Thomas Schmidt (links) und Patrick Neelmeier sind ein eingespieltes Moderatoren-Team. Foto: Jacqueline Fritsch

SWR1 sendet derzeit seine Hitparade aus 144 Metern Höhe. Die Veranstaltungsebene des Fernsehturms in Stuttgart-Degerloch bietet genügend Platz für Technik und Mitarbeiter. Wir waren zu Besuch im Studio.

Degerloch - Auf einem roten Schild leuchten die Worte „Mikro ein“. Auch auf den Tischen brennt zwischen unzähligen Bildschirmen und Blättern ein kleines rotes Licht. Hinter den Tischen stehen an den Mikrofonen zwei Männer mit Kopfhörern, die den nächsten Titel anmoderieren: Abba mit „Our last Summer“. Die ersten Töne erklingen, die roten Lichter gehen aus, und die Männer setzen ihre Kopfhörer ab – ein ganz normaler Ablauf im Berufsalltag der SWR1-Moderatoren Thomas Schmidt und Patrick Neelmeier. Aber eines ist anders in dieser Woche: Die roten Lichter, die signalisieren, dass die Moderatoren „On Air“ sind, hängen nicht wie gewohnt im SWR-Funkhaus an der Neckarstraße, sondern hoch oben auf 144 Metern im Fernsehturm auf der Waldau. Erstmals sendet der SWR von der Veranstaltungsebene aus seine Hitparade – fünf Tage, 1070 Titel, sechs Moderatoren, rund um die Uhr.

„Gigantischer Ausblick“

Thomas Schmidt und Patrick Neelmeier wussten, was sie als Erstes an ihrem vorübergehenden Arbeitsplatz machen wollten: „Wir haben erst mal die Himmelsrichtungen gecheckt“, sagt Neelmeier. Auch nach dem Funkhaus haben sie bereits Ausschau gehalten: „Das sieht man von hier aus gut“, sagt der Moderator und zeigt aus dem Fenster, „da hinten ist sie, unsere Homebase“. Heimweh hat auf dem Fernsehturm aber keiner. „Es ist schon enger hier, aber das merkt man gar nicht, weil man diesen gigantischen Ausblick hat“, sagt Neelmeier. Er war vorher noch nie auf dieser Ebene des Fernsehturms. „Es ist ja praktisch unser Haus, aber wir sind nie hier“, sagt er und genießt deshalb den Aufenthalt in vollen Zügen. Dass man die Veränderungen des Wetters mitbekommt und die Sonne auf- und untergehen sieht, gefällt dem ganzen Team. „Es ist nicht nur die tollste, sondern auch die höchste Hitparade“, meint der Produktionsleiter Frieder Streiblmüller.

Nur ein Teil des Teams arbeitet vom Turm aus

Pro Schicht arbeiten etwa 15 Personen in dem provisorischen Büro. Drei Moderatorenduos wechseln sich seit Montagmorgen um fünf Uhr alle sechs Stunden ab. Für das ganze Team war aber kein Platz im Turm. Die Nachrichten und die Verkehrsmeldungen kommen wie gewohnt aus dem Funkhaus. Das erfordert eine enge Absprache zwischen den Kollegen. Für die Schnittstelle zwischen Fernsehturm und Funkhaus ist die Redakteurin Petra Zundel zuständig. „Es wäre gut, wenn wir das Social-Media-Team noch hier hätten, aber der Platz ist eben sehr begrenzt“, sagt sie. Trotzdem durften alle SWR1-Mitarbeiter, die wollten, mit auf den Fernsehturm.

Auf die Idee, die Hitparade von so weit oben zu senden, ist der Musikredakteur Jürgen Rathfelder gekommen. „Zum 60-Jahr-Jubiläum des Fernsehturms haben wir eine zweistündige Sendung hier gemacht“, sagt er, „und da dachte ich, dass man auch mehr machen könnte“. Offensichtlich können sie das. Aber: „Das umzusetzen war viel Arbeit“, sagt Streiblmüller. Eine Voraussetzung für das Gelingen war, dass das mobile Studio in den Fahrstuhl des Turms passt. Das ganze Equipment auf 144 Meter Höhe zu bekommen, habe laut Streiblmüller rund drei Stunden gedauert. Bis die Technik und Arbeitsplätze aufgebaut waren, verging indes ein ganzer Tag.

Zahlreiche Besucher schauen sich das Radioteam an

Das SWR1-Studio ist im Funkhaus räumlich von der Redaktion getrennt. Im Fernsehturm stehen lediglich ein paar durchsichtige Plastikscheiben links und rechts, die meist offen stehen. „Von allen Seiten kommen hier ständig Leute angelaufen“, sagt Neelmeier. Die Zusammenarbeit ist in dieser Woche noch enger als sonst. „Es muss viel zugearbeitet werden“, sagt Zundel. So kommt es, dass immer wieder Kollegen mit Informationen vorbeikommen. Auch Besuchergruppen laufen regelmäßig an den Schreibtischen und dem mobilen Studio vorbei.

Bei 1070 Musiktiteln und spontanen Interviews ist es gar nicht so einfach, im Zeitplan zu bleiben. Der Song, den die Hörer auf Platz eins gewählt haben, muss aber pünktlich gespielt werden. Deshalb schaut der Musikredakteur, dass zeitlich alles passt, und entscheidet, wie viele Titel am Stück laufen und wie lange die Moderatoren dazwischen sprechen dürfen.

Moderator weiß, wer auf Platz eins ist

Für den Abschluss der Hitparade verlässt das Radioteam am Freitagabend den Fernsehturm. Der Gewinnertitel wird nämlich wie gewohnt in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle gespielt. Welche Band es in diesem Jahr auf Platz eins geschafft hat, weiß Patrick Neelmeier bereits. Verraten wird er das aber natürlich noch nicht.

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