Die neue Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart warnt vor akuten Liquiditätsproblemen. Bund und Land müssten schnell reagieren, denn viele Firmen seien am Limit.
Die neue Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart dringt auf schnelle Hilfen für die Firmen im Land. „Liquiditätshilfen sind tatsächlich erforderlich“, sagte Susanne Herre unserer Zeitung: „Denn nach Corona sind jetzt viele Unternehmen einfach am Limit und haben akute Liquiditätsprobleme.“ Wichtig bei den Maßnahmen, die von Land und Bund aufgelegt werden sollen, sei, dass es nun schnell gehe, dass die Programme einfach seien und – als Lehre aus den Programmen in der Coronakrise – dass sie auch rechtssicher seien. „Es darf auf keinen Fall wieder zu Rückzahlungen kommen“, betonte Herre. Viele Firmen hätten noch mit den Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen und schlitterten jetzt in die nächste Krise.
Wie dramatisch die Lage ist, zeigte die vergangene Woche veröffentlichte Konjunkturumfrage unter den Industrie- und Handelskammern im Land. Sie sei „fast schon historisch negativ“ ausgefallen, sagte Herre weiter. Fast jedes zweite der befragten Unternehmen geht von einer schlechteren Geschäftsentwicklung aus. 79 Prozent der Firmen sehen die hohen Energiepreise als Risiko. Nur jedes zweite Unternehmen könne diese noch an Kunden weitergeben.
Für manche Firmen wird es gefährlich
Die neue IHK-Hauptgeschäftsführerin betonte: „Wir halten die Hilfen für wirklich notwendig, damit die Betriebe überleben können.“ Es gebe zwar keine Signale für eine Insolvenzwelle, sagte Herre, dennoch: „Einige Unternehmen werden es nicht schaffen.“
Die grün-schwarze Koalition hatte jüngst im Rahmen der Haushaltsberatungen eigene Landeshilfen für Firmen in Aussicht gestellt, wo der Bund nicht eingreift. Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Manuel Hagel, betonte vergangene Woche, man wolle die Antragsverfahren so schlank wie möglich gestalten und die Kammern in alle Prozesse mit einbinden. Der neue Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), Christian Erbe, schlug vor, ähnlich wie bei den Corona-Hilfen zu Pandemiebeginn könnten Anträge über die IHKs vorgeprüft werden.
Skepsis bei Standortzusage
Noch ist die genaue Ausgestaltung der Programme allerdings unklar. Bei der geplanten Standortzusage der Gaspreisbremse äußerte sich die neue Stuttgarter Hauptgeschäftsführerin skeptisch: Es sei nachvollziehbar, dass diese Subvention an den Erhalt des Standorts geknüpft werde, sagte sie, allerdings: „Ich habe Bedenken, dass der gut gemeinte und nachvollziehbare Ansatz sich möglicherweise ins Gegenteil umkehrt.“
Herre bildet seit Anfang November zusammen mit der Präsidentin Marjoke Breuning die weibliche Doppelspitze bei der IHK Region Stuttgart – dem stärksten Wirtschaftsstandort Baden-Württembergs. Hier werden gut 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes erwirtschaftet.