Unter der Verschlagwortung, auch Hashtag genannt, #sunburnart veröffentlichen Nutzer Bilder von Blumen auf dem Schulterblatt oder Motiven der Comicfigur Batman auf dem Oberkörper. Foto: dpa-Zentralbild

Sonnenbrand-Tattoos liegen derzeit voll im Trend. Vor allem junge Leute lassen sich gezielt von der Sonne verbrennen, um kreative Muster auf die Haut zu bekommen. Hautärzte finden diese „sunburn art“ äußerst gefährlich.

Stuttgart - Vieles nennt sich Kunst – ein paar Farbkleckse an der Wand oder eine Glühbirne, die von der Decke hängt. Unter dem Mantel der Kunst hat sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und dem Bilderdienst Instagram ein neuer Trend entwickelt: Sunburnart, zu Deutsch Sonnenbrand-Kunst. Nutzer legen sich dafür eine Schablone auf die Haut und lassen sich dann von der Sonne brutzeln. Zurück bleibt ein Sonnenbrand-Tattoo auf verbrannter Haut. Unter der Verschlagwortung, auch Hashtag genannt, #sunburnart veröffentlichen Nutzer Bilder von Blumen auf dem Schulterblatt oder Motiven der Comicfigur Batman auf dem Oberkörper. Wie sehr sie sich und ihrer Haut damit aber schaden, scheint vielen nicht bewusst zu sein.

Lesen Sie auch: Das sagt der Dermatologe zu Sunburnart.

Auf mittlere und lange Sicht ist Hautkrebs die gefährlichste Nebenwirkung, sagt Heiko Grimme, Dermatologe aus Stuttgart. „Zu viel Sonne verändert die Zellen der Haut. Sie werden geschädigt, und das Erbgut verändert sich.“ Die Zellen entarten und können zu Krebsgeschwüren führen. Jeder neue Sonnenbrand wird zu alten Verbrennungen hinzuaddiert und schädigt die Zellen der Haut. Zusätzlich lässt zu viel UV-Strahlung die Haut schneller altern. Etwa sechs Stunden nach einem zu langen Sonnenbad spürt man erste Symptome. Die Haut wird rot, schwillt an, tut weh und fühlt sich sehr warm an, sagt Grimme. Dies wird ausgelöst durch die Entzündung an der verbrannten Stelle. Bei einem starken Sonnenbrand können sich auch Blasen auf der Haut bilden. Es sind so viele Hautzellen abgestorben, dass sie ihren Zusammenhalt verlieren und sich innerhalb der sogenannten Stachelzellschicht der Oberhaut Gewebeflüssigkeit sammelt.

Der Körper braucht Sonne, um Vitamin D zu bilden

Die Blasen reißen oft auf, und die Haut nässt nach außen. „Bei großflächigem Sonnenbrand und Blasen sollte man zum Arzt gehen“, sagt der Dermatologe. Nach etwa zwei bis drei Tagen nach dem Sonnenbrand beginnt sich die Haut zu schälen. Das ist ein Zeichen der Heilung. Bis zum vollständigen Abklingen kann es zwei Wochen dauern.

Damit die verbrannte Haut gut abklingen kann, heißt es bei den ersten Anzeichen raus aus der Sonne und kühlen. Um nicht zu sehr auszukühlen, ist lauwarmes Wasser besser als eiskaltes. „Im Anfangsstadium kann man cortisonhaltige Cremes auftragen“, sagt Grimme. Gegen die Schmerzen helfen entzündungshemmende Mittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen.

Es ist aber keine Lösung, aus Angst vor Verbrennungen überhaupt nicht mehr in die Sonne zu gehen, sagt Grimme. „ Der Körper braucht Sonne, um Vitamin D zu bilden.“ Wer in die Sonne gehen will, sollte sich schützen. „Eincremen mit Sonnencreme ist besonders wichtig.“

Und dabei kommt es auf die richtige Menge an. Dermatologe Grimme rät seinen Patienten, sich kräftig einzucremen und danach gleich noch einmal so stark. „Man muss viel mehr Creme nehmen, als die meisten denken.“ Auf der Haut sollte aber keine dicke weiße Schicht zurückbleiben – denn es geht ja um Sonnenschutz und nicht um Kunst am Körper.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: