Endlose Sandwüsten mit fruchtbaren Oasen, quirlige Märkte in uralten Städten und stolze, entspannte Gastgeber zeichnen das Sultanat an der Ostküste der Arabischen Halbinsel aus.
Nur 5,5 Millionen Einwohner zählt das Sultanat Oman, das kaum kleiner ist als Deutschland. Warum, das zeigt ein Blick auf die Landkarte: Abgesehen von der Exklave Musandam an der Straße von Hormus zieht sich der Oman über 1700 Kilometer entlang der Südostseite der arabischen Halbinsel – Wüste zwischen Meer und Bergen.
1. Berge und Meer
Die meisten Menschen leben in der Hauptstadt Maskat und der angrenzenden Batinahregion. Die liegt als 30 Kilometer breite fruchtbare Ebene zu Füßen des Hajargebirges und versorgt den Oman seit jeher mit Nahrung. Maskat – übersetzt: die Stadt des Fallens – sieht dagegen tatsächlich aus, als wäre sie direkt aus den nahen Bergen gefallen und hätte sich in eine der Buchten ergossen. Der Rest des kleinen Volkes lebt in den Wüstenoasen und der Südprovinz Dhofar, deren Dattelpalmen und Weihrauchbäume das Land einst reich machten. Heute stammt der Reichtum aus Öl und Gas, die etwa drei Viertel der Einnahmen generieren. Reichtum weckt Begehrlichkeiten – zu sehen bei einer Bootstour mit der traditionellen Dhau: Die ganze Küste ist gespickt mit Festungen und Friedhöfen der portugiesischen Eroberer, die einst die Küste beherrschten.
2. Sultans prächtige Paläste
Schon beim Anflug auf Omans Hauptstadt Maskat fällt auf, dass dieses Sultanat kein Teilnehmer am Wettbewerb um den höchsten Wolkenkratzer, die größte Hotelanlage oder die prunkvollste Einkaufsmall in den Golfstaaten ist. Statt Hochhausschluchten findet man Stadtparks wie den Diamantenstrand. Hier treffen sich die Omanis zum Abendspaziergang oder zum Familienpicknick in schattigen Pavillons.
Protzige Bauten gibt es nicht, prächtige schon: Das 2011 erbaute Opernhaus im traditionell omanischen Stil, der die Festungen nachahmt mit ihren dicken Holzbalken und den Schießscharten. Für den Bau karrte man Carraramarmor und Teakholz an, innen finden sich handgeschnitzte Türen und eine Orgel aus Deutschland mit 4542 Pfeifen. Vom früheren Sultan Qaboos, Onkel des aktuellen Sultan Haitham, stammt die ausgestellte Sammlung von Musikinstrumenten: Zither, Oboe, Leier und Trompete, manche mehrere hundert Jahre alt.
Handgeknüpfte Teppiche aus dem Iran bedecken den Boden, funkelnde Swarovski-Kronleuchter erhellen die hohen Räume. Uhren aus der Schweiz und kunstvolle Kachelmosaike aus der muslimischen Welt komplettieren die Einrichtung der Sultan-Qaboos-Moschee. Sie ist das größte Gotteshaus im Oman, hat Platz für 20 000 Gläubige und liegt in einem bildschönen Garten. Auch Nichtmuslime dürfen rein – vorausgesetzt, sie beachten die Benimmregeln.
Bevor im Oman die Sultane herrschten, hatten gewählte Emire das Sagen. Auch die wussten sich schon einzurichten, wie das Jabreen Castle in Bahla zeigt. Die palastartige Festung aus dem 17. Jahrhundert diente Emir Bal’arab ibn Sultan als Wohnschloss und Regierungssitz. Aus dem Gerichtssaal im Erdgeschoss führt eine Tür in die Freiheit und die andere direkt in eine Haftzelle – je nach Urteil. Auf dem Dach lag die Koranschule.
Dass das Gebäude vielfach gesichert war durch mit Teppichen getarnten Soldatenverstecken, Falltüren auf der Treppe zu Emirs Schlafzimmer und Schlitzen am Tor, um heißen Dattelsirup auf Eindringlinge regnen zu lassen, half nichts: Sein jüngerer Bruder belagerte den Emir und übernahm nach dessen Tod die Macht. Er verlegte den Regierungssitz und überließ Jabreen dem Schicksal.
3. Wüste und Wadis
Scheinbar endlos führen Straßen und Pisten durch braun-beige-graue Landschaft. Zwischen Dünen, Schutthügeln und nacktem Fels kein Zeichen von Leben. Und dann unvermittelt wird es graugrün, grün und bunt: Ankunft in einem der zahlreichen Wadis, den Wüstenoasen.
Bilderbuchschön ist das Wadi Tiwi nahe der Stadt Sur. Papaya, Limonen, Mango, Bitterorangen, Bananen, Feigen und Datteln gedeihen hier, viele Bäume biegen sich unter der Last der Früchte. Beliebteste Fotomotive im Wadi Arbayeen bei Qurayyat sind die Wasserfälle und die türkisgrünen Becken, in die sie sich ergießen. Sie locken zum Reinspringen – Schilder warnen aber, eben das nicht zu tun – in den tiefen Pools ertrinken jedes Jahr Menschen.
