Mirjam Kindler führt den Swingolf-Platz in Renningen. Auch ihre Kinder Jakob und Grete mögen den Sport. Foto: factum/Granville

Einfache Regeln, größere Bälle und nur ein Schläger: Beim Swingolf können auch Laien den Golf-Platz erobern. Der legere Sport eignet sich besonders für Familien und Gruppen.

Böblingen - Konzentriert blickt Mirjam Kindler auf den kleinen pinkfarbenen Ball, der vor ihr am Boden liegt. Mehrere Sekunden lang rührt sie keinen Muskel, fixiert nur ab und zu das vielleicht einen Meter entfernte Loch, in dem eine Stange mit einer flatternden Fahne steckt. Kein Geräusch ist zu hören, nur ab und zu fährt der Wind in das benachbarte Sonnenblumenfeld. Dann bewegt Kindler den Golfschläger sacht nach vorn. Mit einem leichten Plopp trifft der Schläger den Ball, der über den von der Hitze der vergangenen Tage schon leicht ausgetrockneten Rasen rollt und dann im Loch verschwindet. Mit einem triumphierenden Lächeln richtet sich die 38-Jährige auf. „Geschafft“, sagt sie.

Geschafft hat sie eines von 18 Löchern, die der Swingolf-Platz, den sie seit zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Andreas bei Renningen im Kreis Böblingen betreibt, den Hobby-Golfern zu bieten hat. Swingolf sei kein Sport ausschließlich für die oberen Zehntausend, erklärt Mirjam Kindler, jeder im Alter zwischen acht und 88 könne auf ihrem Platz den Golfschläger schwingen. Auch eine Mitgliedschaft in einem Verein sei nicht nötig. Die einzige Voraussetzung fürs Swingolfen: „Man muss gut zu Fuß sein.“ Denn wer alle 18 Löcher des Platzes absolvieren möchte, der hat einen Fußmarsch von rund zwei Kilometern über hügeliges Terrain vor sich.

Müll in die Landschaft zu werfen ist verboten

Mirjam Kindler hat ihren Golfball mittlerweile wieder eingesammelt und sich auf den Rückweg zu ihrem Hof gemacht. Der Fußweg vom ersten Loch aus beträgt rund fünf Minuten. Um Zeit zu sparen, ist die Hobby-Golferin dieses Mal ausnahmsweise auf ein weißes Golfcart umgestiegen. Das kleine Gefährt saust über den Platz, umgeht geschickt die Löcher und Abschläge auf der Strecke und biegt dann auf den holprigen Feldweg ein, der zum Hof mit dem angeschlossenen Biergarten führt. Mit an Bord ist auch ihr Sohn Jakob, er spielt natürlich auch Swingolf. Ob er oft übt? „Es geht so“, sagt der Zehnjährige.

Swingolf stammt ursprünglich aus Frankreich, der Begriff leitet sich von dem Wort für „Schwingen“ ab. Im Gegensatz zum üblichen Golfspiel gibt es kein kompliziertes Regelwerk, nur einen Schläger, der in allen Spielsituationen eingesetzt werden kann, größere Löcher und ebenfalls größere und weichere Bälle. „Wenn jemand einen solchen Ball an den Kopf bekommt, ist das nicht so gefährlich“, sagt Mirjam Kindler. Außerdem gehe es auf Swingolf-Plätzen leger zu, weshalb sich der Sport auch für Familien und Gruppen eigne. Sogar Junggesellenabschiede seien bereits auf ihrem Swingolf-Platz gefeiert worden, berichtet Kindler. Eigentlich gebe es nur ein Verbot: Müll in die Landschaft zu werfen.

Große Gruppen sollten sich anmelden

Zurück auf dem Hof betritt Mirjam Kindler die Holzhütte, in der die Golfschläger in Reih’ und Glied an den Wänden hängen. „Sie sind nach Größen sortiert“, sagt sie und deutet auf die unterschiedlichen Längen der Schläger. In einem Körbchen auf dem Tresen liegen die neonfarbenen Bälle bereit. In dieser Hütte nimmt sie neue Besucher in Empfang und bringt ihnen auf Wunsch die Grundregeln etwa des Abschlagens und Puttens bei. Es gibt sogar ein Video, das die Techniken erklärt.

Gruppen von unter zehn Personen können spontan vorbeikommen, alle anderen sollten sich anmelden, damit es keinen Stau auf dem Platz gibt. Da es Swingolf in der Region nur in Renningen gibt, nehmen viele Gruppen auch eine weitere Anreise auf sich, sagt Kindler. Dienstag bis Sonntag ist von Mai bis Oktober täglich geöffnet.

Was braucht man dafür? Es wird keine spezielle Ausrüstung benötigt. Wetterfeste Schuhe sind angebracht, bei Hitze eine Kopfbedeckung. Die Leihgebühr für die Ausrüstung – ein Schläger, zwei Bälle und einige Tees – sind im Preis der Tageskarten inbegriffen.

Wie komme ich hin? Der Swingolf-Platz befindet sich am Ortsrand von Renningen, Kriegsbäume 2. Weitere Informationen unter 01 72/7 15 30 70 oder im Internet unter www.swingolf-renningen.de. Der Platz in Renningen ist der einzige dieser Art in der Region.

Und was kostet der Spaß? Erwachsene zahlen 10,50 Euro für eine Tageskarte. Für Kinder bis zwölf Jahre kostet sie 5,50 Euro, ältere Kinder schlagen mit 7,50 Euro zu Buche. Eine Familie mit zwei Kindern bezahlt 25 Euro.

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