So soll der Allianz-Park Stuttgart für rund 4500 Mitarbeiter einmal aussehen. Foto: Allianz

Der Versicherungskonzern Allianz gibt an, dass ihm beim jüngst verkündeten Grundstücksverkauf in Stuttgart-Vaihingen kein Planungsgewinn bleibt, den er an die Stadt oder den Stadtbezirk abtreten könnte. Das löst auch Kritik aus.

Vaihingen - Die Allianz braucht nicht alle ihre Gebäude im Synergiepark. Deshalb will sie die Grundstücke für zwei geplante Bauten an die LBBW Immobilien verkaufen, die dort den Innovationspark Künstliche Intelligenz unterbringen will. Diese Nachricht hat jüngst Aufsehen erregt, jetzt legt die Allianz nach. Alle Hoffnungen darauf, sie werde ihren Planungsgewinn vom Verkauf der Stadt oder dem Stadtbezirk Vaihingen zugute kommen lassen, haben sich zerschlagen. Dies geht aus einer Mitteilung des Versicherungskonzerns vom Freitag hervor. In einem „Letter of Intent“ hätten die Allianz und LBBW Immobilien den Rahmen der Kaufverhandlungen definiert.

Der Kaufpreis stehe noch nicht fest, aber ein Verhandlungskorridor. „Deshalb kann die Allianz schon jetzt absehen, dass sie mit dem Verkauf eines Drittels der Fläche keinen Planungsgewinn erzielen wird“, heißt es in der Mitteilung. Im Gespräch mit unserer Zeitung bezieht Rainer Hagenbucher, der Standortleiter Stuttgart der Allianz, Stellung zum entfallenden Planungsgewinn: „Die Planungs- und Entwicklungskosten liegen über dem Verhandlungskorridor für den Kaufpreis, auf den wir uns mit der LBBW Immobilien geeinigt haben.“ Spekulationen darüber, dass der Verkaufspreis an die LBBW Immobilien so günstig sei und deshalb kein Planungsgewinn anfalle, weist Hagenbucher zurück. Der Verkaufspreis sei „marktgerecht“. Dies sei die Allianz ihren Aktionären schuldig.

Alle bisherigen Vereinbarungen mit der Stadt bleiben laut Allianz erhalten

Alle bisherigen finanziellen Vereinbarungen, welche die Allianz mit der Stadt Stuttgart getroffen habe, blieben bestehen. Dazu gehörten die Übernahme der Kosten von etwa fünf Millionen Euro für die Verlagerung und Neuerrichtung der Sportplätze, die im Mai 2020 an die umliegenden Vereine übergeben worden seien, durch die Allianz. Außerdem kaufe der Versicherer die städtischen Nachbargrundstücke und gleiche die Kosten für die Verlagerung der städtischen Ämter aus. Um den Erhalt einer knapp 100-jährigen Eiche auf dem Gelände sicherzustellen, sei ein Schutzzaun errichtet worden. Auch der 40 Meter breite Grünstreifen und die zugesagte neue Drei-Feld-Halle würden auf dem Gelände realisiert. Außerdem trete die Allianz der Stadt kostenlos eine Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern für die Verkehrserschließung ab und beteilige sich an den Kosten für Fahrradwege, Kreuzungsumbau und Ampelanlagen.

Der Versicherer gibt quasi eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie

Das Ziel von Allianz und LBBW Immobilien sei es, im späten Frühjahr die Kaufverhandlungen abzuschließen und in diesem Jahr mit den Bauarbeiten für den Allianz Park Stuttgart zu beginnen. Für den Namen Allianz Park Stuttgart hätten sich die Mitarbeiter in einer Abstimmung entschieden. Die Allianz verweist darauf, dass sich Homeoffice und virtuelle Austauschmöglichkeiten so fest im Konzern etabliert hätten, dass dies auch nach Corona so bleiben werde. Stuttgart sei der zweitgrößte Standort der Allianz. Etwa 4500 Mitarbeiter arbeiteten in den Bürogebäuden in der Stuttgarter Innenstadt. Mit diesen Mitarbeitern plane die Allianz auch am neuen Standort im Stadtbezirk Vaihingen. Auf die Frage, ob dies als Arbeitsplatzgarantie zu verstehen sei, antwortet Hagenbucher: „Wir haben schon immer ein klares Bekenntnis zum Standort Stuttgart ausgesprochen. Es gibt Unternehmen, die derzeit umfangreich Stellen abbauen, das ist nicht unsere Strategie. Wir planen, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an unseren Standorten weiter zu wachsen.“

Vaihinger Bezirksbeiräte machen ihrem Ärger Luft

Als es sich abgezeichnet habe, dass für den Allianz Park Stuttgart das Hochhaus und die beiden direkt angrenzenden Nebengebäude des Architektenentwurfs ausreichten, sei die Allianz auf die Stadt Stuttgart zugegangen, und Anfang Februar sei die Idee entstanden, den von Stadt und LBBW Immobilien geplanten Innovationspark Künstliche Intelligenz (KI) in den Gebäuden auf den beiden verbleibenden Baufenstern auf dem Gelände in Vaihingen zu realisieren.

Stuttgart, teilt die Allianz mit, bleibe für den Versicherer von zentraler Bedeutung, nicht zuletzt deshalb, weil die Landeshauptstadt Sitz der Allianz Lebensversicherung-AG, Deutschlands größtem Lebensversicherer, sei, der 2022 sein 100-jähriges Jubiläum feiere. Bis zum Redaktionsschluss unserer Zeitung war von der Stadtverwaltung keine Stellungnahme zu den Entwicklungen erhältlich. Vaihinger Bezirksbeiräte äußerten sich überwiegend ungehalten. „Mich freut, dass die Allianz eine Beschäftigungsgarantie für die Stuttgarter Mitarbeiter gegeben hat“, sagt Ulrich Bayer (CDU). Zum Wegfall des Planungsgewinns sagt er: „Ich bin fassungslos. Das ist hart.“ Gerhard Wick (Die Fraktion) misstraut der Allianz prinzipiell: „Ich bezweifle, dass kein Planungsgewinn übrig bleibt.“ Für ihn steht fest: „Der einzige Nutznießer ist die LBBW, die das KI-Zentrum finanziert.“ Auch Christa Tast (Grüne) ärgert sich: „Es ist eine Dreistigkeit, zu behaupten, dass es keinen Planungsgewinn geben wird.“ Jetzt müsse die Stadt das Umweltgutachten heranziehen und dafür sorgen, dass der 50 Meter breite Korridor als Kaltluftschneise erhalten werde. „Außerdem hatte man für das Allianz-Projekt vier Häuser mit intakten Wohngemeinschaften zu sozial verträglichen Mieten abgerissen. Das halte ich für verwerflich“, sagt sie.

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