstöchter Weras, die die Villa Berg 1915 für knapp drei Millionen Mark an die Stadt Stuttgart, teils auf Rentenbasis, verkaufen. Glück für Stuttgart, da 1923 wegen der Inflation die Restschuld entfällt. Die Villa, während des Zweiten Weltkriegs mit Hakenkreuzen beflaggt, wird bei Angriffen schwer getroffen.

Und immer wieder droht der SDR

Dennoch zeigt der Süddeutsche Rundfunk (SDR) starkes Interesse am Objekt. Nach langen Verhandlungen und Drohungen des SDR, seinen Standort nach Karlsruhe zu verlegen – und jeder wisse, was das für Stuttgart bedeutet hätte, fügte Gohl schmunzelnd hinzu – verkauft die Stadt Stuttgart das Objekt an den SDR. Dieser baut die Villa stark vereinfacht wieder auf und richtete den Großen Sendesaal ein, der zum Schauplatz wichtiger Konzerte und Unterhaltungssendungen wird.

Die szenische Lesung war zugleich auch die Vorstellung von Ulrich Gohls neu aufgelegten und erweiterten Buch „Die Villa Berg und ihr Park“. „Nicht alle Texte unserer szenischen Lesung haben es in das Buch geschafft“, erklärte Gohl. Die meisten seien doch zu dramatisiert und unernst.

Vielleicht gerade deshalb reicht die szenische Lesung der Kabarettisten nur bis ins Jahr 1965. Auf diese Weise bleibt die Villa Berg als schöne Erinnerung bestehen. Und es wird gar nicht erst an die Verhandlungen erinnert, die zurzeit um sie geführt werden. Im Buch freilich geht die Geschichte der Villa weiter – auch mit unterschiedlichen Blicken in die Zukunft.

Redaktion Stuttgart-Ost

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Jürgen Brand
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