Blamage in Sandhausen: VfB-Trainer Rolf Fringer und das VfB-Team im August 1995 Foto: Baumann

Zu den legendärsten Schlachten in der Geschichte des DFB-Pokals gehört die Niederlage des VfB Stuttgart beim SV Sandhausen am 27. August 1995. Trainer des VfB war damals Rolf Fringer. Vor dem Zweitligaduell beider Clubs haben wir den Schweizer angerufen – und Erstaunliches erfahren.

Stuttgart - Der Schweizer Rolf Fringer (62) war von Juli 1995 bis August 1996 Trainer des VfB Stuttgart. Auf denkwürdige Weise scheiterte der heutige Fernsehexperte mit seinem neuen Team kurz nach Dienstantritt in der ersten Runde des DFB-Pokals am damaligen Regionalligisten SV Sandhausen.

Herr Fringer, am Sonntag spielt der VfB Stuttgart beim SV Sandhausen um Zweitligapunkte. Können Sie sich vorstellen, warum wir bei Ihnen anrufen?

Nein. Keine Ahnung.

Wirklich nicht? Als Sie 1995 VfB-Trainer waren, haben Sie auch einmal ein Sandhausen gespielt . . .

Sandhausen? Ach ja, richtig! Das verrückte Pokalspiel! Ein Elfmeterdrama, wie ich es in meiner Karriere nie zuvor und nie danach erlebt habe. Kann es sein, dass wir 12:13 verloren haben?

Genau. Und wissen Sie auch noch, wer nach 25 verwandelten Schüssen als Einziger gescheitert ist?

Hendrik Herzog?

Ebenfalls richtig. Ein Schuss an den linken Pfosten.

Ich muss das verdrängt haben. Jetzt dämmert mir alles aber wieder. Ein unglaublicher Krimi bei strömendem Regen. Wenn ich mich nicht täusche, haben wir damals früh eine Rote Karte bekommen . . .

 . . .  für Frank Verlaat wegen groben Foulspiels nach acht Minuten . . .

. . . und dann wurde es ein Pokalfight, bei dem der Underdog über sich hinausgewachsen ist. Heute erlebt man so etwas ja öfter mal. Damals jedoch war das eine Rarität – und für uns eine riesige Blamage.

Zumal Sie erst ein paar Wochen vorher als neuer Trainer aus der Schweiz zum VfB gekommen waren.

Sie können sich sicher vorstellen, dass mir dieses Pokal-Aus äußerst unangenehm war. In der Liga lief es dann aber zum Glück viel besser. Es war das erste Jahr des magischen Dreiecks mit Balakov, Bobic und Elber. Man spricht ja noch heute von dem spektakulären Fußball, den wir damals geboten haben. Nach der Vorrunde waren wir Dritter!

Am Saisonende aber leider nur Zehnter.

Schon gut, ich weiß. In der Rückrunde gab es eben einige Probleme – auch zwischen mir und dem Präsidenten.

Welche denn?

Gerhard Mayer-Vorfelder war immer ganz nah bei den Spieler und hat darauf gehört, was sie ihm eingeflüstert haben. Am Saisonende wollte er mich eigentlich rauswerfen und durch Christoph Daum ersetzen. Aber der Aufsichtsrat des VfB hat zu mir gehalten und war gegen diesen Plan. Also durfte ich bleiben. Vorerst.

Kurz nach Beginn der neuen Saison sind Sie freiwillig gegangen.

Ich bekam das Angebot, Schweizer Nationaltrainer zu werden. Da dachte ich mir: Bevor MV mich bei der nächsten Gelegenheit entlässt, gehe ich lieber selbst. Meinen Nachfolger hatte ich ja schon aus der Schweiz mitgebracht.

Joachim Löw, bis dahin Ihr Co-Trainer.

Er war zuvor zwei Jahre lang mein Kapitän beim FC Winterthur und wurde dann Spielertrainer beim FC Frauenfeld. Ich hatte ihn gefragt, ob er mit mir nach Stuttgart gehen will, und er hat ja gesagt.

Hätten Sie sich vorstellen können, was aus Löw später werden würde?

Dass Jogi Weltmeistertrainer wird? Sie scherzen wohl. Aber er war schon immer sehr wissbegierig und unheimlich interessiert an fußballerischen Zusammenhängen. Ich denke, er hat von seiner Zeit in der Schweiz sehr profitiert. Sie müssen bedenken: Wir sind ein kleines Land, das sich in taktischen Dingen überall die besten Dinge abschaut, um mithalten zu können. Für Jogi war diese intensive Auseinandersetzung mit dem Fußball eine Offenbarung.

Haben Sie noch Kontakt?

Hin und wieder. Erst vor ein paar Monaten haben wir uns bei mir in Luzern getroffen. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir aber nicht über den VfB gesprochen.

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