Die Diskussion um die Zukunft des Sulzbachstausees bei Steinenbronn hält an. Die einen sagen, das Gewässer brauche Ruhe, andere sehen in dem Ort großes Potenzial.
Steinenbronn - Im April endete eine Online-Bürgerbefragung des Landratsamts Böblingen zur Zukunft des Sulzbachstausees. Rund 550 Beiträge gingen ein. Unter anderem sprachen sich die Teilnehmer gegen den Bau einer Hängebrücke aus. Teilweise schien die Meinung vorzuherrschen, diese sei konkret geplant. „Das war nur eine von vielen Ideen, die angedacht wurden“, ordnet Ronny Habakuk, Bürgermeister von Steinenbronn, den Vorschlag ein. Tatsächlich geht es um Grundsätzlicheres: Soll eine „kontrollierte Aufwertung“ stattfinden, wie es Habakuk nennt, oder soll alles bleiben wie bisher?
Um unterschiedliche Vorstellungen zur Zukunft des Gewässers auszutauschen, fand Ende Mai ein Runder Tisch statt, der verschiedene Interessengruppen zusammenführte. Knackpunkt ist die Einschätzung, inwiefern selbst Maßnahmen zusätzliche Sitzbänke oder ein behutsamer Ausbau bestehender Wege die Flora und Fauna gefährden könnten und was ein noch attraktiverer See an unerwünschten Nebenwirkungen mit sich bringen würde.
Susanne Frisch, Vorstandsmitglied des Nabu Steinenbronn/Waldenbuch, befürchtet Besucherandrang im Übermaß: „Da man nach Schönaich, Waldenbuch und Steinenbronn außer mit dem Auto nur per Bus kommt, der – zumal an den Wochenenden – nicht oft fährt, würden bei weiteren Attraktionen noch mehr Leute mit dem eigenen Pkw kommen“, sagt sie. Die vorhandenen Parkplätze würden dann nicht mehr reichen. Das habe man im Coronajahr bereits gesehen.
Die meisten Seebesucher dürften Interesse an der Natur haben
Habakuk hingegen verweist auf vorhandene große Parkflächen, etwa an der Sandäckerhalle in Steinenbronn oder in Waldenbuch. Er vermutet zudem: Wer den Stausee aufsuche, bringe mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Interesse an der Natur und deren Erhalt mit. „Niemand möchte Parkplätze näher am See haben“, stellt er klar. „Wer mit dem Auto kommt, wandert vom Auto aus hin oder fährt mit dem Fahrrad.“ Auch gehe es um eine behutsame Aufwertung, nicht darum, den See in einen Freizeitpark zu verwandeln.
Von der angedachten Verbesserung der Wege geht aus Habakuks Sicht keine Gefährdung der Artenvielfalt am Sulzbachstausee aus. Im Gegenteil: „Davon abgesehen, dass so auch ältere Menschen oder andere Bürger, die schlechter zu Fuß sind, die Natur dort genießen könnten, denke ich, eine Aufwertung könnte zur Abnahme von Wildgrillern und unerwünschten Trampelpfaden führen“, gibt er zu bedenken. Frisch vom Nabu plädiert derweil für eine Reduzierung der wild entstandenen ufernahen Wege, etwa durch Sperrung. Das klingt, als wären die Positionen gar nicht so weit auseinander.
Zehn bedrohte Fledermausarten leben am Sulzbachstausee
Zehn bedrohte Fledermausarten sind am Stausee heimisch. Daneben spricht Frisch von 16 Vogelarten, darunter störungsempfindliche Wasservögel. Der relativ große See, mitten im Wald ohne direkte Verkehrsanbindung, sei ein Ausnahmefall und wichtiges Brut- und Rückzugsgebiet. Er brauche Ruhe. Habakuk könnte sich vorstellen, dass Info-Tafeln über die Natur am See aufklären. Entschieden werden solle über jegliche Maßnahmen jedenfalls gemeinsam. Unter Einbeziehung aller Interessengruppen. Sprechen möchte er über alles: von der zusätzlichen Sitzbank bis zur Aussichtsplattform. Im Austausch mit Experten müsse man dann sehen, was sinnvoll und umsetzbar sei.
Habakuk, der übrigens Jäger ist, versteht die Bedenken der Naturschützer. Er will eine gemeinsame Lösung finden. Nach einem Prozess des intensiven Abwägens sieht er vor allem das Potenzial, das in der Aufwertung liegt: „Wenn wir den Stausee mit den umliegenden Erholungsgebieten vernetzen, kann ein Mehrwert für die Natur und die Region entstehen.“