Autofahrer stehen im Stau: Alltag auf den Straßen im Südwesten. Foto: dpa

Der Verkehr hat im vergangenen Jahr erneut stark zugenommen – vor allem im Raum Stuttgart.

Stuttgart - Die nackten Zahlen: In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres registrierten die Zählstellen an den baden-württembergischen Autobahnen einen Zuwachs des täglichen Pkw-Verkehrs von 2,7 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Der Schwerlastverkehr nahm im selben Zeitraum um 3,3 Prozent zu. Die Zuwachsraten auf den Bundes- und Landesstraßen bewegen sich im ähnlichen Bereich.

Schon für das Jahr 2010 weist die jetzt veröffentlichte Statistik der Landesstelle für Straßentechnik mehr Fahrzeuge und mehr gefahrene Kilometer als im Vorjahr aus. Im Schnitt wuchs der Verkehr zwischen 2009 und 2010 um 0,7 Prozent, auf den Autobahnen um 0,5 Prozent. Durchschnittlich passierten 2010 in 24 Stunden fast 60.000 Pkw die 33 Autobahnzählstellen des Landes.

Was den Lkw-Verkehr angeht, wurde der Rekordwert aus dem Jahr 2008 annähernd wieder erreicht – bei den Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen zieht das Jahr 2010 mit dem bisherigen Rekordjahr 2004 gleich. Auch wenn die letzten drei Monate des vergangenen Jahres noch nicht ausgewertet sind, dürfte 2011 damit das Jahr mit der größten Verkehrsdichte auf den Straßen im Südwesten werden.

Mehr angemeldete Fahrzeuge

Der höchstbelastete Autobahnabschnitt lag wie in den Vorjahren auf der A 8 zwischen dem Dreieck Leonberg und dem Kreuz Stuttgart. Hier waren durchschnittlich knapp 148.000 Fahrzeuge täglich unterwegs. Es folgten die A 5 nördlich des Autobahndreiecks Karlsruhe und die A 81 südlich des Stuttgarter Kreuzes. Die verkehrsreichsten Bundesstraßenabschnitte lagen ebenfalls in der Region Stuttgart. Auf den ersten vier Plätzen rangierten Stuttgart-Zuffenhausen (B 10), Stuttgart-Hedelfingen (B 10), Echterdingen (B 27) und Plochingen (B 10).

Auch die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge hat 2010 weiterhin zugenommen. Am Jahresende waren etwas über sieben Millionen Pkw und Lkw registriert, was einen Anstieg von 1,4 Prozent gegenüber 2009 bedeutet. Gegenüber den Vorjahren erhöhte sich die Zuwachsrate leicht. Mit einer Fahrzeugdichte von 655 Fahrzeugen auf 1000 Einwohnern liegt Baden-Württemberg 5,5 Prozentpunkte über dem Bundesschnitt. Auffallend: Hierzulande sind deutlich mehr hubraumstarke und deutlich weniger Kleinwagen unterwegs als im Rest der Republik.

Ende des Wachstums erreicht

Was die Entwicklung auf den Straßen angeht, kommt das Verkehrsministerium in Stuttgart zu dem Schluss, dass die Verkehrszunahme „deutlich zurückgegangen“ ist, wie Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) sagte. Sie bezieht sich in ihrer Interpretation allerdings nur auf das Jahr 2010. Die vorläufigen Zahlen für 2011 mit dem wesentlich stärkeren Anstieg blendet sie aus. Ihre Schlüsse: Das Ende des Wachstums ist erreicht, „die Zeit des großzügigen Straßenbaus geht zu Ende“. Da sich der Großteil des Verkehrs auf den Autobahnen ballt, will sie Ausbaumaßnahmen künftig nur auf die Hauptverkehrsachsen konzentrieren.

Die defensive Lesart der Grünen klingt ein wenig nach sich selbst erfüllender Prophezeiung. Motto: Zuwächse kleinreden, um den gewünschten Nicht-Ausbau zu legitimieren. Andersrum hat das Spiel jahrelang genauso funktioniert. Die schwarz-gelbe Landesregierung war gerne Baumeister und hat Zahlen zur Verkehrsentwicklung und Prognosen stets in die andere Richtung gedeutet.

Aktuelle Studien sagen bei der Pkw-Stärke einen leichten Anstieg bzw. eine Stagnation voraus. Der Schwerverkehr soll in den kommenden Jahren hingegen stark zunehmen. Ein Blick zurück zeigt, dass man mit Verkehrsprognosen in der Vergangenheit auch schon danebenlag. So blieb der tatsächliche Anstieg des Güterverkehrs in den vergangenen 20 Jahren in Baden-Württemberg rund 20 Prozentpunkte hinter den früheren Erwartungen zurück.

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