Spektakulärer Anflug: Wanderfalke landet in 107 Metern Höhe auf dem Dach des Schwabenlandtowers. Foto: Falcommunity, Nabu Fellbach (cf)

Der Investor des Fellbacher Schwabenlandtowers, Joachim Heinz Ebner, bestätigt: „Familie Wanderfalke darf auch weiter völlig mietfrei auf dem Turm wohnen“.

Auch wenn weiter offen ist, wann die menschlichen Bewohner einziehen, die tierischen sind schon da und haben eine Zukunft: Die Wanderfalken bleiben auf Dauer auf dem Tower in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Der neue Schwabenlandtower-Inhaber Joachim Ebner hat dies unserer Zeitung gegenüber zugesagt, zur Freude natürlich auch der Ortsgruppe Fellbach des Naturschutzbundes (Nabu), die sich um die Vögel und ihren Brutplatz in der 34. Etage kümmert.

 

Mitten in den Sommerferien 2025 wurde offenkundig, dass nach jahrelangem Stillstand hoffentlich bald wieder Fortschritte in Sachen Vollendung des Schwabenlandtowers 107 sichtbar sein könnten. Offenkundig wurde dies zunächst durch Werbebanner am Bauzaun des Super-Hochhauses, auf denen das Unternehmen Ebner Immobilien mit Sitz in Stuttgart und Waiblingen auf sein Engagement hinwies.

Tower-Spott im Netz: Das „teuerste Vogelhaus der Welt“

Kurz danach bestätigte der in Fellbach aufgewachsene Joachim Heinz Ebner gegenüber unserer Redaktion, dass er mit der seinerzeitigen Besitzerin, der Adler Group, einen Vertrag zur Übernahme des unvollendeten Wohnturms abgeschlossen habe.

In den Tagen nach den Berichten zu den positiven Entwicklungen in unserer Zeitung gab es zahlreiche Kommentare in den sozialen Medien. Neben so manchen zuversichtlichen Stimmen der Hoffnung auf ein gutes Ende für den Tower schlugen etliche andere auch skeptische Töne an – zu häufig hatten schließlich die jeweiligen Besitzer in den vergangenen Jahren den baldigen Weiterbau zugesagt, ohne dass sich wirklich etwas auf der Baustelle bewegt hätte.

Im Baunetz verfangen: Wanderfalkenweibchen Alizée musste im Januar 2025 befreit werden. Foto: Heribert Baier (Nabu Fellbach)

Ansonsten war in den Social-Media-Äußerungen eher kritisch vom „Turmbau zu Babel“ und vom „teuersten Vogelhaus der Welt“ die Rede. Die letzte Äußerung bezieht sich auf die Wanderfalken, die seit 2017 diesen höchsten Nistplatz der Region für sich reserviert haben.

Die im Frühjahr zuverlässig in einer Nistbox brütenden Wanderfalken jedenfalls scheinen vielen Menschen näher zu sein als Wohnungsnot und um Millionenbeträge geprellte Investoren. „Hat mal jemand an das Falkenpärchen gedacht? Die freuen sich über ihr teures Loft, das ist ja schon fast wieder Bestandsschutz“, heißt es in einer Bemerkung.

Nun, die Sorge um die Falkenzukunft in (für Menschen) schwindelerregenden Höhen, 107 Meter über dem Erdboden, ist unbegründet. „Völlig mietfrei wohnt noch immer Familie Wanderfalke auf dem Turm“, sagt Joachim Ebner gut gelaunt, und das wird, wie der Investor gegenüber unserer Zeitung versichert, auch so bleiben.

Wanderfalken besuchen regelmäßig Ebner Immobilien in Waiblingen

„Die Tiere fühlen sich offensichtlich wohl in ihrem provisorischen Quartier und die Jungvögel besuchen uns regelmäßig in unserem Büro in Waiblingen“, erläutert Ebner, der die Flugbewegungen öfter auch per Fernglas beobachtet. „Sie setzen sich bei uns aufs Fensterbrett, erholen sich und machen sich dann wieder auf ihre Reise zurück auf den Turm in Fellbach.“

Sobald der Turm fertiggestellt ist, bekommen die Wanderfalken ihre endgültige Behausung, die bereits in einem Regal für Betonfertigteile bei der Firma Bürkle in Fellbach-Schmiden eingelagert ist, verspricht Ebner.

Diese positiven Aussichten und die entsprechende Abmachung bestätigt auch Friedemann Tewald vom Sprecherteam des Nabu Fellbach auf Nachfrage. Das Vorgehen und die sichere Zukunft der Wanderfalken auf dem Schwabenlandtower sei mit Joachim Ebner so besprochen, erläutert der 60-Jährige, der zur Fellbacher Gruppe gehört, die sich intensiv um die Falken kümmert.

Das Thema beschäftigt durchaus viele Menschen. Die Falken-Anhängerschaft ist beachtlich, sie besteht aus einer beeindruckenden Zahl an Anhängern; die per Kamera eingefangenen Falkenbilder vom Dach des Schwabenlandtowers sind der Renner. Zwei Kameras der sogenannten Falcommunity zeigen live die Aktionen vor Ort – speziell in der Brut- und Aufzuchtzeiten ist ganz oben auf dem Wolkenkratzer ganz schön was los, was die neugierigen Fans aktiviert – der Nabu verzeichnet dann täglich mehr als 1000 Besuche.

Spektakulär war auch die Rettungsaktion des Nabu Ende Januar 2025 am Schwabenlandtower. Das Wanderfalkenweibchen Alizée hatte sich im 21. Stockwerk im Sicherheitsnetz der Baustelle verfangen. Vom Dach des Aufzugs aus gelang es schließlich, das Netz heranzuziehen und Alizée aus ihrer hilflosen Lage zu befreien – zum Glück war sie unverletzt geblieben.

Dass die Towerfalken, die keine Turmfalken, sondern Wanderfalken sind, auf Dauer im Turm bleiben dürfen, ist für Tewald nur folgerichtig. „Die Falken werden so oder so im Tower bleiben, man kann sie nicht einfach umsiedeln.“

Künftiger Brutkasten ist ein paar hundert Kilo schwer

Der künftige Brutkasten ist auch tatsächlich bereits gekauft, bestätigt Tewald. Und zwar bei der Firma Schwegler in Schorndorf, die sich auf Unterkünfte für den Wanderfalken als „imposanten Weltenbummler“ spezialisiert hat. Derzeit steht der nach Tewalds Angaben „ein paar hundert Kilo schwere“ Wanderfalkenkasten im Hochregallager bei Beton Bürkle in Schmiden. Der dauerhafte Leichtbetonkasten werde vermutlich bei den Aufzügen installiert, also eher im Nordosten des Hochhauses und somit nicht ganz an der Stelle des bisherigen Holzkastens.

Tewald ist jedenfalls sehr zufrieden über den bisherigen Austausch mit dem neuen Tower-Investor. Und auch Joachim Ebner sagt: „Freuen wir uns auf die Fertigstellung des Tower und die Falken auf ihr neues Zuhause.“