Steht für Physis: Jade Oral. Foto: Peter Mann

Jade Oral und die A-Juniorinnen des SV Kornwestheim können mit einem Sieg beim HC Leipzig das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft erreichen.

Gegen mangelnde körperliche Größe hilft im Handball nur eines – Tempo. Die A-Juniorinnen des SV Kornwestheim haben dieses Credo verinnerlicht: Mit seinem schnellen Spiel hat sich der Aufsteiger in der Bundesliga einen Platz in der Meisterrunde gesichert und führt die vierköpfige Gruppe vor dem letzten Spieltag an diesem Sonntag (13 Uhr) in der Sporthalle Brüderstraße beim HC Leipzig an.

Gewinnen die Lurchis, stünden sie im Viertelfinale und würden dann gegen einen Gruppenzweiten antreten. Selbst mit einer Niederlage hätte man gute Chancen, Zweiter zu werden, und müsste dann eben gegen einen Gruppenersten ran. Die zweite Variante will sich Jade Oral erst gar nicht in ihren Kopf lassen. „Wir fahren dahin, um zu gewinnen“, sagt sie. Druck verspüre sie überhaupt keinen, nur eine Große Vorfreude und Stolz, dass man es schon so weit geschafft hat. Schon jetzt haben sie und ihre Mitstreiterinnen nämlich Historisches für den Club erreicht: Noch nie ist eine weibliche Nachwuchsmannschaft aus Kornwestheim in diese Dimensionen vorgestoßen.

Und auch wenn Jade Oral am Ball ist, kommt Tempo ins Spiel, denn die 18-Jährige ist nur knapp über 1,60 Meter groß. Nicht gerade ein Gardemaß für eine Rückraumspielerin. Doch mit ihrem dynamischen Spiel schafft sie es immer wieder, die Gegnerinnen im linken Rückraum mürbe zu machen, stößt mit ihrer Wendigkeit in jede Lücke, die sich bietet und ist oft nur durch Fouls zu stoppen. „Ich spiele sehr körperbetont und gleiche damit den Größennachteil aus“, sagt sie.

Wenn Tochter und Vater in andere Rollen schlüpfen

Der Begriff Eigengewächs wurde quasi für sie erfunden. Seit der D-Jugend spielt sich beim SV Kornwestheim – begann bei ihrer heutigen Trainerin Daniela Bahmann mit dem Handballsport, spielte aber eine Saison lang sogar parallel noch Fußball. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich im Handball weiter kommen kann“, sagt sie und ist noch immer begeistert von dem mitreißenden und athletischen Sport.

Und irgendwie liegt es wohl auch in den Genen, denn ihr Bruder Yannick spielt ebenfalls, und ihr Vater Rafet ist sogar ihr Trainer beim SVK. Tochter und Vater haben über die Jahre gelernt, mit dieser besonderen Konstellation umzugehen und an Spieltagen und im Training ihre Beziehung auf die Rollen als Spielerin und Trainer zu reduzieren. „Klar ist er manchmal etwas strenger mit mir“, erzählt sie. Bevorzugt wurde sie aber nie. Und dass sie Talent hat, sah man auch außerhalb des Kornwestheimer Kosmos: Sie hat es in die Auswahl des Handballverbandes Württemberg (HVW) geschafft und stand auch auf der Warteliste für den Auswahlkader des Deutschen Handballbundes. Mit einem Einsatz hat es nicht geklappt.

Ein eingespieltes Team auf der Platte

Das Thema ist jetzt durch, denn es ist ihre letzte Saison bei den Juniorinnen. Oral zählt neben den Nationalspielerinnen Lara Däuble, Aylin Bornhardt und der verletzten Seema Awad zu den tragenden Säulen des Teams. Überhaupt ist das Ensemble über die Jahre sehr eingespielt, versteht sich auf der Platte blind und wurde über die Jahre nur punktuell ergänzt. Das dürfte gegen Leipzig ein Vorteil sein.

Parallel spielt Jade Oral wie die meisten ihrer Kolleginnen noch in einer Frauenmannschaft – in ihrem Falls bei Drittligisten SG Schozach Bottwartal und profitiert von der Doppelbelastung. „Wir haben uns alle in dem Jahr weiterentwickelt“, sagt Oral. Bei den Frauen würde nicht so schnell Foul gepfiffen, man müsse mehr wegstecken können und „wenn man den Ball hat, muss man viel schneller eine Entscheidung treffen, was man damit macht“. Lob gibt es auch vom dortigen Trainer Hannes Diller. „Sie hat eine starke Entwicklung hinter sich, musste aber damit umgehen lernen, dass sie zu Beginn weniger Einsatzzeiten hatte“, sagt der Coach. Ihr Engagement wird Jade Oral dort in der kommenden Saison fortsetzen. Zudem hat sie das Abitur in der Tasche und wird ab April in Tübingen Jura studieren. „Das wird ein weiterer harter Brocken“, sagt sie und lacht. Jetzt gilt aber der Fokus dem Spiel in Leipzig. Den nächsten Reifegrad haben Oral & Co schon erreicht. Sie haben es in der Hand, wie weit der Weg noch gehen kann.