Susanne Eisenmann tritt als CDU-Spitzenkandidatin an. Ihr Gegner könnte Winfried Kretschmann sein. Foto: dpa

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lobt seine CDU-Kultusministerin mehrfach über den grünen Klee. Tritt er zur nächsten Landtagswahl noch einmal an, wird Susanne Eisenmann seine Rivalin.

Stuttgart - Manchem grünen Bildungspolitiker ging das wiederholte Lob des Regierungschefs für seine Kultusministerin gelegentlich zu weit. Winfried Kretschmann hält viel von Susanne Eisenmann. Dass sie die Ärmel hochkrempelt und zupackt, beeindruckt ihn. Die Kultusministerin hat das Image einer durchsetzungsstarken Macherin. In Zukunft kann Eisenmann, VfB-Fan wie Kretschmann, zu einer gefürchteten Rivalin werden, sollte Kretschmann bei der Landtagswahl 2021 noch einmal antreten.

Wenn die grün-schwarze Koalition im Tiefschlaf scheint, bleibt das Kultusministerium rege. Eisenmann gehe eine der zahlreichen bildungspolitischen Baustellen nach der anderen an, loben ihre Freunde. Dabei geht es auch robust zur Sache. Als Chefin gilt Eisenmann als Herausforderung. Ohne viel Federlesens hat sie auch beim Debakel um die Einführung einer digitalen Bildungsplattform Ella für Schulen den kommunalen Dienstleister aus dem Rennen gekegelt und damit ihren Ruf als rigorose Aufräumerin gefestigt. Selten hat die versierte Politstrategin bei dem ärgerlichen Thema versäumt, darauf hinzuweisen, dass die eigentliche Zuständigkeit für die Digitalisierung bei ihrem Parteifreund, dem Innenminister Thomas Strobl liege. Gemacht hat sie und quasi als Nebeneffekt hat sie Strobl die Spitzenkandidatur abgenommen. Die Plattform allerdings liegt noch in weiter Ferne.

Forsches Vorgehen

Die einstige Schulbürgermeisterin Stuttgarts kann in ihrer bisher dreijährigen Amtszeit als Ministerin Haken hinter zahlreiche Projekte machen. Zumindest hat sie Leitplanken für die angestrebten Ziele gesetzt. Als Großstädterin zeigt sie sich aufgeschlossen für Konzepte wie Ganztagsschulen. Gleichzeitig wahrt sie mit ihrem Bekenntnis zum Leistungsbegriff und etwa dem Anspruch, Baden-Württembergs Schulen wieder nach vorne zu bringen, das konservative Selbstbild ihrer Partei. Eisenmann hat die Schulaufsicht und die Lehrerfortbildung auf ein neues Gleis gesetzt, um die Qualität der Schulen zu verbessern – ein Mammutprojekt, dessen Effekte sich wohl erst in Jahren zeigen werden – und bei dem sich zahlreiche Betroffene übergangen fühlen.

Eisenmann will die Schulleitungen stärken und hat mit den Kommunen einen 80-Millionen schweren Pakt für Bildung und Betreuung geschlossen um die frühkindliche Bildung zu fördern. Das alles geht zack, zack. Mit ihrem forschen Durchsetzungsvermögen hat die Quereinsteigerin ins Kabinett die anfangs skeptische CDU-Landtagsfraktion auf ihre Seite gezogen. Die Abgeordneten haben sich im parteiinternen Ringen um die Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl von ihrem Landesvorsitzenden Thomas Strobl abgewandt und sich hinter Eisenmann gestellt.

Wenig Interesse an Details

Bei Lehrern und Eltern ist die Resonanz durchwachsen. Der Landeselternbeirat hat sich verschreckt gezeigt, vom „ruppigen Ton“ der Ministerin. Andererseits sucht die 54-jährige gebürtige Stuttgarterin das direkte Gespräch bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie ihren „Elternabenden“ in ausgewählten Städten. Grundschullehrer verwahrten sich gegen die unverblümten Zweifel der Ministerin an ihren pädagogischen Konzepten etwa zur Vermittlung der Rechtschreibung. Gut kommt dagegen an, dass Eisenmann die erste Kultusministerin ist, die den Unterrichtsausfall regelmäßig detailliert erfassen lässt.

Doch hält sich die rührige Ministerin mit Details ungern auf. Das trägt ihren Aktionen bei ihren Kritikern von der GEW das Etikett „Schaufensterpolitik“ ein. Das Auflisten der ausgefallenen Schulstunden bringe keinen einzigen zusätzlichen Lehrer. Die Schlagzeilen sind gemacht, doch viele Konzepte sind noch nicht eingelöst. Die Entlastung der Schulleitungen etwa ist zwar beschlossen, wird aber erst umgesetzt, wenn es irgendwann genügend Lehrer gibt. Und gegen den bundesweiten Lehrermangel hat auch die energische Eisenmann kein rasches Patentrezept.

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