Der Welttag für Suizidprävention ist jedes Jahr am 10. September. 2024 erinnerten auf dem Schlossplatz T-Shirts stellvertretend an Stuttgarter Suizidtote. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Um Aufmerksamkeit für psychische Krisen zu schaffen, findet am Mittwoch, 10. September, ein Aktionstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz statt.

„Ich kann nicht mehr!“ – mit diesem Gefühl kämpfen viele. 1378 Menschen haben sich im Jahr 2023 in Baden-Württemberg das Leben genommen, 72 waren es in Stuttgart – 20 Frauen und 52 Männer. In ganz Deutschland starben 10.381 Menschen durch Suizid, und somit fast viermal so viele wie durch Verkehrsunfälle. Schätzungen gehen zudem von weit über 100.000 Suizidversuchen jährlich aus. Am Mittwoch, 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, laden der Arbeitskreis Leben (AKL) Stuttgart sowie die evangelische und die katholische Telefon-Seelsorge daher von 10 bis 15 Uhr zu einem Aktionstag auf dem Schlossplatz in Stuttgart ein.

 

„Die Zahlen sind erschreckend hoch“, sagt Christa Wenzelburger vom AKL. Doch die Ausmaße würden viel zu selten öffentlich thematisiert. Zuletzt war das Thema allerdings in den Medien durch den Suizidversuch von Trigema-Chef Wolfgang Grupp präsenter. Unter dem Motto „Ich kann nicht mehr – Darüber reden kann Leben retten“ sollen nun Verständnis für das immer noch tabuisierte Thema gefördert und Menschen ermutigt werden, über suizidale Krisen zu sprechen. Denn das ist nach Erfahrung der beiden Telefon-Seelsorge-Stellen in Stuttgart und des AKL entscheidend, um Betroffenen helfen zu können.

Suizid: Stellwand auf dem Schlossplatz mit Wegen aus Krisen

Die drei Stuttgarter Krisendienste wollen auf dem Schlossplatz am Welttag der Suizidprävention zu Gesprächen und Austausch anregen. Auf zwei Stellwänden können sich Interessierte beteiligen. Auf der einen Wand werden Gründe gesammelt, die Menschen in suizidale Krisen führen können. Auf der anderen Wege aufgezeigt, die aus einer Krise herausführen können. Insgesamt soll Mut gemacht werden, direkt und offen über Krisensituationen zu sprechen. Oft hilft es schon, wenn man Betroffenen zuhört.

An dem Aktionstag soll auch an alle Suizidtoten weltweit gedacht werden. Beispielhaft für die 72 Verstorbenen im Jahr 2023 in Stuttgart werden T-Shirts ausgelegt. Wer möchte, kann eine Kerze mit nach Hause nehmen, um sie abends um 20 Uhr zum Zeichen des Gedenkens in ein Fenster zu stellen.

Suizidgedanken: 80 Prozent schon mal betroffen

Statistisch haben laut AKL 80 Prozent aller Deutschen in Belastungssituationen schon mal Suizidgedanken gehabt. Doch welche Gründe können zu diesen dunklen Gedanken und schließlich zu Suizid führen? „Manchmal kommt es scheinbar aus dem Nichts“, sagt Ute Lewitzka, Deutschlands erste Professorin für Suizidologie und Suizidprävention, die an der Goethe-Universität in Frankfurt forscht. Manchmal sei es hingegen der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.

Klar als Risikofaktoren identifiziert sind:

  • eine Traumatisierung in der frühen Kindheit
  • eine Depression
  • das Geschlecht

Der weit überwiegende Teil der Suizid-Opfer sind Männer. Lewitzka ist der Ansicht, dass das unter anderem am männlichen Rollenbild liegt, das sich keine Schwäche eingestehen wolle.

Suizidgedanken: Bei diesen Stellen in Stuttgart gibt es Hilfe

Wer in Stuttgart Hilfe braucht, sollte sich aber keinesfalls scheuen, diese in Anspruch zu nehmen. Jeder Mensch kann in Krisen geraten, dafür muss sich niemand schämen. Je mehr das Gefühl wächst, den Schwierigkeiten nicht mehr gewachsen zu sein, desto eher können Suizidgedanken auftreten. Diese können jedoch mit Hilfe von außen überwunden werden.

Wer sich in einer akuten Notlage befindet, kann unter anderem hier kostenlos Unterstützung bekommen. Auch Angehörige und Suizidtrauernde können sich an einige dieser Stellen wenden.

  • Telefon-Seelsorge08 00 / 111 0 111 oder 08 00 / 111 0 222 online.telefonseelsorge.de
  • Arbeitskreis Leben Stuttgart (AKL) Stuttgart-SüdRömerstraße 3207 11 / 60 06 20 akl-stuttgart@ak-leben.de www.ak-leben.de
  • Psychologische Beratungsstellen der Evangelischen Kirche in StuttgartStuttgart-WestAugustenstraße 39 b07 11 / 66 95 90Stuttgart-Degerloch Löwenstraße 11507 11 / 7 65 71 51 www.beratungsstelle-stuttgart.de
  • Ruf und Rat – Psychologische Beratungsstelle der Diözese Rottenburg-StuttgartStuttgart-Mitte Hospitalstraße 2607 11 / 2 26 20 55
  • Klinikum Stuttgart Zentrum für Seelische Gesundheit Stuttgart-Bad CannstattPrießnitzweg 2407 11 / 2 78-22801