Baden erlaubt ist im Naturpark bei Bimmah. Zig Stufen führen hinab in ein Sinkhole, das kein Meteorkrater, sondern vermutlich eine Höhle mit eingestürzter Decke ist. Das Wasser ist ein Mix aus Süß- und Salzwasser aus dem Gebirge und vom Meer. Noch schöner schwimmt es sich im Wadi Bani Khaled im Landesinneren. Hier hat die Natur ein Schwimmbad aus dem Stein geformt, mit Terrassen zum Sitzen, flachen Becken und einem Kanal, in dem man zwischen Felswänden zum nächsten Becken schwimmt.
4. Bunte Märkte
Der Muttrah Souq ist ein Angriff auf alle Sinne. „Rieche hier, koste da, fühle dort“, fordert die vielstimmige Schar der Händler im Maskater Markt. Sie wedeln mit Weihrauch, tupfen Parfüm, drapieren Kaschmirschals. Körbe mit exotischen Gewürzen dicht an dicht, Regalmeterweise Duftflacons von Amber bis Rose, ein Wettstreit glitzernder Vitrinen mit Gold- und Silberschmuck und dazu Klamotten, Nippes und echte Antiquitäten. Orient pur.
Eher ein Spezialitäten-Markt ist der Nizwa Souq in der früheren Hauptstadt mit festen Gebäuden, die thematisch belegt sind: Zig Dattelsorten, natur oder gewürzt, als Pralinen und Sirup. Oder die Halwahalle, wo ein Video die Zubereitung dieses Festtags-Nachtischs zeigt und Kunden aus allen Golfstaaten kommen, um kiloweise omanisches Halwa zu kaufen.
Nicht so wohlriechend aber ebenso interessant sind der wöchentliche Viehmarkt in Nizwa, wo einheimische Rinder, Schafe, Ziegen und Kühe die Besitzer wechseln, und der Fischmarkt am Maskater Hafen, der den Reichtum des Golfs von Oman widerspiegelt: Barrakuda, Thunfisch, Barsch und Schnapper flutschen hier übern Tresen.
5. Tradition lebt
Zu offiziellen Anlässen sowie generell im Staatsdienst trägt der Omani eine Uniform aus weißem Gewand, besticktem Käppi und Krummdolch am Gürtel. Über kreative Abwandlungen des Traditionslooks streiten Söhne mit ihren Vätern – meist vergebens, denn daran wird nicht gerüttelt.
Geschmackliche Varianten erlaubt sind dagegen beim Traditionsgericht Schuha, das zu Festtagen in den Erdofen kommt. Lammfleisch wird gewürzt und in Bananenblätter eingewickelt, im Boden auf glühender Holzkohle vergraben und stunden- bis tagelang gegart.
Info
Anreise
Omanair fliegt nonstop ab Frankfurt nach Maskat, www.omanair.com . Transport vor Ort bietet Travco Oman, https://travcotravel.om
Unterkunft
Zentrumsnah in Maskat liegt das Golden Tulip Muscat mit Dachterrasse samt Pool, Doppelzimmer/Frühstück ab 61 Euro, https://muscat.goldentulip.com Kurze Wege zum internationalen Flughafen Maskat bietet das Radisson Hotel Muscat Panorama mit aussichtsreicher Dachbar, DZ/F ab 78 Euro, www.radissonhotels.com Eine Nacht in der Wüste samt Dünentour zum Sonnenuntergang und nächtlichem Sternegucken gibt es im Arabian Oryx Camp Bidiyah. DZ/F in festen Zelten und Bungalows ab 157 Euro, www.oryx-camp.com
Essen und Trinken
Das Restaurant Rozna in Maskat ist einem omanischen Fort nachempfunden. Auf zwei Etagen um einem Innenhof genießt man im Saal oder im Séparée omanische Spezialitäten; www.roznaoman.com Sehr authentisch sind Räume und Essen im Bait Al Ghasham Museum in einer ehemaligen Königsresidenz in der Batinahregion.
Veranstalter
Insgesamt sechs Omanreisen bietet das Kieler Unternehmen Gebeco an, darunter die zehntägige Erlebnisreise „Oman und Meer“ ab 2095 Euro oder die zehntägige Studienreise „Omanische Impressionen“ ab 2895 Euro, jeweils inklusive Flug, DZ/HP, Reiseleitung und Besichtigungen. Mehr unter www.gebeco.de Omanreisen haben auch Enchanting Travels ( www.enchantingtravels.com/de ) und Tischler Reisen ( www.tischler-reisen.de ) im Angebot.
Buchtipps
Peter Franzisky, Kirstin Kabasci: Oman, Verlag Reise KnowHow, 576 Seiten, 24,90 Euro; Gerhard Heck, Nils Spruth: Oman, Dumont-Reisehandbuch, 360 Seiten, 25,95 Euro; Jobst Krumpeter: Oman, Verlag Marco Polo, 144 Seiten, 12,99 Euro
Allgemeine Informationen
www.sultanatoman.de ; https://visitoman.om