Seite 2Susanne Gaensheimer im StN-Dialog „Über Kunst“ Museen müssen sich der Markt-Dynamik entziehen

Von Thomas Morawitzky 

Künstler, Galerien und Sponsoren sieht Susanne Gaensheimer gleichermaßen als Partner ihres Museums an, investiert viel Zeit in den Aufbau langfristiger Beziehungen. „Im engen Dialog versuchen wir, Lösungen zu finden“, sagt sie. „Wir können die Konditionen des normalen Marktes nicht ­erfüllen; wir bewegen uns außerhalb dieser Dynamik.“

Dieser Weg ist für Susanne Gaensheimer „schlicht notwendig“. „Ich glaube nicht“, sagt sie mit Blick auf die öffentlichen Etats, „dass es für die Museen irgendwann wieder mehr Geld geben wird – denn wo sollte es herkommen?“ Ein grundsätzliches Um­denken in der Kulturpolitik hielte sie für notwendig, sieht es aber nirgendwo. „Man müsste die Rahmenbedingungen der Kulturförderung ändern, auf staatlicher Ebene. Zum Beispiel bei der Besteuerung von Schenkungen. Das wäre sehr wichtig.“

Soziale Netzwerke erschließen neue Besuchergruppen

Noch bis zum 2. Oktober war auch in der Region Stuttgart Susanne Gaensheimers Blick auf die Kunst zu erleben. „Food-Ökologien des Alltags“ heißt ihr Konzept für die 13. Triennale Kleinplastik in Fellbach. Und wie geht es für Susanne Gaensheimer, 2011 und 2013 Kommissarin für den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig, weiter? „Die Akquise der großen Summen für das Museum ist beendet“, sagt sie. „Ich genieße es im Augenblick sehr, mich wieder stärker auf die inhaltliche Dimension meiner Arbeit zu konzentrieren.“ Die Rolle des Museums habe sich grundlegend verändert. „Die einstmals elitäre Gegenwartskunst wurde populär“, sagt sie, „die Gesellschaft wandelte sich, digitale Medien spielen eine immer größere Rolle“. Eine Folgerung? „Museen müssen sich heute als sehr offene Räume zeigen“. Dazu gehöre es auch, über soziale Netzwerke ganz neue Besuchergruppen zu erschließen.

Susanne Gaensheimer denkt über das Museum als Ort in der Öffentlichkeit ebenso nach wie über den Ort des Museums in der Öffentlichkeit, über die Sprache eines Museums – und darüber, wie Globalisierung im Museum abgebildet werden kann. „All dies“, sagt sie, „wird sich in künftigen Ausstellungen niederschlagen“.

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