Künstler, Galerien und Sponsoren sieht Susanne Gaensheimer gleichermaßen als Partner ihres Museums an, investiert viel Zeit in den Aufbau langfristiger Beziehungen. „Im engen Dialog versuchen wir, Lösungen zu finden“, sagt sie. „Wir können die Konditionen des normalen Marktes nicht ­erfüllen; wir bewegen uns außerhalb dieser Dynamik.“

Dieser Weg ist für Susanne Gaensheimer „schlicht notwendig“. „Ich glaube nicht“, sagt sie mit Blick auf die öffentlichen Etats, „dass es für die Museen irgendwann wieder mehr Geld geben wird – denn wo sollte es herkommen?“ Ein grundsätzliches Um­denken in der Kulturpolitik hielte sie für notwendig, sieht es aber nirgendwo. „Man müsste die Rahmenbedingungen der Kulturförderung ändern, auf staatlicher Ebene. Zum Beispiel bei der Besteuerung von Schenkungen. Das wäre sehr wichtig.“

Soziale Netzwerke erschließen neue Besuchergruppen

Noch bis zum 2. Oktober war auch in der Region Stuttgart Susanne Gaensheimers Blick auf die Kunst zu erleben. „Food-Ökologien des Alltags“ heißt ihr Konzept für die 13. Triennale Kleinplastik in Fellbach. Und wie geht es für Susanne Gaensheimer, 2011 und 2013 Kommissarin für den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig, weiter? „Die Akquise der großen Summen für das Museum ist beendet“, sagt sie. „Ich genieße es im Augenblick sehr, mich wieder stärker auf die inhaltliche Dimension meiner Arbeit zu konzentrieren.“ Die Rolle des Museums habe sich grundlegend verändert. „Die einstmals elitäre Gegenwartskunst wurde populär“, sagt sie, „die Gesellschaft wandelte sich, digitale Medien spielen eine immer größere Rolle“. Eine Folgerung? „Museen müssen sich heute als sehr offene Räume zeigen“. Dazu gehöre es auch, über soziale Netzwerke ganz neue Besuchergruppen zu erschließen.

Susanne Gaensheimer denkt über das Museum als Ort in der Öffentlichkeit ebenso nach wie über den Ort des Museums in der Öffentlichkeit, über die Sprache eines Museums – und darüber, wie Globalisierung im Museum abgebildet werden kann. „All dies“, sagt sie, „wird sich in künftigen Ausstellungen niederschlagen“.

Laure Prouvost, die das MMK derzeit in der ersten umfassenden deutschen Einzelausstellung zeigt - „Prouvost stellt nicht nur Objekte aus, sie ­verwandelt einen ganzen Raum.“

Die Geschichte des entgrenzten Kunst­begriffs beginnt indes nicht in unseren ­Tagen. Sie reicht zurück bis zu den ­Avant­garden des 20. Jahrhunderts, „jenem ­Moment“, so Gaensheimer, „an dem performative Elemente zuerst Aufnahme in die Kunst fanden. Traditionelle Formen wie die Malerei oder Fotografie hält Gaensheimer deshalb längst nicht für überholt: „Auch diese können den Betrachter auf vielen Ebenen ansprechen“, sagt sie.

Kunst kann etwas klar machen

Man spürt fast, wie sie in ihren Antworten Anlauf nimmt, einen Gedanken entwickelt. „Heute“, sagt Gaensheimer dann weiter, „können wir das volle Potenzial der Kunst ausstellen. Und wenn die Kunst sich auf die Zeit bezieht, in der wir leben, kann sie uns etwas klar machen, sie kann etwas zuspitzen, mit einem Blick nach vorne, einer gewissen Radikalität. Sie kann ein Spiegel unseres Lebens werden, unserer Gegenwart, weltweit, und uns eine Möglichkeit bieten, nachzudenken, ins Gespräch zu kommen, neue Gedanken zu formulieren.“ Wenn Kunst dies nicht im Sinne eines kommerziellen oder politischen Interesses tut, dann, sagt Susanne Gaensheimer, sei sie vielleicht der letzte freie, öffentliche, gedankliche Raum. „Und deshalb ist Kunst elementar.“

Als Raum der freien Gedanken war die Kunst zugleich immer auch abhängig von finanziellen Zuwendungen. „Nur ein privater Sammler ist unabhängig und kann machen, was er will“, sagt Gaensheimer. „Aber wir sind auch immer von der öffentlichen Hand abhängig.“ Dass ein Sponsor aus dem privatwirtschaftlichen Bereich sich in inhaltliche Belange der Museumsarbeit eingemischt hätte, habe sie jedoch noch nie erlebt.

