Felix Kazmeier steuerte zehn Treffer beim furiosen Finale in Pfullingen bei. Foto: Peter Man/Archiv

Die Handballer des SV Kornwestheim holen nach großem Rückstand ein 28:27 (12:16) beim VfL Pfullingen und werden Sechster in Liga drei.

Die Kornwestheimer Handballer sorgten in der ausverkauften Kurt-App Halle in Pfullingen am Samstagabend für lange Gesichter beim Gastgeber. Wieder einmal bewiesen die Lurchis Moral und zeigten, was mit konsequenter und konstanter Teamarbeit möglich ist. Nach einer missglückten ersten Spielhälfte und sechs Toren Rückstand, kämpften sich die SVK-Formation ins Spiel zurück. Aber nicht nur das: Die Lurchis nahmen zur Überraschung der Echazstädter die Partie in die Hand. Mit unbändigem Willen erkämpfte sich die Schurr-Sieben mit 28:27 den letzten Auswärtssieg und krönte sich zum Saisonende selbst.

„So kann man mit einem guten Gefühl die Schuhe an den Nagel hängen“, sagte Kreisläufer Nico Hiller nach seinem letzten Spiel mit einem Lächeln im Gesicht. Eindeutig schwang dabei nicht nur Freude, sondern große Erleichterung und Begeisterung mit. „Bei dem Lauf, den Pfullingen hat, habe ich nicht fest mit diesem Sieg gerechnet“, gestand Trainer Alexander Schurr nach dem Ertönen der Schlusssirene. Der Coach ergänzte: „Vor allem nicht nach dem Spielbeginn.“ Denn gute 60 Minuten zuvor, sah es keineswegs nach einem erfolgreichen Saisonfinale für den SVK aus.

Siegeswille trotz Rückstand erkennbar

Der Abend startete für die Kornwestheimer wenig erfreulich. Von Beginn an bissen sich der SVK am kräftigen Innenblock und der starken 6:0-Abwehr des VfL Pfullingen die Zähne aus. Nach zehn Minuten verdeutlichte die 6:2-Führung der Hausherren die Situation auf der Anzeigetafel. Zwar konnten sich die Lurchis bis zur 15. Spielminute dank schnellen Kontern auf ein 7:5 heranpirschen, doch durch die technischen Fehler und Fehlwürfe zog Pfullingen wieder davon, die dabei aber keine überragende Form zeigten. Der VfL kämpfte ebenfalls mit Fehlern. Dennoch war das Manko auf Seiten der Blauen größer. Zur 25. Minute lagen die Kornwestheimer gar sechs Tore - mit 15:9 Treffern – hinten. Aber etwas war erkennbar: Auf diese Weise wollte sich die Schurr-Sieben nicht aus der Saison in der 3. Liga verabschieden. Der Siegeswille war klar erkennbar.

Nico Hiller gelang es schließlich auf 15:10 zu verkürzen. Daraufhin lieferte der kurz zuvor eingewechselte Niko Henke eine Parade und Felix Kazmeier verkürzte auf ein 15:11 und dann auf einen 15:12–Rückstand. Der Treffer von Marco Lantella zum 16:13 erfolgte ein Sekündchen zu spät. Die Sirene zur Halbzeit war bereits ertönt. Man verabschiedete sich also mit vier Toren Unterschied, einem 16:12 in die Pause.

In die zweiten 30 Minuten starteten die Kornwestheimer deutlich besser. „Wir waren uns in der Pause einig, dass es nur an uns liegt, das Spiel zu drehen“, sagte Tobias Pichler nach seinem letzten Spiel für den SVK. So war es auch: In der 38. Spielminute machte Tim Zeppmeisel den 17:17-Ausgleich. Kurz darauf hämmerten die Lurchis die 18:17 und 19:17-Führung in den Pfullinger Kasten. Der Gastgeber reagierte und stellte auf ein 7:6 – Angriff um. Doch das Mindset bei den Blauen passte und Henke gab guten Rückhalt zwischen den Pfosten. Die Lurchis, im klaren Aufwind, behielten – wie so oft in dieser Saison – die Nerven. Pfullingen kam mit dem unerwarteten Rückstand hingegen nicht klar. Mit dem 24:21 (53. Minute) durch Lantella setzten sich die Kornwestheimer erstmals auf drei Treffer ab. Finn Joneleit vergrößerte mit einem Doppelschlag auf 26:21. Doch Nils Röller und Felix Zeiler vom VfL hielten dagegen. Die Treffer schlugen nun im 30 Sekunden Takt ein.

Emotionaler Schlusspunkt einer tollen Saison

Schließlich hatten es die Hausherren eilig. Dennoch behielten die Lurchis in den spektakulären Schlussminuten die Oberhand. Die Kornwestheimer siegten mit 28:27 und vermiesten dem VfL Pfullingen damit nicht nur den letzten Heimsieg dieser Saison, sondern den bis dahin möglichen Vize-Titel. „Tabellarisch ändert dieser Sieg nichts. Das Team hat trotzdem großen Kampfgeist gezeigt und alles gegeben“, sagte Alexander Schurr überglücklich und unterstrich die grandiose Moral der Mannschaft. Damit beenden die Lurchis auf Platz sechs der 3. Liga eine gelungene Saison und vor allem eine herausragende Rückrunde mit zehn Siegen in 15 Begegnungen. „Was für ein emotionaler Schlusspunkt einer tollen Saison“, sagte Jan Reusch, der vier Tage zuvor Papa geworden war. Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für die grandiose Unterstützung und geht nun in die verdiente Spielpause, um Kraft für die nächste Saison zu tanken.

SV Kornwestheim: David, Henke, Kanters – Bartsch, Reusch (2), Zeppmeisel (2), Kugel (2), Kazmeier (10/4), Tinti, Lanig, Lantella (4), Pichler (1), Döll, Hiller (1), Flügel (1), Joneleit (3).