Der künftige Trainer der Handballer des SV Leonberg/Eltingen, Ladislav Goga, freut sich auf die Aufgabe – doch er will den zurzeit interimsweise besetzten Job nicht sofort antreten.
Ein Handschlag genügt. Alles andere ist Firlefanz. Wer mit dem Sportsmann Ladislav Goga einen Vertrag abschließt, braucht weder Kugelschreiber noch Papier und erst recht keinen Rechtsberater. „Ich stehe zu meinem Wort“, betont der 47-Jährige.
Bislang hat der Mann noch nichts beim SV Leonberg/Eltingen unterzeichnet, aber es herrscht die beiderseitige Überzeugung, dass Ladislav Goga in der kommenden Saison die Oberliga-Handballer des Clubs als Cheftrainer übernehmen wird. „Ich freue mich auf diese Aufgabe“, sagt der Mann der in Neuhausen/Filder wohnt, „es wird eine neue Herausforderung für mich.“
Ladislav Goga spielte 2016 für die SG Leonberg-Eltingen
Nun haben die Handball-Fachmänner aus Leonberg den neuen Coach nicht per Inserat gesucht oder auf einschlägigen Seiten im Internet, der Name Ladislav Goga war bestens bekannt beim SV. Denn der Slowake, der sechs Länderspiele für sein Heimatland bestritten hat, trug vor neun Jahren das Trikot der SG Leonberg-Eltingen. Und auch der künftige Trainer, der von allen nur kurz Laci genannt wird, kann sich noch an jene Zeit erinnern. „Damals war Werner Neuffer schon sportlicher Leiter im Club“, erzählt Goga, „ich habe gehört, er ist kürzlich von seinem Posten zurückgetreten. Schade.“
Nun ist Laci Goga zwar schon 47, also mit einer Fülle an Jahren gesegnet, mit der man den kraftraubenden Sport auf dem 40x20 Meter großen Spielfeld eigentlich nicht mehr aktiv betreibt – doch bis vor zwei Jahren stürzte er sich regelmäßig ins Getümmel, und zwar bei der HSG Ostfildern 3, wo die Mannschaft 2023 dann die Meisterschaft in der Kreisliga B feierte. „Ich hatte das Glück“, sagt er, „dass mein Körper das noch immer mitgemacht hat.“ Und am 11. Oktober in diesem Jahr war der Ex-Internationale noch einmal als Aushilfe bei der HSG 2 im Bezirksoberliga-Spiel bei der TSG Reutlingen gefordert, weil kranke und verletzte Spieler den Kader ziemlich dezimiert hatten.
Laci Goga liebt den Handball, ganz gleich, in welcher Liga er aufs Parkett läuft – sein gesamtes Leben hat er diesem Sport gewidmet. Als junger Mann hatte er in der Slowakei auf Lehramt studiert und Handball gespielt, und als Goga sein Studium abgeschlossen hatte, erfüllte er sich seinen Traum: Er wanderte mit 25 Jahren samt Frau und dreijähriger Tochter Barbora nach Deutschland aus, weil „dort der beste Handball auf der ganzen Welt gespielt wird – da wollte ich auch sein“. Beim damaligen Zweitligisten ASV Hamm/Westfalen fand der Slowake eine sportliche Bleibe, eine neue Heimat fand er erst vier Jahre später auf den Fildern bei Stuttgart.
Laci Goga spielte für die Stuttgarter Kickers und der damalige Handball-Chef des Clubs vermittelte ihm eine Wohnung in Neuhausen. „Es war Zufall, dass wir dort gelandet sind“, erzählt der Handball-Enthusiast, „seitdem leben wir hier.“ Der Rückraumspieler lernte in der Region viele Umkleidekabinen kennen, er setzte sein reichhaltiges Können für den VfL Waiblingen, für die SG Leonberg-Eltingen, für den TV Plochingen und den HC Wernau ein. Schließlich landete der Slowake bei der HSG Ostfildern, wo er sich den nächsten sportlichen Traum erfüllte.
Er wurde Trainer, er übernahm die Männer der HSG 2 und die A-Junioren der Jano Filder (Jugendhandball-Akademie Neuhausen/Ostfildern), wo sein Sohn Sebastian derzeit spielt. „Mir hat es immer Spaß gemacht, mit jungen Menschen zu arbeiten“, unterstreicht der Routinier, „deshalb wollte ich einst den Beruf des Lehrers ergreifen.“ Exakt dieser Umstand führt ihn schließlich ein zweites mal unter den Engelberg, diesmal nicht als Spieler, sondern als Trainer. „Die Mannschaft des SV hat ein Durchschnittsalter von unter 25 Jahren“, betont Laci Goga, „das macht die neue Aufgabe, abgesehen vom Niveau der Oberliga, reizvoll für mich.“
Ladislav Goga entscheidet sich schnell für den SV Leonberg/Eltingen
Nach dem telefonischen Erstkontakt mit dem Leonberger Abteilungs-Vize Stefan Schuster vor rund zwei Wochen und den folgenden Gesprächen benötigte Goga noch ein paar Tage Bedenkzeit, um sich ausgiebig zu informieren – dann wurde aus ihm ein Rückkehrer in spe nach Leonberg. „Ich wusste, dass das Umfeld des Vereins stimmt und dass man hier in Ruhe arbeiten kann“, erzählt der künftige SV-Chefcoach, der allerdings klarstellt, dass er sein Amt nicht vor Sommer 2026 antreten wird. „Ich stehe bei meinem alten Verein im Wort“, stellt Laci Goga klar, „und dazu stehe ich. Deshalb ist ein vorzeitiger Wechsel für mich ausgeschlossen.“
Das hören die Führungskräfte des SV-Handballs mit gemischten Gefühlen – lieber wäre es ihnen gewesen, der endlich gefundene Coach würde gleich im Januar seine Kreise im Sportzentrum ziehen, um den stark belasteten Interimscoach Rafet Oral von seiner Aufgabe zu entbinden. Oral trainiert eigentlich die A-Junioren des SV Kornwestheim und war lediglich als zeitlich begrenzter Retter in der Not beim Oberligisten eingesprungen nach dem abrupten Abgang von Zoran Stavreski im Oktober. Rafet Oral muss sich darauf einstellen, länger als erhofft den Interimsjob auszufüllen. Andererseits werden es die Granden des SV Leonberg/Eltingen wohlwollend registrieren, dass Laci Goga ein Mann ist, auf dessen Wort man sich absolut verlassen kann.