Mikiko Thiel zeigt Geheimnisse aus der asiatischen Küche. In ihren Kochkursen erklärt die Japanerin aus Kirchheim unter Teck, was es bei der Zubereitung von Sushi zu beachten gibt.
Ein Festmahl: Kleine Streifen Paprika und Lachsstückchen mit Ei, eingerollt in einen dicken Mantel Klebereis mit Algenschale. Am Tellerrand ein Klecks Wasabi, ein wenig Ingwer schwimmt auf der Sojasoße und die Stäbchen sind bereit zum Angriff. Längst hat es das asiatische Traditionsgericht Sushi auch auf europäische Speisekarten geschafft. Während die Sushi-Restaurantszene boomt, wagen sich die wenigsten, die begehrten Reisröllchen zu Hause selbst zuzubereiten. Dem will Mikiko Thiele Abhilfe leisten.
Seit fast zwei Jahren bietet die Japanerin aus Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) Kochkurse für die asiatische Küche an. In entspannter Wohnzimmeratmosphäre gibt sie ihr Wissen rund um Sushi-Rollen, Ramen oder Mochi gerne weiter. Willkommen sind alle, die sich fürs Kochen begeistern.
Japanische Köchin in Kirchheim: „Kochkurse zu geben war schon sehr lange mein Traum“
Neben dem Studium hatte Mikiko Thiele, in einem Sushi-Restaurant in Japan gearbeitet. Später zog sie mit ihrem Mann nach Deutschland. „Kochkurse zu geben war schon sehr lange mein Traum, aber ich war nie mutig genug“, sagt sie. Den Anstoß, die Bedenken beiseite zu schieben und ihre Träume zu verwirklichen, gab schließlich ein schwerer Unfall in ihrem Freundeskreis.
Mittlerweile hat Mikiko Thiele schon rund 700 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer in die Kunst der Sushi-Herstellung eingewiesen. Der Sushi-Basic-Kurs ist laut ihr mit Abstand der beliebteste. In ihrem Workshop lernen die Kunden neben Reiskochen und -würzen die Zubereitung von Nigiri-, Futo- und Hoso-Maki, sowie Inside-Out-Sushi.
Sushi-Kurs in Kirchheim: Alles beginnt mit dem Reis
„Der Reis ist mit Abstand das wichtigste“, erklärt die Köchin und hält ein Sieb unter den Wasserstrahl. Mit schnellen Handbewegungen wäscht sie die kleinen, weißen Körnchen, die gut auch in einen Salzstreuer gepasst hätten. Sushi-Reis ist rund, nicht länglich, und er klebt. Mikiko Thiele verwendet eine ganz spezielle Sorte. „Mein Reis kommt von einer Firma in Düsseldorf, nicht aus dem Supermarkt.“ Waschen müsse man die Körner immer, betont die Köchin. Sonst klebe der Reis zu stark. Das liege an der Schicht aus Stärke, mit der er bei der Herstellung überzogen werde. Die abgetropften Reiskörnchen kocht Mikiko Thiele in einem normalen Stahltopf. „Das geht genauso gut wie mit einem Reiskocher“, sagt sie. „Nur der Deckel muss unbedingt zubleiben. Das ist wichtig!“
Während die erste Sushi-Zutat langsam vor sich hin kocht, legt Mikiko Thiele den Lachs auf die Anrichte. Ruhig lässt sie ihr Messer durch den rohen Fisch gleiten. Der Lachs kommt aus der Gefriertruhe. Roher Fisch könne gesundheitlich bedenkliche Parasiten enthalten. Das Einfrieren sei deshalb zwingend notwendig, um alle Bakterien abzutöten. Mikiko Thiele legt die fertigen Stückchen beiseite. „Nicht jeder mag Fisch. Zu mir kommen auch viele Vegetarier oder Veganer. Für die Fischfüllung gibt es zahlreiche Alternativen.“
Mikiko Thiele kühlt den Sushi-Reis mit dem Fächer
Der Timer summt. Mikiko Thiele füllt den fertigen Reis in eine runde Holzschüssel. „Das ist ein Hangiri“, sagt sie, während sie die weiße Masse mit einem Löffel auflockert. Zum Reissäuern verwendet die Köchin Sushi-Essig. Mit einem runden Fächer wedelt sie den Reiskörnern Luft zu. „Vielen ist dieser Schritt zu aufwendig“, erzählt Thiele. „Sie lassen den Reis einfach stehen oder stellen ihn in den Kühlschrank, damit er abkühlt. Aber das ist schlecht für seine Konsistenz.“ Wer es lieber schnell mag, der kann alternativ einen Ventilator oder Föhn verwenden.
Den gekühlten Klebereis verteilt Mikiko Thiele auf einem Algenblatt. Das Ei, den Lachs und andere bunte Gemüsestreifen türmt die Köchin auf einen länglichen Haufen. Fertig gerollt, schneidet sie die Sushi-Schlange in Scheiben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Kochkursfirma Mikimaki in Kirchheim: Kochen wie in Japan
Ihre Leidenschaft für das Kochen wurde Mikiko Thiele schon in die Wiege gelegt. „Mein Vater liebte gutes Essen. Als ich ein Kind war, haben wir viele Ausflüge in gute Restaurants gemacht.“ Auch ihre Kultur hat sie kulinarisch geprägt: „Ob im Fernsehen, in Zeitungen oder Büchern: In Japan dreht sich sehr viel ums Essen.“ Kochen sei keine reine Frauenaktivität, erzählt sie. Oft habe sie auch ihren Vater in der Küche gesehen. „Für mich ist Essen Familiensache!“
Mit Mikimaki, ihrem eigenen Kochkursunternehmen, ist für Mikiko Thiele ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. „Ich habe so viele nette Leute kennengelernt!“, sagt sie rückblickend. Als nächstes Projekt könne sie sich vorstellen, ein eigenes Kochbuch zu schreiben.
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