Beim Kunstsymposion gibt es auch ein Wiedersehen mit dem gebürtigen Süßener Bildhauer Peter Odenwaeller. Foto: Stadt Süßen

Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung wird die Kulturhalle in Süßen ihrer Bestimmung übergeben: Dort werden aktuelle Arbeiten ehemaliger Kunststudenten gezeigt. Sie alle nahmen in den achtziger Jahren an einem der drei Dorfsymposien teil.

Süßen - Noch vor ihrer offiziellen Eröffnung am 28. September gibt sich die Kulturhalle in Süßen die Ehre – mit einem außergewöhnlichen Kunstsymposion. 22 Künstler geben in dem neuen kulturellen Mittelpunkt der Stadt einen Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Zu Süßen haben sie eine besondere Beziehung. Sie alle waren in den achtziger Jahren schon einmal da. Als Studenten schufen sie damals, kritisch begleitet von den Bürgern, im öffentlichen Raum Kunstwerke. Süßen war damals noch ein Dorf. Nun, mehr als 30 Jahre später, stellen die Künstler sich mit jeweils einer aktuellen Arbeit erneut den kritischen Augen der Bürger des Ortes, der am Anfang ihres Schaffens stand. „Aktuelle Wege“ lautet der Titel der Ausstellung, die an diesem Samstag eröffnet wird und bis zum 9. September zu sehen ist.

Ein „experimenteller Aufschlag“

„Das ist ein experimenteller Aufschlag in der neuen Kulturhalle“, sagt Martin Bauch, der Kurator des örtlichen Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur, der das Symposion zusammen mit der Stadt veranstaltet. Seit zwei Jahren bereiten er und seine Mitstreiter die Ausstellung vor, die anknüpft an die drei legendären Dorfsymposien mit Studenten der Bildhauerklassen von Professor Otto Herbert Hajek im Jahr 1983 und Professor Jürgen Brodwolf in den Jahren 1985 und 1987. Bauch war damals Bürgermeister von Süßen. Am Anfang stand eine Spurensuche. „Wir verschickten Einladungen an alle Künstler, die an einem der drei Kunstsymposien in den achtziger Jahren teilgenommen hatten und deren Adressen wir noch ausfindig machen konnten“, erzählt Martin Bauch. Der Rücklauf war enorm. „Wir waren höchst überrascht, dass 22 Künstler zusagten und 19 von ihnen sogar zur Eröffnung kommen wollen.“

Die Namensliste lässt aufhorchen. Viele der Künstler, die vor mehr als 30 Jahren als Studierende in Süßen ihre ersten Schritte im Kunstbetrieb wagten, sind heute in der Szene ein Begriff. Einige von ihnen stellen sogar weltweit aus, vorneweg die Konzeptkünstlerin Karin Sander, deren Arbeiten schon im Modern Museum of Art in New York zu sehen waren. Die Professorin für Kunst und Architektur in Zürich war als Studentin Teilnehmerin eines Kunstsymposions in einer Klasse von Jürgen Brodwolf, der ebenfalls an diesem Samstag erwartet wird. In Süßen ist Sander als 3D-Bodyscan im Maßstab 1:5 zu sehen. Persönlich kann sie allerdings nicht zur Eröffnung kommen, da sie zurzeit eine Ausstellung im schweizerischen Winterthur vorbereitet.

Verschiedenste Kunstrichtungen

Die gezeigten Arbeiten repräsentieren die verschiedensten Richtungen innerhalb der modernen Kunst. Zu sehen sind unter anderem Videostillleben von Martin Conrath und Marion Kreißler, Szenarien der Tubenfiguren von Jürgen Brodwolf, eine Skulptur von Markus Strieder, der aus Stahl nahezu schwerelose Plastiken erschaffe, wie Bauch sagt, und eine Interspecies-Arbeit von Mathias Antlfinger und Ute Hörner.

International Aufmerksamkeit erregte auch Joachim Fleischer mit seinem Münsterscanning in Ulm. Er war als Student bei zwei Dorfsymposien in Süßen dabei. Diesmal ist er mit einer Lichtinstallation im dunklen Bühnenraum der Kulturhalle vertreten. Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem gebürtigen Süßener Peter Odenwaeller. Sein „Raumblock, gekreuzt“, in dessen Innerem Raumgänge und Blickachsen freigelegt sind, steht am Eingang der Kulturhalle. Der Künstler hat den massiven Betonblock selbst angeliefert und aufgebaut.

Der Kurator Martin Bauch hat in der Vorbereitungsphase zusammen mit seiner Frau fast alle Künstler in ihren Ateliers besucht. Wie der Süßener Bürgermeister und Vorsitzende des Kulturvereins, Marc Kersting, ist er gespannt auf die Reaktionen im Ort. Dass viele Leute kommen werden, steht für ihn aber fest. „Schon der neuen Halle wegen.“ Er erinnert sich noch gut an die Finissagen der Vorgänger-Symposien vor mehr als 30 Jahren. „Da kam eine Riesenmenge Kunstinteressierter von überallher in die Provinz.“

Begegnung mit Künstlern

Die Ausstellung „Aktuelle Wege“ wird an diesem Samstag um 19 Uhr in der Kulturhalle in Süßen eröffnet. 19 der 22 Künstler, die mit jeweils einem aktuellen Werk vertreten sind, werden anwesend sein. Die Finissage findet am Sonntag, 9. September, um 19.30 Uhr statt. Die Schau ist an den beiden Sonntagen von 11 bis 20 Uhr und an den übrigen Tagen jeweils von 14 bis 20 Uhr geöffnet.

An allen Ausstellungstagen stellen sich Künstler dem Publikum. An diesem Sonntag erläutern Beate Ludwig (15 Uhr) und der Konzept- und Installationskünstler Branko Smon (18 Uhr) ihre Arbeiten. Der Tapist Daniel Wenk steht am Montag Rede und Antwort. Werner Meyer, der Leiter der Göppinger Kunsthalle, spricht am Dienstag über Konzeptkunst. Die kinetisch-akustischen und visuellen Installationen von Christian Bilger stehen am Mittwoch im Mittelpunkt, und am Donnerstag spricht Gerd Wiedmaier über seine Fotoarbeiten. Michael Deiml erläutert am Freitag seine Projekte und Installationen. Mit einer Begegnung mit Christoph Frick enden die Künstlertreffs, die von Montag bis Samstag um 18 Uhr beginnen.

Bei zwei Stadtspaziergängen dürfen Kinder am Montag und Dienstag von 10 bis 15 Uhr mit Klebebändern experimentieren. Ein Kunst- und Technikprojekt für Kinder im Grundschulalter findet am Donnerstag und Samstag von 9 bis 16 Uhr statt.

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