Sponsoren aus diesem Bereich besitzt das MMK einige. Gaensheimer korrigiert leise, aber bestimmt: „Wir sprechen bewusst von Partnern.“ Diese ermöglichten denn auch den bisher größten Entwicklungsschritt des Museums für Moderne Kunst – das Einrichten einer 2000 Quadratmeter großen Dependance im 2014 eröffneten und an der Nahtstelle zwischen Banken- und Bahnhofsviertel gelegenen Büro- und Wohnhochhaus Taunusturm. Vor allem der Immobilienentwickler Tishman Speyer selbst ermöglichte das Projekt MMK2. Über 15 Jahre hinweg kann das Museum ein Geschoss des Taunusturmes miet- und nebenkostenfrei nutzen und verfügt dabei über einen eigenen Zugang mit Museumsshop. Weitere Partner wie der Unternehmer Stefan Quandt decken die laufenden Kosten. Dank guter Kontakte zu Künstlern und Galerien konnte das MMK zudem eine große und profilierte Sammlung der Gegenwartskunst aufbauen, ohne dabei über einen eigenen Ankaufsetat zu verfügen. „Er ist wirklich nicht sehr groß“, sagt Susanne Gaensheimer, lässt eine kleine Pause, lacht und ergänzt: „Es sind null Euro“.

Museen müssen sich der Markt-Dynamik entziehen

Künstler, Galerien und Sponsoren sieht Susanne Gaensheimer gleichermaßen als Partner ihres Museums an, investiert viel Zeit in den Aufbau langfristiger Beziehungen. „Im engen Dialog versuchen wir, Lösungen zu finden“, sagt sie. „Wir können die Konditionen des normalen Marktes nicht ­erfüllen; wir bewegen uns außerhalb dieser Dynamik.“

Dieser Weg ist für Susanne Gaensheimer „schlicht notwendig“. „Ich glaube nicht“, sagt sie mit Blick auf die öffentlichen Etats, „dass es für die Museen irgendwann wieder mehr Geld geben wird – denn wo sollte es herkommen?“ Ein grundsätzliches Um­denken in der Kulturpolitik hielte sie für notwendig, sieht es aber nirgendwo. „Man müsste die Rahmenbedingungen der Kulturförderung ändern, auf staatlicher Ebene. Zum Beispiel bei der Besteuerung von Schenkungen. Das wäre sehr wichtig.“

Soziale Netzwerke erschließen neue Besuchergruppen

Noch bis zum 2. Oktober war auch in der Region Stuttgart Susanne Gaensheimers Blick auf die Kunst zu erleben. „Food-Ökologien des Alltags“ heißt ihr Konzept für die 13. Triennale Kleinplastik in Fellbach. Und wie geht es für Susanne Gaensheimer, 2011 und 2013 Kommissarin für den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig, weiter? „Die Akquise der großen Summen für das Museum ist beendet“, sagt sie. „Ich genieße es im Augenblick sehr, mich wieder stärker auf die inhaltliche Dimension meiner Arbeit zu konzentrieren.“ Die Rolle des Museums habe sich grundlegend verändert. „Die einstmals elitäre Gegenwartskunst wurde populär“, sagt sie, „die Gesellschaft wandelte sich, digitale Medien spielen eine immer größere Rolle“. Eine Folgerung? „Museen müssen sich heute als sehr offene Räume zeigen“. Dazu gehöre es auch, über soziale Netzwerke ganz neue Besuchergruppen zu erschließen.

Susanne Gaensheimer denkt über das Museum als Ort in der Öffentlichkeit ebenso nach wie über den Ort des Museums in der Öffentlichkeit, über die Sprache eines Museums – und darüber, wie Globalisierung im Museum abgebildet werden kann. „All dies“, sagt sie, „wird sich in künftigen Ausstellungen niederschlagen“.

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